Full text: Anschaulich-ausführliches Realienbuch.

— 295 — 
10. Die feste Rolle. (S. Abb.!) a. Will man Mehlsäcke, Balken u. s. w. in die 
Höhe ziehen, so bedient man sich häufig der Rolle. Das ist eine kreisrunde Scheibe, 
  
  
die an ihrem Rande mit einer Rille versehen ist und sich □ 
um eine durch ihren Mittelpunkt gehende Achse drehen 
läßt. Die Achse hängt in der sogenannten Schere. Ist die 
Schere an einem Orte festgehalten, so haben wir eine 
„feste“ Rolle. 
b. Wir befestigen uns eine solche Rolle mit ihrer 
Schere an einem Gestelle. Dann drehen wir die Rolle um 
ihre Achse. Sie macht keine fortschreitende Bewegung. 
Hierauf hängen wir über die Rolle eine Schnur, deren 
Enden mit gleichen Gewichtstücken versehen sind. Keins der 
Gewichtstücke sinkt hinab. Die Rolle dreht sich nicht. Die feste Rolle ist im 
Gleichgewichte, wenn die Last gleich der Kraft ist. Sie gleicht nämlich 
einem gleicharmigen Hebel. Der Unterstützungspunkt liegt im Mittelpunkte, die An- 
griffspunkte der Last und Kraft da, wo das Seil auf beiden Seiten (bei A u. B) 
die Rolle verläßt. (Eine Linie von A nach B durch den Mittelpunkt gezogen, würde 
den Hebel deutlich darstellen.) 
c. Bei der Anwendung der festen Rolle wird an Kraft nichts gespart. Ihr 
einziger Vorteil liegt darin, daß man mit ihrer Hilfe die Richtung des Ziehens 
verändern kann und infolgedessen seinen eignen Körper nicht mit nach oben zu 
heben braucht. So zieht z. B. der Handlanger, wenn er einen Eimer 
mit Mörtel nach oben schaffen will, an einem Seile der Rolle ab- 
wärts. — Inwiefern finden die festen Rollen bei Kronleuchtern, 
Thüren, Rouleaux u. s. w. Verwendung? 
11. Die bewegliche Rolle. (S. Abb. links!) a. Die Schere der 
beweglichen Rolle ist nicht, wie die der festen Rolle, an einem Orte 
festgehalten. Um die bewegliche Rolle näher kennen zu lernen, be- 
festigen wir das Ende einer Schnur (81) an einer Thürangel, leiten 
11# die Schnur um eine Rolle, deren Schere abwärts 
1 hängt, und halten das andre Ende (82) der Schnur 
mit der Hand fest. Indem wir die Hand auf und 
ab bewegen, dreht sich die Rolle um ihre Achse und 
macht dabei eine fortschreitende Bewegung. Hängen 
wir an die Schere der Rolle ein schweres Gewicht 
und ziehen es mittels des unbefestigten Schnurendes 
in die Höhe, so läßt sich das Gewicht viel leichter 
heben als ohne Rolle. 
b. Man benutzt die bewegliche Rolle fast stets 
in Verbindung mit einer festen. Wir leiten daher 
das freie Ende der um die bewegliche Rolle gehenden 
Schnur über eine feste Rolle und bringen durch ein 
Tariergewicht (8 8 b) die bewegliche Rolle ins Gleich- 
gewicht. Hierauf hängen wir an die Schere der be- 
weglichen Rolle 10 g und an das Schnurende mit dem Tariergewichte 
5 g. Die Gewichtstücke bleiben in Ruhe. Die 5 g an dem Schnur- 
ende halten den 10 g an der Schere das Gleichgewicht. Die be- 
wegliche Rolle ist im Gleichgewichte, wenn die Kraft halb 
so groß ist als die Last. Die Last wirkt auf die Schere und durch 
diese auf die gleichweit von ihr befindlichen Seilstücke. Jedes Seilstück 
hat also die Hälfte der Last zu tragen. An dem einen Seilstücke 
    
  
  
  
— 
M 
  
l 
  
  
h