XIII. Verbrechen und Vergehen wider das Leben. 137
Er wisse, daß die Laternen abends nach 11 Uhr
ausgelöscht werden, und daß Wagner um diese Zeit
auf der Prießnitzstraße tätig sei.
Auf einmal, er könne selbst nicht sagen, wie
das gekommen, sei er zu der ihm bekannten Zeit
an der Ecke der Prießnitz= und Bautznerstraße ge-
wesen. Da habe er Wagner getroffen. Es sei ein
Zufall gewesen, daß er bei seinem kopflosen Umher-
irren gerade zu dieser Zeit auf Wagner gestoßen sei.
Er sei auf der Bautznerstraße gegangen und als er
an die Ecke der Prießnitzstraße gekommen, habe er
Wagner auf der Prießnitzstraße Laternen auslöschen
sehen, und zwar in der Richtung nach der Bautzner-
straße zu. Daß Wagner dies überhaupt in solcher
Richtung tue, wisse er.
Als er Wagner gesehen, werde er stehen ge-
blieben sein. Genau könne er nicht sagen, was er
getan habe. Er habe bemerkt, wie Wagner 2 oder
3 Laternen ausgelöscht habe, und sei in der Zeit
stehen geblieben.
An das folgende könne er sich nicht mehr recht
erinnern. Jedenfalls wisse er, daß er aus seinem
Revolver, den er in der Dresdner Haide nach Abgabe
der zwei Probeschüsse auch noch neu geladen habe,
einen Schuß abgegeben habe. Er habe den Revolver
herausgenommen aus der Jackettasche und losge-
schossen. Ob er auf Wagner zu geschossen habe,
wisse er nicht. Er glaube kaum, daß er auf ihn
gezielt, er habe einfach geschossen.
Er habe den Wagner nicht treffen wollen; er
müsse denn ganz kopflos gewesen sein.
Er habe mit dem Schusse Wagner nur er-
schrecken und dann sich selbst töten wollen. Diesen
Entschluß habe er gefaßt, weil er in seinem Ehr-
geize gekränkt gewesen sei. Er sei unverdient aus
dem städtischen Dienste entlassen worden. Das habe
er nicht überwinden können. Er sei nun einmal so
ein Charakter. Bei dem einen gehe es tief, bei dem
andern nicht. Er habe nicht anders gekonnt. Er
sei ganz in Verzweiflung gewesen und wie sinnlos
den ganzen Tag herumgelaufen.