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1. Das große Büderbuch der Natur.
Von Augustin Wlbbelt.
1# besuchte einmal einen steinalten Mann und traf ihn vor
dem Hause auf der Bank mit dem kleinen vor Vergnügen
krähenden Urenkel auf den Knien. Sie waren beide in ein
Bilderbuch vertieft; es war ein Anblick zum Malen. Der freundliche
Greis im schneeweißen Haar, von der Last des Alters gebeugt,
und das kleine blonde, rosige Menschenkind, ringsum
die sommerliche Pracht der Natur — Winter und Frühling
mitten im Sommer. Wenn ich in meinen gesetgten Jahren
den Herbst vorstellen kann, dann waren alle vier Jahreszeiten
Vertreten.
„Der Kleine will immer Bilder sehen,“ sagte der Urgroßvater
mit zärtlichem Blick auf seinen Urenkel, „.und ich muß
sie ihm erklären.“ Als ich ihm erwiderte, daß es auch für
große Leute eine Freude sei, schöne Bilder zu betrachten, sagte
der alte Mann ein Wort, das mir auHerordentlich gut gefallen
hat: „Das schönste Bilderbuch hat unser Herrgott.“ Er deutete
mit dem Arm über das sonnenhelle Feld und den fernen dunkeln
Wald. „Man kommt nie damit zu Ende, und das beste ist:
seine Bilder sind lebendig.“ Als ich nach Hause ging und die
schmalen Pfade zwischen den hohen Kornfeldern dahinschritt,
ließ ich meine Blicke schweifen über all die Herrlichkeit, die
der Schöpfer ausbreitet in seiner lieben Natur, und dachte nach
über das Wort des alten Mannes. Das Bilderbuch Gottes,
worin wir unser ganzes Leben blättern, wie schön und reich,
wie bedeutungsvoll ist es! Und doch laufen so viele daran vorüber
mit blinden Augen und kaltem Herzen als törichte Kinder.
Wie schön ist es! Kein Menschenkunstwerk wird jemals
dem Kunstwerke des Schöpfers gleichkommen. Cottes Bilderbuch
gebt ins Groge und geht ins Kleine, und es ist eben
schön im Großen wie im Kleinen. Wie schön ist nicht dies
weite wogende Feld im goldenen Sonnenglanze, vom Walde
umrahmt, vom blauen Himmel überspannt! Und wenn die
Sonne schlafen gegangen ist hinter dem Purpurvorhang im
Westen und die Nacht ihre schwarzen Schleier breitet über
die ruhende Welt hier unten, während oben viel tausend neugierige
Sternenaugen niederschauen — oh, ist das nicht ein
wunderherrliches Bild voll überwältigender Erhabenheit? Und
wenn der Sturm sich erhebt mit dumpfem Murren; wenn das
Gewitter die riesigen Rabenflügel entfaltet und die roten Blitze