VI. Betrug. 81
habe, in dem „Sachsenwerke“ in Radebeul bei
Dresden den Direktoren und Ingenieuren vorgeführt
worden; eine Entscheidung habe die Direktion des
Sachsenwerkes noch nicht getroffen. Der Mechaniker
Zachmann habe in seinem Auftrage das Modell von
Radebeul mit in seine Werkstatt genommen, um an
ihm noch eine kleine rein äußerliche Veränderung
bezw. Vervollständigung vorzunehmen.
Nun habe er, Henke, seit Mitte August d. J.
mit dem
am 17. Juli 1868 in Riesa geborenen, hier, Chemnitzer
Straße 103, I wohnhaften, jetzt stellungslosen
Buchhalter Arno Otto Lauckner
zufällig Bekanntschaft gemacht. Lauckner habe für
seinen Geschwindigkeitsmesser großes Interesse gezeigt
und habe ihm den Eindruck einer guten kaufmännischen
Kraft erweckt. Lauckner, der verheiratet und Vater
von 4 Kindern ist, habe sich ihm freiwillig angeboten,
für ihn in Angelegenheiten der Finanzierung der
Erfindung tätig zu werden, und habe auch ohne seinen
Widerspruch an verschiedene Firmen wegen des
Patentes geschrieben. Er, Henke, habe ihm aber
ausdrücklich gesagt, daß er ihn nicht etwa zu solchen
Zwecken engagieren und bezahlen wolle, womit Lauckner
auch einverstanden gewesen sei. Er habe allerdings dem
Lauckner im Laufe der Zeit einige Darlehne von
zusammen 160 Mark gewährt, um ihm über seine
stellungslose Zeit hinaus zu helfen. Lauckner habe
sogar auf seine eigenen Kosten in Angelegenheiten des
Geschwindigkeitsmessers annonciert und ihm darauf
Offerten gebracht, die aber immer nicht passend
gewesen seien. Die für die Annoncen bezahlten
Gelder habe er dem Lauckner bisher nicht erstattet.
In der letzten Zeit habe ihm Lauckner nicht
mehr gefallen, er habe ein scheues unstetes Wesen
und flackerndes Auge gezeigt, habe in Kneipen herum-
gezecht und sei betrunken gesehen worden; er habe
auch erfahren, daß Lauckner überall Schulden mache.
Er habe ihn deshalb seit einem Monat nicht mehr
zur Führung der Korrespondenz herangezogen, sondern
damit den Bankbeamten Oskar Geyer hier, Weinlig-
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