Full text: Handbuch für den exekutiven Polizei- und Kriminalbeamten.Zweiter Band. 1905. (2)

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Formularbuch. 
aufgefunden. Die Leiche war bereits ganz kalt. 
Das Blut hatte schon lange aufgehört zu fließen, 
es war geronnen, teilweise ganz trocken. Der Schädel 
war der Frau offenbar mit dem beschlagnahmten 
Hammir, welcher blutbefleckt neben dem Bette lag, 
eingeschlagen worden. Der Hammer ist ganz neu, 
wie an der Politur des Stieles und dem blanken 
Eisen zu erkennen ist. Daß er der Sendling gehört 
hat, ist kaum anzunehmen, weil sie einen in der 
Küche befindlichen alten Hammer besitzt, der voll- 
ständig gebrauchsfähig ist. Wie ohne weiteres zu 
erkennen war, sind gegen die obere Kopfseite der 
Erschlagenen, oberhalb der Stirne, mehrere, nicht nur 
ein wuchtiger Hieb geführt worden. Die Frau hat 
dabei schon im Bett gelegen, wie die vielen Blut- 
spritzer neben ihrem Kopfe an der Tapete ergaben, 
die nur vom Spritzen des Blutes beim Aufschlagen 
des Hammers herrühren können. Wenn die Tote 
bereits im Bette gelegen hat, kann der Schlag nur 
von ihrer linken Seite aus oder von hinten geführt 
worden sein. Das letztere erscheint weniger wahr- 
scheinlich, weil der Mörder hinten nicht den genügenden 
Platz zum Ausholen mit dem Hammer, mit dem er 
sonst an die Wand geschlagen hätte, gehabt haben 
würde. Die Tote ist beim Morde auch schon ent- 
kleidet gewesen, denn ihre Röcke, welche auf einem 
Stuhle an der gegenüberliegenden Wand lagen, 
waren ohne jeden Blutfleck; Strümpfe und Bein- 
kleider, welche auf einem Stuhle nahe dem Bette 
lagen, hatten ebenfalls nur Blutspritzer, nicht große 
Blutflecken. Die Taschenuhr der Verstorbenen war 
stehen geblieben und zeigte 9 Uhr 17 Minuten. 
Am 10. Juni nachmittags kurz nach 4 Uhr ist die 
Sendling zuletzt gesehen worden, da ist sie aus- 
gegangen; ihre Rückkehr hat niemand wahrgenommen. 
Ein Negulator in der Wohnstube war noch im Gange. 
Daß der Mord abends ausgeführt worden ist, legt 
auch das herunntergelassene Rouleaux nahe. Ein 
Stearinleuchter stand auf dem Nachttischchen der 
Sendling bei deren Häupten, auf dem Nachttischchen 
lag ihre Taschenuhr. Die Uhr hat innen den 
Namen Theresia Sendling eingraviert; deshalb ist
	        
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