Indizienbeweis.
l. Diebstahl. 9
können. Der Täter hat zwei Pulte aufgebrochen,
davon nur eins verschlossen war; daß das andere,
dessen Deckel etwas fest auf den Wänden aufsitzt,
unverschlossen war, hat er gar nicht bemerkt.
In dem einen Pulte haben sich nach Angabe
der Verkäuferin Sidonie Alexander 5—6 Mark in
der von ihr zu führenden Portokasse und Briefmarken
im Werte von 50 Pfennig bis 1 Mark befunden.
Unter den Briefmarken ist eine 25-Pfennigmarke
gewesen.
In dem anderen Pulte haben sich nur Papiere
befunden. Jedoch bemerkte die Verkäuferin Laura
Leibling, daß sie in diesem Pulte eine Tüte gefüllter
Schokoladenbonbons aufbewahrt habe, welche vorgestern
abend noch dagewesen, aber jetzt verschwunden sei.
Der Täter scheint über die geringe Beute ver-
stimmt gewesen zu sein, er hat alles stehen und liegen
lassen und insbesondere übersehen, daß sein Messer
unter den Papieren versteckt lag. Auch den Rest
des beifolgenden Wachslichtes hat er liegen lassen und
hat offenbar auf demselben Wege, auf dem er herein-
gekommen, die Räumlichkeiten verlassen.
Der Hausmann Seiler hat auch gestern morgen,
als er kurz vor 6 Uhr die Haustür und Hoftüre
aufgeschlossen hat, nichts verdächtiges bemerkt.
Ueber den Dieb fehlt noch jede Spur; die Er-
örterungen werden fortgesetzt.
Dresden, den 12. November 1904.
Bei den weiterhin angestellten Erörterungen
brachte ich in Erfahrung, daß der aus den Polizei-
Akten G 1705 bekannte, wegen Rückfallsdiebstahls
bereits vorbestrafte Former
Richard Woldemar Glaser,
am 27. April 1881 in Kiel geboren, ohne feste
Wohnung, vor 3 Jahren bei dem hiesigen Buch-
händler Ferdinand Schmidt in der Pragerstraße
einen Diebstahl in ähnlicher Weise ausgeführt hat
und deswegen auch verurteilt worden ist.