Contents : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

409  Schmährede  —  schmal.

schmähen  alle  auf  meine  naohlassigkeit  Lessing  an
EKönig  1770;  wenn  das  volk  hier  auf  den  Amphitryon
dich  schmähen  hörte  Ho  Kleist  Amphitr.  1,  1;  absolut:
wie  lange  sol  der  widorwertige  schmehen  Ps.  71,  10;
weiber  schmehen  gern  Schiller  Phöniz.  228;  Jnf.
als  Subst.:  also  kompts  vom  schmehen,  zum  blutvergieszen
  Sir.  22,  30;  busz  jetzt  dein  schmäühen  Grabbe
2,  203.  —  In  Zusammensetzungen:  Schmährede,  k.  Rede
die  da  schmäht  (älter  schmnachred  opprobri#,  coutunelia
  Maaler):  von  schmähreden  und  fluchen  begleitet
  Schiller  4,  174.  —  Schmähschrift,  k.  Schrift  die
da  schmäht:  wer  die  smehschrift  wider  dic  k.  mt.  (Majestät)
  gedruckt  hab  D.  Städtechr.  11,  188;  futh  von
schmutz-  und  schmähschrilten  Häusser  d.  Gesch.  3,  35.
—  Schmähsucht,  k.  Sucht  zu  schmähen:  schmähsucht,  die
vom  neide  stammt  U#8  1,  205.  —  schmähsüchtig,  Schmähsucht
  habend.  —  Schmähwort,  n.  Wort  das  da  schmäht
(älter  auch  schmaachwort,  fluch,  böse  zöred  Maaler):
schmähworte  gegen  einen  ausstoszen;  eontumeltu
schmehewort  Dief.

Schmählich,  zur  Herabsetzung  dienend,  verächtlich,
schimpflich,  mhd.  smubelich,  smihlich,  smäblich,  älter
nhd.  auch  schmüchlich,  voll  schand  und  schmasch,  probrasus
  Maaler;  gefahr  eines  schmächlichen  todts
Simpl.  4,  312;  in  activem  Sinne,  Schmach,  Herabsetzung
zufügend:  schmächliche,  unbilliche  und  aufhabliche
red,  erintinosa  oraffo,  schmächlich,  mit  schmach  worten,
Naledice,  contfumelsose  Maaler;  ein  schmäblieher
brief,  litterae  contumeliosae  Steinbach;  schmaliche
worte.  verächtliche  Adelung;;  passiv,  zur  Schmach  gereichend;
  als  Adi.:  schmähelicher  tod  Stieler;  diese
schmähliche  verwechslung  Hv  Kleist  Amphitr.  1,  1;  dss
ist  schmähliche  selbstsucht  Benedix  zärtl.  Verw.  2,  21;
mit  einem  schmählichen  rückzug  Bismarck  Red.
15,  160;  prädicativ  oder  adverbial:  so  boch  er  stand.  so
tief  und  schmählich  sei  sein  sturz  Schiller  M.  Stuart
4,  5;  bielten  es  für  schmählich  .  wenn  eine  erwachsene
person  ihrencharakter  wechselte  CF  Meyer  Nov.  1,  182;
haben  mich  schmeblich  auf  meine  backen  geschlagen
Hiob  16,  10;  du#  hast  die  beilige  pflicht  der  rache
schmählich  vergessen  CFMeyer  Jenatsch  316;  —  in
abgeschwächter  Bed.,  nur  =  arg,  schlimm:  dem  sein
vergnugen  so  schmühlich  vereitelt  worden  Goethe
Du  W.  I1;  dieses  armselige  geschlecht  schmählich  im
stich  lsssen  Heyse  1,  275;  ich  habe  seinen  geburtstag
schmählicher  weise  ganz  vergessen;  —  in  gewöhnlicher
Spr.  noch  weiter  zurückgegangen,  nur  —  sehr,  heftig:  es  ist
eine  schmäliche  bitze,  schmälich  kalt,  schmilich  grosz
Adelung.  —Schmähung,  (.  Handlung  des  Schmähens,
mhd.  smichunge:  die  schmöhung  erdulden  Steinbach;
schm.  begeben,  veruben;  schmähende  Rede:  unf  einen
schmähungen  ausstoszen  ebd.;  die  schmähungen  verzeih
ich  Grabbe  1,  87;  der  ihn  zuvor  mit  kctzerischer
schmähung  uberhäuft  Geibel  7,  208.

Schmal,  nicht  breit,  gering,  kärglich;  gemeingerm.
Wort,  einst  in  dem  allgemeinen  Sinne  klein,  gering,
goth.  smals,  altengl.  smäl,  altsächs.  ahd.  mhd.  smal;
altnord.  smali  Kleinvieh;  als  urverwandt  dazu  wird
hingestellt  griech.  msla  (für  smela)]  Kleinvieh.  Die
Steigerungsgrade  in  älterer  Spr.  mit,  in  jetziger  lieber
obne  Umlaut.  Die  Bedentung  hat  sich  aus  dem  Begriffe
  des  körperlich  kleinen  zwiesach  verengt;  1)  Gegensatz
  zu  breit  (s.  d.):  ein  borle  smal  Nib.  1505;  der  weg
ist  schmalh,  der  zum  leben  furet  Matth.  7,  14;  schmale
brücke  der  wahrbeit  und  schönheit  Schiller  2,  346;
das  schmale  laub  von  weiden  EvKKleist  Menalk  4;
schmaler  rand  (Lenau  112),  streisen  (Keller  Werke
1,  209),  schatten  (CF  Meyer  Ang.  Borgia  51);  schmale
seite  des  saales  Bismarck  Red.  5,  150;  von  Gliedmaßen,
  Leibesteilen:  schmale  fusze,  huften.  brust,  hund
(Keller  Sinnged.  322),  wangen  (Werke  1,  210);  der
bauch  ward  bald  schmal,  und  sehr  gering  EAlberus

Schmalhaus  —  schmälern.  410

Fab.  10,  60;  in  älterer  Spr.  auch  noch  —  schlank:  ich
waigz  ein  smal  praune  maid  Erlauer  Spiele  3,  381.
Jäger  nennen  das  Wild  schmal,  wenn  es  mager  ist.
2)  nicht  reichlich,  dürftig,  knapp:  winter,  din  gewalt
ist  worden  2mal  Minnes.  1,  245;  besonders  von  Kost,
Unterhalt  und  was  dazu  dient:  den  beutel  lehr,  und
schmal  dos  schmer  Garg.  90;  er  hat  eine  schmilo
kuche,  angusfta  mensa  eibum  eapit  Steinbach;
schmale  portionen  (Schiller  3,  544),  kost  (Moltke
4,  211),  atzung  (Schessel  Tromp.  171);  sie  schnirt
und  asz  ihr  ränftlein  brot,  ihr  schmales  Rückert  ges.
Ged.  1,  161;  auch  schmales  geld,  vermögen,  schmaler
bentel;  schmal  leben,  tenui  vietitare  schno  Steinbach;
  tractire  ich  .  dic  wohlhabige  vicl  schmiler
Simpl.  2,  141;  birten,  die  gern  und  schmal  bewirten
Goethe  Div.  5,1;  dessen  kasse  .  Schmal  bestellt
war  Scheffel  Tromp.  63;  unsinnlicher:  oin  schmale
hoffnung  haben,  in  arcio  4%  „  Honere  Maaler;
schmales  lob,  kaus  parca  Stieler;  schmale  pächt,
beckigadte  tenuiora,  von  bienen.  günsen,  fluchs  Frisch.
—  Zusammensetzungen:  Schmalhaus,  m.  ersonnener
Eigenname  und  Bezeichnung  für  einen,  bei  dem  es
schmal  hergeht;  sprichwörtlich:  da  wird  Schmalhans  endlieh
  kuchenmeister  Schuppins  121;  hier  ist  Schmalhans
  kuchenmeister  Freytag  Ahnen  5,  52;  sonst  —
Hungerleider  Simpl.  1,  228,  und  Hunger  selbst:  hötte
mich  anch  der  Schmalhans  trefllich  gequblet  212.  —
Schmaltier,  n.  bei  Jägern  Hirsch=  und  Rehkalb  von
einem  Jahre.  —  Schmalvieh,  n.  kleines  Vieh,  unterschieden
  von  dem  großen  Zug=  oder  Lastvich,  mhd.
smalvibe.

Schmäle,  k.  Schmalheit:  bei  der  schmäle  des  bildes
Goethe  59,  68.  —  schmälen,  klein,  gering  machen,
Ableitung  vom  Adj.  schmal;  mhd.  smeln  in  der  sinnlichen
  Bed.  verringern,  die  ictt  noch  in  schmälern  (s.  d.)
haftet,  niederl.  smalen,  smallen,  calchucre,  coadretare,
eontrahere,  minuere  Kilian;  übertragen  —  herabsetzen,
  heruntermachen:  smalen  op  yemanden.  detrahere
allienrf  derogore  ebd.;  bair.  schmaln,  schmalln,  einen
oder  etwas  herabsetzen  Schmeller;  in  der  uhd.  Schriftspr.
  im  Begriffe  gemildert,  —  Unzufriedenheit  wortreich
äußern,  weniger  scharf  als  schelten  oder  gar  zanken  (die
verbreitete  Schreibung  sehmühlen  knüpft  ganz  sälschlich
an  schmähen  an);  absolut:  der  neid  kann  nichts  als
schmülen  Stieler;  er  bört  zu  schmählen  auf  Cronegk
2,  80;  er  ..  läszt  mich  schmälen  hier  nach  herzenslust
  Grillparzer  4,  51;  ausnahmsweise  schärfer:
die  übtissin  geborchte  schimpfend  und  schmählen
CF  Meyer  Nov.  1,  251;  mit  Acc.:  kreilich  schmählte
sie  mich  tuchtig  aus  Wieland  Sylv.  3,6;  will  mich
dennoch  der  und  jener  schmälen  Uhland  444;  mit
abhängigem  Satze:  Sie  werden  geschmält  haben,  dasz
der  hausvster  so  lang  anf  sich  warten  liesz  Schiller
Fiesko  1,  6;  du  bast  wobl  oft  geschmühlt,  dasz  ich  dio
kleider  .  so  selten  trage  Grillparzer  3,  195;  mit
Präpositionen:  man  soll  auf  dic  todte  nicht  schmülen,
er  schmält  auf  den  ledigen  stand,  auf  eines  tuhn  und
lassen  schmälen  Stieler;  sie  .  schmählt  auf  böser
zeiten  lauf  Gellert  Fab.  1,  15;  mit  einem,  uber  cinen,
etwas  schmälen;  darob  sein  weibchen  treffüch  schmählt
Hölty  20;  —  bei  Jägern  von  einem  gewissen  Tone
des  Rehbocks  oder  Rehes:  vom  hunge  schmänlto  das
brunstige  rch  Droste  243;  von  der  Wachtel:  die
wuchtel.  die  sonst  immer  frühe  schmülend  weekt  den
tag  Uhland  52.  —  schmälern,  schmaler  machen,  verringern,
  verkleinern,  Intensivbildung  zu  mhd.  emeln
gleicher  Bed.  (vgl.  unter  schmülen);  schon  mhd.  als
smelern  (schmellern,  schmöllern  Lerer)  vorkommend.
aber  erst  uhd.  recht  ausgebreitet;  nach  der  Bed.  von
schmal  1:  einen  pfad,  graben  schmälern;  die  enge  gebirge
  schmälern  den  weg  Stieler;  sie  schmülert.
gleicht  und  schwürzt  der  augen  dunnes  haar  Nachel