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Formularbuch.
die der Mörder auf sich selbst abgegeben haben müsse.
Er sei nun auf seinem Rade dem Unbekannten nach-
gefahren, den sein Weg an der 8. Polizeibezirkswache
vorübergeführt habe. Schneider sei abgestiegen, in die
Wache gesprungen, habe dem anwesenden Gendarm
Elsner eine kurze Mitteilung gemacht und dann
mit diesem zusammen den Legt, der langsam ein
Stück weiter gegangen sei, festgenommen und ihm
den der Anzeige beifolgenden sechsläufigen Revolver,
dessen zwei noch geladene Läufe entladen worden sind,
abgenommen. Bei der Verhaftung habe sich Legt
ruhig festnehmen lassen und nur gemurmelt: „Wenn
ich ihn nur richtig getroffen habe, den Hund, er
hat mich aus der Arbeit gebracht, er mußte ver-
recken“.
Gendarm Elsner bestätigte mir die Darstellung
Schneiders, insbesondere auch die von diesem er-
wähnten Aeußerungen Legts.
Polizeiinspektor Schäfer gab noch an, er habe
sofort Legt gefragt, wie er dazu komme, auf den
Mann zu schießen. Da habe Legt ebenfalls gesagt:
„Der mußte um die Ecke, er hat mir die Ehre ab-
geschnitten.“
Durch die verw. Wagner und den zufällig
auf der Polizeiwache erschienenen Laternenwärter
Heinrich Barth, Kamenzer Straße 31, III, brachte
ich noch folgendes in Erfahrung.
Seit dem 13. Januar d. J. ist Legt als städti-
scher Laternenwärter im 8. Polizeibezirke — Louisen-
straße und Umgebung — tätig. Dabei hat er den
schon seit 11 Jahren in städtischen Diensten stehen-
den, von seinem Vorgesetzten gut beleumundeten
Laternenwärter Wagner kennen gelernt, dem es oblag,
Legt anzulernen. Es ist aber bald zwischen ihnen
zu Streitigkeiten gekommen, denen freilich keine Be-
deutung beigemessen wurde. Es entwickelte sich aber
zwischen beiden kein kameradschaftlicher Verkehr,
obwohl sie tagtäglich zusammen mit den anderen
Laternenwärtern im Wachlokale auf der Oppellstraße
zusammenkamen.
Es muß eine gegenseitige offenbare Abneigung
zwischen beiden Männern stattgefunden haben. Wegen