344 I. Der exekutive Kriminalbeamte.
Beschreibung der in Frage kommenden Oertlichkeiten, Räume, Türen, Behällbnisse,
Schlösser und der Art des Einbrechens, Einsteigens und Erbrechens, vielleicht auch
unter Beifügung einer ganz einfachen Skizze zu geben.
Es folgen noch einige Fingerzeige für einzelne Arten von Diebstählen.
Bei einem Einbruchsdiebstahl oder Einsteigediebstahl beobachte man
genau die Art des Einbruchs, nehme alle von dem Diebe zurückgelassenen Gegen-
stände, auch wenn sie noch so unscheinbar sind, an sich, nehme eventuell Abdrücke
von den Spuren der verwendeten Werkzeuge, Abdrücke von Fußspuren und photo-
graphiere die auf festem Boden hinterlassenen Spuren von Fußtritten oder Hand= resp.
Fingerabdrücken. Weiter beobachte man, ob der Dieb Werkzeuge wie Leitern, Hebe-
stangen usw. gebraucht und dieselben benutzt hat. Derartige Gegenstände sind
gewöhnlich aus der Nachbarschaft von dem Diebe weggenommen worden. Auch hier
recherchiere man, ob die Nachbarn Wahrnehmungen gemacht haben, die mit der
Person des Täters in Verbindung gebracht werden können. Nach einer gewissen-
haften Feststellung des Tatbestandes wird man einen Anhalt bekommen, ob ein
geplanter Diebstahl oder ein Diebstahl vorliegt, zu welchem die günstige Gelegenheit,
wie zum Beispiel das Offenstehen eines Fensters usw., verführt hat. Weiter wird
man aus den Vorbereitungen, aus dem zielbewußten und sicherem Vorgehen des
Diebes ersehen können, ob er ein „alter Praktikus“ oder ein Neuling ist, der planlos
„gearbeitet hat“, sowie ob er etwa genaue Ortskenntnis hatte. Endlich richte man
sein Augenmerk darauf, ob bei Erbrechen von Behältnissen, Türen usw. eine gewisse
Kunstfertigkeit vorliegt oder ob der Täter bei seiner Arbeit sozusagen „gewürgt"
hat. Im ersteren Falle hat man es mit einem gewiegten Einbrecher oder einem
Schlosser, Bauhandwerker usw. zu tun, im letzteren Falle mit einem Neuling.
Diese Verschiedenheit gibt oft eine Spur.
Unter „Schränkzeug“ versteht der Einbrecher (Schränker) einen Satz von 28
Dietrichen, welche aus zumeist starkem Eisendraht hergestellten einfachen und Doppel-
haken bestehen, die ihre bestimmten Formen und ihren bestimmten Namen haben.
Hauptsächlich werden zwei Arten und zwar das „deutsche“ und das „welsche
Zeug“ unterschieden. Zu jedem von ihnen gehört ein Hinterschieber, ein Vorder-
schieber, ein Hinterleger und ein Vorderleger. Die kleineren Dietriche, welche zum
Oeffnen von Kassetten usw. benützt werden, heißen der Kleinwelsch oder Kleindrutsch.
Das Oeffnen der Geldschränke wird außer mittels des sogenannten Drillbohrers
mit Iridium= oder Diamantspitze zumeist mit dem Schmelzpulver „Thermit“ vor-
genommen, welches, in flüssigem Zustande auf Eisen= oder Stahlplatten gebracht,
dieselben durchschmilzt. Diesem Thermit widersteht die stärkste Stahlplatte nicht.
Weiter verwendet der Einbrecher auch die im Raume befindliche Gasleitung,
indem er mit Hilfe des Gases und eines mitgebrachten Sauerstoffvorrats ein Knall-
gebläse herstellt, dessen Stichflamme eine so starke Hitze entwickelt, daß die Panzer-
platten zerschmelzen.