273 Scharte — Schartele.
ungerades vorgefallen Hebel 2, 167; 's kommt regen
vüchter (der Hund) schurrt die erde Schiller Tell
1, 1; — von Menschen, in der Bewegung der Hände
und Füße: (der gesallene Riese) scharret und kratzet
mit den hünden in der erd, wic ein unvernünftiges
thier B. d. Liebe 3535; Ausdruck der Freude: das du
mit deinen hendien geklitschct und mit den fuszen gescharret.
hast Hes. 25, 6; bei einer Verneigung: wer
kloplet an die thür? und was for tiefes scharren der
füsz erhebet sich? Homburg Clio J 6b; sein fasz
scharrt bünrisch zu dem kurzen grusz Hagedorn Od.
5, 16; scharrte unter verbindlichen redensarten hinten
aus Gandy Erz. 95; bei Studenten Ausdruck des Mißfallens,
in der vorlesung scharren. den lehrer ausscharren;
bei Gier und Geiz: der alte scharrt vieles
geld zusammen Steinbach; alles auf scinen haufen.
sprichwörtlich auch uuf seinen kuchen scharren; er soll
nur drauf los schaben und schurren Schiller Räub.
1, 2; die tagdiebe . scharren aus hunger nach privilegien
Goethe Egm. 2; — mit Werkzeugen: harz von
den bäumen, rusz aus dem schornstein, spcisereste aus
dem topfe, eine leiche in die erde scharren; es scharrt
die kuchenzose Schiller 4, 17. 2) als Bezeichnung
eines besonderen Geräusches: das scharren mit dem
halsc, eine Art des Räusperns Adelung: tirolisch
scharren, im Reden schnarren, besonders den Buchstaben
r rauh und schwerfällig hervorbringen Schöpf; dann
scharrt sie noch als wie ein wotzstein APichler
neue Marlsteine 167; in älterer Spr. — lärmen, laut
sein, prahlen: die da hoch her rhumen und scharren
vom alten glauben Luther 8, 268°; auch — zanken:
darsstu so truczig mit mir scharren? H Sachs Fastn.
Sx. 6, 69; dazu in der älteren Spr. scharrhans Name
für einen Lärmer und Prahler Luther 5, 46b.
Scharte, f. Lücke in der Schneide eines Werkzeuges,
mbd. scharte, mud. scharde, Subst. zu dem gemeingerm.
Adj. altnord. skarör, altengl. sceard, ahd. scart,
mbd. schart zerhanen, verwundet, das eine Participialbildung
zu scheren (s. d.) ist. Von der engsten Bed.
des ausgebrochenen Stückes in der Schneide ist bereits
das Mbd. zu erweiterter gekommen, da es dort auch
ausgebrochenes oder ausgehauenes Stück überhaupt,
Offnung, Loch, Lücke, Wunde, selbst Stück, Teil bezeichnet;
uhd. hat sich die Bed. wieder verengt; eine
schartc des messers, cultri dens Steinbach; du hast
sein scharfles schwerdt mit scharten stumpf gemacht
Opitz Pfalm. 172; indesz unsre teutsche knochen
scharten in ihre klingen schlagen Schiller Fieslo
5, 4; bildlich: dic scharte auswetzen, derimenttcn
ssurcire Frisch; ihr werdet wic büren fechten, wollt
ihr dicse scharte verwetzen Schiller Fiesko 4,7; eingebauene
Lücke in einem andern Gerät: hich in den
lehtenen tisch cine groszmärhtige scharte Gandy
Erz. 175; Lücke in der Umsassung eines Hauses für
Schießgewehr, schieszscharte; cin riesenschlosz, wo
aus Lespaltner scharten hort sich niederdrüngt des
winters zeichen Droste 323; aus den mit scharten
versehenca bäuscrn schossen sie Moltke 3, 344; Spalte
in der Lippe, vgl. hascoseharte; oberdentsch Einsattlung
eines Bergrückens; Pflanzenname, schurte, Harberscharte,
4jr E„ckr““
Scharteke, I. altes unnützes Ding, besonders Buch,
Urkunde, niederdeutsch als se#ricke. s. hart#ke im 16. Jh.
vorbanden, und fremdländischen Aussebens; aber doch
wohl nur Entsiellung einer deutschen Bildung mit Tonrückung
nach ausländischem Vorbud, wahrscheinlich in
Schüler= oder Studentenkreisen aufgekommen aus niederd.
schart Scherbe, weggeworsenes Stück und der Diminutivendung
ken (in ähnlicher Weise und in denselben Kreilen
wurde ein im 16. Ih. auch von Luther vielgebrauchtes
partéke. Teilchen, Stückchen Brot aus pärtken, pärteken
umgesormt); die allgemeine Bed. des nichtsnutzigen
M. Heypne, Deutiches Worterbuch, 111.
schartig — Schatten. 274
Trödels wurde, wie es für Schüler natürlich ist, vorzugsweise
auf Bücher und Urkunden eingeengt, aber die
sormelle Entstellung des Wortes veranlaßte auch fremde
Schreihung (scartcque, ein nichtswurd'iger zettal oder
bries Nehring 1063), selbst Abschwächung des ursprünglich
nur verächtlich gemeinten Sinnes, so daß
im J. 1536 scartecen auch Urkunde schlechthin beißt
(Schiller-Lübbeng; gemeinhin bleibt aber der spöttische
Beisiun: wie es unser oftberurte scartcck
nennct Garg. 66; die authores, welche so nvichtsnutzige
scartecken auszgchen lassen Zinlgref Aporhth. 1, 300;
(Feuer) brennt nach der scharicke lustern Lenau 31;
von Briefsen: die alten scharteken E König an Lessing
1776; der allgemeine Sinn des Trödels auch noch in
jeziger Spr.: meine so schönen bractcaten selen nachgemachte
scharxteken Immermann Münchh. 1,222.
Schartin, älter scharticht, mit Scharten verseben,
mhd. scherteht, mit Umlant, der auch bisweilen später
erscheint: allzuscharf macht schürtig (: gewärtis) Lichtwer
Fab. 4, 23; gewöhnlicher, in neuerer Spr. durchaus,
umlautlos: schartig (neben schertig) Stieler,
scharticht Steinbach; schartige klinge (Droste 366),
sebere (Taylor Antin. 338), messcr (Rosegger Waldschulm.
1761; die pflugschar wird am modernden gebein
im acker schartig Hevse 10, 200; (Trompetentöne)
die ihm wie pondurenmesser Sschartig in die
seche schneichen Schessel Tromp. 147; — mit Schießscharten
versehen: burg. so schartig und so fest Freiligrath
3, 17; mit . schartgen zinnen Geibel 1, 223.—
Scharwenzel, scharwenzeln, s. unter schar.
Schasmin, m. Pflanzenname, s. jasmin.
Schatten, m. dunkles durch Lichthemmung hervorgernsenes
Abbild eines Körpers, Abwesenheit eines unmittelbaren
Lichtes; gemeingerm., nur im Altnord. verdrängtes
Wort, gank. skadus, altengl. sceadu, altsächs.
scado, ahd. scato, mhd. schate. verwandt mit griech.
skotos Finsternis, altir. scäth Schatten; Declination in
der alten Spr. die starke, von der auch ein Plur. mit
Umlaut (die schet Brant Narrensch. 15, 30) gebildet
ist, daneben kommen im Mhd. schwache Formen empor,
die sich in der neueren Spr. allein bebaupten; die
Nominativsorm der schatte, früher gewöhnlich, gekürzt
auch schatr (Maaler, Steinbach), zeigt sich gelegentlich
bis jetzt: cin schattc, der vorüber streicht Schiller
Mach. 5,6; mein schait' ist mir nicht treuer Geibel
1, 114; die heutige Hauptsorm schatten ist im 15. Ih.
bereits bezeugt. Bed. 1) schatten als Abbild des Körpers:
du sicht dic schatten der berge lur leute an Richt.
9, 36; auf das, wenn Petrus keme, das scin schatte
jrer ctliche uberschattet Ap. Gesch. 5, 15; der schatten
ihres zuruckfliegenden kleides Schiller 1, 320; nach
altem Rechtsbrauche gibt man eigenen und Spielleuten
bote den schaten cincs mannes, um daran sich wegen
einer Beleidigung zu erholen Sachsensp. 3, 15,9; alt
auch — Spiegelbild im Wasser: dd cr (der Hund) kum
mitien in den bach, den schatten er des vleisches
sach, dag er ia sinem munde trucc Edelstein 9, 10;
scinen schatten im wasser sehen Adelung; bei Zeitmessungen:
kurzer schatten des Mittags, langer des
Abends; es wil abend werden, und die schaten werden
gros Jer. 6, 4; die sonne .. malt auf den glänzcuden
matten der bäume gigantische schatten Schiller Bürgschaft;
bildlich: 2war längern schon sich ibres l b. us
schatten Uhland 460: — schatten. von einem Bilde
in Umrissen, in technischem Sinne ivgl. schattenri-z.:
wenn ich den schulicn einer persou hei mir lübre,
musz es nicht folgen, dasz das original wir werth ist?
Schiller Fiesko 2, 2; in freierem Sinne, von eiuer
bloß umrissenen Zeichnung: der schatten von dem das
zukunftig war Col. 2, 17; das gesetz hat den schatten
von den zukunftigen gutern, nicht das wesen der g#er
selbs Hebr. 10, 1; die person des Sicgelbewuabrers
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