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10. Die feste Rolle. (S. Abb.!) a. Will man Mehlsäcke, Balken u. s. w. in die
Höhe ziehen, so bedient man sich häufig der Rolle. Das ist eine kreisrunde Scheibe,
die an ihrem Rande mit einer Rille versehen ist und sich □
um eine durch ihren Mittelpunkt gehende Achse drehen
läßt. Die Achse hängt in der sogenannten Schere. Ist die
Schere an einem Orte festgehalten, so haben wir eine
„feste“ Rolle.
b. Wir befestigen uns eine solche Rolle mit ihrer
Schere an einem Gestelle. Dann drehen wir die Rolle um
ihre Achse. Sie macht keine fortschreitende Bewegung.
Hierauf hängen wir über die Rolle eine Schnur, deren
Enden mit gleichen Gewichtstücken versehen sind. Keins der
Gewichtstücke sinkt hinab. Die Rolle dreht sich nicht. Die feste Rolle ist im
Gleichgewichte, wenn die Last gleich der Kraft ist. Sie gleicht nämlich
einem gleicharmigen Hebel. Der Unterstützungspunkt liegt im Mittelpunkte, die An-
griffspunkte der Last und Kraft da, wo das Seil auf beiden Seiten (bei A u. B)
die Rolle verläßt. (Eine Linie von A nach B durch den Mittelpunkt gezogen, würde
den Hebel deutlich darstellen.)
c. Bei der Anwendung der festen Rolle wird an Kraft nichts gespart. Ihr
einziger Vorteil liegt darin, daß man mit ihrer Hilfe die Richtung des Ziehens
verändern kann und infolgedessen seinen eignen Körper nicht mit nach oben zu
heben braucht. So zieht z. B. der Handlanger, wenn er einen Eimer
mit Mörtel nach oben schaffen will, an einem Seile der Rolle ab-
wärts. — Inwiefern finden die festen Rollen bei Kronleuchtern,
Thüren, Rouleaux u. s. w. Verwendung?
11. Die bewegliche Rolle. (S. Abb. links!) a. Die Schere der
beweglichen Rolle ist nicht, wie die der festen Rolle, an einem Orte
festgehalten. Um die bewegliche Rolle näher kennen zu lernen, be-
festigen wir das Ende einer Schnur (81) an einer Thürangel, leiten
11# die Schnur um eine Rolle, deren Schere abwärts
1 hängt, und halten das andre Ende (82) der Schnur
mit der Hand fest. Indem wir die Hand auf und
ab bewegen, dreht sich die Rolle um ihre Achse und
macht dabei eine fortschreitende Bewegung. Hängen
wir an die Schere der Rolle ein schweres Gewicht
und ziehen es mittels des unbefestigten Schnurendes
in die Höhe, so läßt sich das Gewicht viel leichter
heben als ohne Rolle.
b. Man benutzt die bewegliche Rolle fast stets
in Verbindung mit einer festen. Wir leiten daher
das freie Ende der um die bewegliche Rolle gehenden
Schnur über eine feste Rolle und bringen durch ein
Tariergewicht (8 8 b) die bewegliche Rolle ins Gleich-
gewicht. Hierauf hängen wir an die Schere der be-
weglichen Rolle 10 g und an das Schnurende mit dem Tariergewichte
5 g. Die Gewichtstücke bleiben in Ruhe. Die 5 g an dem Schnur-
ende halten den 10 g an der Schere das Gleichgewicht. Die be-
wegliche Rolle ist im Gleichgewichte, wenn die Kraft halb
so groß ist als die Last. Die Last wirkt auf die Schere und durch
diese auf die gleichweit von ihr befindlichen Seilstücke. Jedes Seilstück
hat also die Hälfte der Last zu tragen. An dem einen Seilstücke
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