258 Erstes Kapitel.
Indessen dies Vertrauen besaß der Prinzregent nicht; vielmehr
war er, die Forderungen der Seit erwägend, zur Neubildung des
Ministeriums seit langem entschlossen. Auf seinen früheren Gedanken
zurückgreifend, beauftragte er den Fürsten Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen
mit der Bildung eines neuen Ministeriums. Der Fürst,
1811 geboren, war seinem Vater 1848 in der Regierung gefolgt. Allein
schon im folgenden Jahre hatte er, durch die politischen Stürme gezwungen,
bei Hreußen Schutz zu suchen, sein Land an Preußen abgetreten:
ein Mann, ebenso sehr durch sein gründliches Wissen wie durch seine
reiche Erfahrung in Staatsangelegenheiten ausgezeichnet. Trefflich
charakterisiert ihn sein Wort: „Ich habe ein volles preußisches Herz in
mein zweites Vaterland mitgebracht und den Schritt, den ich 1849 gethan,
noch nicht einen Augenblick bereut.“
Somit erhielten denn am 6. Movember die bisherigen Minister ihre
Entlassung. Nur zwei waren in das neuberufene Kabinett übernommen,
dessen Präsidium der Fürst von Hohenzollern übernahm. Die übrigen
Mitglieder desselben waren Rudolf von Auerswald als Staatsminister,
Freiherr von Schleinitz als Minister der auswärtigen Angelegenheiten,
Generalleutnant von Bonin als Kriegsminister, Freiherr von Patow als
Finanzminister, Herr von Bethmann-Rollweg als Kultusminister, Graf
Hückler als Ackerbauminister. Flottwell wurde das Ministerium des
Innern definitiv übertragen, doch gab er es schon im Juli 1850 an den
Grafen Schwerin ab. Aus dem früheren Kabinett blieb Herr von der
Bevdt Randels= und Simons Justizminister. Sie stellten das konservative
Element in dem neuen Ministerium dar, während dessen übrige Mitglieder
einem gemäßigten Liberalismus zugethan waren.
„Dein Ministerium“, schrieb der Hrinzgemahl aus Windsor alsbald
an den Hrinzregenten, „ist in der That eines von Shrenmännern und
wird die Achtung des In= und Auslandes genießen, und Du wirst mit
Recht für die Ruhe und den Wut bewundert, mit welchem Du das, was
Du als Recht und zum Besten Deines Landes erkannt hattest, durchzuführen
gewußt hast.“
Am 8. November 1858 war das Ministerium zu seiner ersten Sitzung
versammelt. Der Hrinzregent eröffnete dieselbe mit einer Ansprache an
die Minister, in der er mit KRlarheit und feierlichem Wachdruck die
Grundsätze darlegte, nach denen er die Regierung Hreußens fortan geführt
sehen wollte. Don einem Bruche mit der Dergangenheit solle nun
und nimmermehr die Rede sein; nur die sorgliche und bessernde Hand solle
angelegt werden, wo sich Willkürliches oder Unzeitgemäßes zeige. Das