1215 verleben — verleiden.
verlauten lassen: der könig . wollte davon ..
öffentlieh verlanten lassen Treitschke 5, 184.
Verleben, mhd. verleben, lebend zubringen: verlebe
das fest recht heiter, häufiger Wunsch; cine heitre stunde
zu verleden Schiller Wallenst. Tod 3, 4; refl. sich
ausleben: wenn er . sieh friedlich selbst verlebet
Herder Ideen zur Phil. 2, 2; verlebt sein, lebend abgenutzt,
altersschwach: seine cltern, obwol sie ganz verlecht
waren Frölich Stob. 363; bei alten und verlebten
leuten Schoch Stud. Leb. 8, 37; trümmer verlebter
cultur Freytag Bild. 1, 252; verlebte bilden
alter zeit 314. — verlegen, mhd. verlegen, legend hin:
dern, sperren: wie er jm den weg verlegt 1. Sam. 15,2;
Dass, zugang, strasze (Maaler), rekzug, rückzugslinio
(Häusser d. Gesch. 1, 261. 293) verlegen; übertragen,
= widerlegen: solt ich dir antworten und deinc
sprüche verlegen? Luther 3, 16 4b; an einen andern
Ort legen, einen brunnen, keller; die messe von Frankfürt
nach Breslau verlegen Adelung; zeitlich: ctwas
nauf einen andern tug verlegen; der termin ist verlegt
worden; darstellend, schildernd: den ort der handlung
nach Spanien, die zeit ins sechzehnte jahrbundert verlegen;
an einen unrechten Ort legen: ioh habe mein
messer verlegt und kann es nicht wieder finden; Sie
werden seinc handschrift verlegt haben Lessinug Minna
1. 6; in älterer Spr. einen verlegen, auf seine Kosten
unterhalten: einen verlegenoder erhulten, dare sumptum,
einen reisigen haufen verlegen und besölden, einen mit
Kült zum studieren oder zur leer verlegen oder erhalten
Maaler; hat er witsambt der sehuel jung geschickt
knaben znegeschaft, solche verlegt Aventin 1, 913;
in neuerer Spr. nicht mehr; etwas verlegen, Kosten für
etwas bestreiten: opfer 1095; dasz ers (das Geld) nicht
hat zu verlegen B. d. Liebe 3524; jetzt noch ein buch
vorlegen, die Herstellungskosten buchhändlerisch übernehmen;
sonst — auslegen, leihweise vorstreden er hat
das geld tur die fahrt einstweilen verlegt; — vefl. sich
auf etwas verlegen, sich einer Beschäftigung widmen,
zuerst von Campe als landschaftlich und nicht empfehlenswerlh
aufgeführt, später allgemein geworden: sich
auf eine kunst, auf schlechtigkeiten verlegen; verleg
sie sich auf neuigkeiten Goethe Faust I. — verlegen,
Part. zu verliegen, s. d. — Verlegenheit, f. verlegene
Art, verlegener Zustand, Unentschlossenheit in Benehmen
und Handeln Frisch; in verlegenheit sein, setzen (Isfland
Manu v. Wort 3, 2), bringen, verlegenhrit zeigen
(Schiller M. Stuart 2, 8); weil .. die verlegenheit
den höchsten grad erreicht hat Preuß. i. B. 1,61; im
Plur.: einem verlegenbeiten bereiten. — Verleger, m.
der da verlegt, nach verschiedenen Bed. des Verbums;
der Widerlegende, Gegner: verleger .. die mich mit
denselben (Gründen) vermeinen zu dringen Luther
1, 63; der die Kosten für etwas übernimmt, rtarius
Stieler; der auf seine Kosten eine große Manusaktur
oder Fabrik anlegt und im Gange erhält Jacobsfon;
im Bergwesen, der auf feine Kosten das ganze
Berggebäude einrichtet oder im Namen einzelner Gewerke
dle Zubußen abführt ebd.; vgl. auch bierverleger;
gewöhnlich jetzt nur buchhändlerisch, verleger eines
buches, werkes. — verlehnen, 1) nach lehnen 1, durch
Lehnen sperren: die fenster .. Sind mit balken verlehnt
Rosegger Waldschulmeist. 11.1. 2) nach lehnen?,
verleihen: geld verlehnen, ich habe das buch verlehnt
Adelung; als Lehen übertragen: das gut ist
noch nicht verlehnt ebd. — verleiden, leid sein oder
werden: (in weiser leszt jm gottes wort nicht verleiden
Sir. 33, 2; wie mir meine alten munuern und
thurme nach und nach verleideten Goethe DuW. 6;
leid machen: ich will dem naseweis den appetit nuch
meinen amouren verleiden Schiller Kab. 3, 2; nuch
vier jahren wurde den Sachsen ltalien verleidet Freytag
Bild. 1, 61; refl.: die tapfern mäidehen erfanden
nichts
verleihen — verleugnen. 1216
in der noth ein kluges mittel, wodureh sie sich den
fremden siegern verleideten Freytag Bild. 1, 208;
die welt verleidete sich ihm 331. — becleihen, mhd.
verlihen, leihweise hingeben, geld, ein buch; als Geschäft:
geld auf zinsen; plerde, u. a.; als Lehen hingeben, einem
ein gut; (der König wollte) dus priesterthum jerlich
verleihen 2. Macc. 11, 3; geben, gewähren: der snider
unde méwet (mäht) .. ulse ime got verlihet Elisab.
3102; (Gott) verleihe jmerdur friede Sir. 50, 25; denen
gott verlichen hatte, das Israel durch sie gehoelfen
würde 1. Mace. 5, 62; einem bilfe (Garg. 92), edeln
sinn (P Gerhardt 77,45), gewalt (Schiller M. Stuart
5, 7) verleiheu; dus von der muse verlichne gedicht
Goethe 56, 105; der könig hat ihm einen hohen orden
verlichen. — verleiten, ahd. farleitan, mhd. verleiten,
wegführen: die morgenröt.. will schon die nacht verleiten
Spee 132, 16; auf falschen oder schlimmen Weg
führen: so pfllegt bei dunkler nucht ein falsches licht
von weiten den muden wandersmann in süumpfe zu
verleiten Lichtwer 216; übertragen: einen zum trinken,
zern, zur suünde verleiten; zur lündelei verleiten Wieland
Ob. 1, 2; (sie) verleiteten die wachhabenden soldaten
. unmäszig zu schwelgen Schiller 4, 169; auch
in nicht bösem Sinne: er verleitete mich zu einem
spaziergange; stunden, in denen man zum nachdenkeu
verleitct wird Goethe Wanderj. 3, 6. — verlernen,
Erlerntes vergessen; auch freier, = vergessen: ich habe
alle hündel dieser erde bis fast auf die erinnerung
verlernt Schiller Karl. 1, 1; ieb hatte endlich verlernt
mich zu schamen Schrift. 1, 70; obwohl er
die christlichen tugenden der liebe, der demuth, der
wahrhaftigkeit mehr und mehr verlernte Treitschke
5, 41. — verlesen, mhd. verlesen, dem ganzen Inhalte
nach laut lesen, berichte, urkunden; brief .. der in
dem concilio verlesco worden Lessing Ber. Tur. 1, 1;
(er) hat gestern. vollständig dicse äuszerung verlesen
Bismarck Red. 2, 257; (ein Pfarrer) der dio symbole
nicht verlesen wollte Treitschke 5, 356; — falsch lesen:
die stelle ist verlesen worden: ich habe mich verlesen.
In der gewerblichen Spr. nach der Bed. 1 von lesen,
— auslesen, aussuchen: der kaufmann verlicst rosinen,
die Unreinigkeiten entfernend; bei Hutmachern wolle verlesen.
— verlehen, mhd. verletzen, verwunden, beschädigen
(vgl. letzen 1); körperlich: ein schwanger weib
(2. Mos. 21, 22),, den nüchsten, einen menschen (3. Mos.
24, 19. 20], sich den fusz, sich am fusze verletzen; wer
holz spaltet, der wird da von verletzet werden Pred.
Sal. 10, 9; frei und bildlich: (Gott) verletzt, und verbindet
Hiob 5, 18; kein glück, kein böser fall sol mir
diesz volk verletzen Königsb. Dichterkr. 91; in Bezug
auf innere Güter, Obliegenheiten: wer aber an mir sundiget,
der verletzet seine scele Spr. Sal. 8, 36; wir
haben niemand verletzt 2. Cor. 7, 2; am guten namen
verletzet werden Stieler; eid (Schiller 4, 25), gesetze
(70), pfliehten (85), ehre (5, 179), schwur (Nänb.
1, 2, das gewissen (Iffland Jäger 2, 9), die majestüt
des königs verletzen; — beleidigen, (inen, cines gefühle
verletzen; er fühlte sich von dieser äuszerung
verletztlt; wo ich mit meinem verschlossenen oft unfreundlichen
wesen dic leute verletzte Moltke 6, 5;
bazu: verletztheit wegen der heimlichen schlieszung des
vertrags Preuß. i. B. 1, 50. — verleugnen, mhd. verlougenen
#gekürzt auch rerlougen, welche Nebenform bis
ins 16. Ih. dauert), in Abrede stellen: abn#egare, abnuere,
negare, virlaukin, verleugen, verleuken, verleyken
Dief.; bsb ich doch nicht verleugnet die rede
des heiligen Hiob 6, 10; die schwiger verleuget, sie hab
keinen (Hafen) Herold Ee 1475; mit dem Beisinne
des Sagens wider den eigentlichen Sachverhalt: das er
seinem nebenmenschen verleuguct, was er zjm. belolhen
hat 3. Mos. 6, 2; die wahrheit verleugnen; einen verleugnen,
seine Anwesenheit in Abrede stellen; er liesz