256 Erstes Kapitel.
durch mich für das Vaterland beginnt.“ Dann eröffnete er durch Erlaß
vom 9. Oktober dem Ministerium, daß er die Regentschaft übernehme,
und berief noch an demselben Tage die beiden Häuser des Landtages
zu ihrer verfassungsmäßigen Mitwirkung bei der Einsetzung der Regent—
schaft.
„Der Regent übt die dem Könige zustehende Gewalt in dessen
Namen aus“, bestimmt Artikel 58 der Verfassung.
Mit freudigem Dertrauen vernahm man im ganzen Lande die Kunde
von der UÜbernahme der Regentschaft durch den Hrinzen von Hreußen.
Auch der Landtag sprach sich mit Stimmeneinbeit für die Rotwendigkeit
der Regentschaft aus. Das gab dem Hrinzen Dertrauen, dessen Herz
der Kummer über das schwere Geschick seines königlichen Bruders erfüllte
und die Sehnsucht bewegte, daß der königliche Dulder doch noch
genesen und mit hellen Sinnen auf den Thron zurückkehren möge. So
erklärte er denn dem TLandtage, daß er des ernsten Willens sei zu thun,
was die Derfassung und die Gesetze erbeischten, daß aber seine Wüncsche
und Gebete unablässig erflehten, Gottes Gnade möge dem Rönige gestatten,
das königliche Amt seinerzeit selbst wieder auszuüben. Wahrlich
nicht nach der Rerrschergewalt drängte es den Hrinzen; er übernahm sie,
weil er es für seine Oflicht hielt; aber unendlich viel lieber wäre es ihm
gewesen, nicht in diese Lage sich gebracht zu sehen.
Am 26. Oktober leistete der Hrinzregent den Eid auf die Derfassung.
Dann wandte er sich mit einem kurzen, festen Wort an den Landtag.
„Es ist meinem Herzen Bedürfnis“, sprach er, „Ihnen, meine Herren,
meinen Dank auszusprechen für die patriotische Einmütigkeit, mit welcher
Sie mir Ihre Witwirkung zur Einrichtung der Regentschaft gewährt
haben. Sie haben dadurch einen erbebenden Beweis gegeben, was
preußische Daterlandsliebe in verhängnisvollen Augenblicken vermag. Sie
haben durch die Einstimmigkeit Ihres Beschlusses — davon bin ich überzeugt
— das Herz unsers teuren Königs und Berrn erquickt. In mir aber
haben Sie die schmerzlichen Gefühle, mit welchen ich die Regentschaft
übernahm, wesentlich gemildert und die Suversicht gestärkt, daß es mir
gelingen werde, während der Dauer meiner Regentschaft die Ehre und
das Wohl des teuern Daterlandes zu dessen Heil und Segen zu fördern.
Das walte Gott!“ «
Aufmerksam folgte den Vorgängen in Berlin der alte Freund in
England, der Prinzgemahl. Von ganzem Herzen wünschte er dem
Prinzregenten zur vollständigen Lösung der Regentschaftsfrage Glück.
„Bewundernd anerkennen muß ich dabei“, setzte er hinzu, „die ganz vor-