Full text: Handbuch für den exekutiven Polizei- und Kriminalbeamten.Zweiter Band. 1905. (2)

XIII. Verbrechen und Vergehen wider das Leben. 167 
Spektakel angefangen, den er — Zeuge Mundig — 
dadurch geschlichtet habe, daß er die Heider, die bei 
Maurich nicht mehr habe sitzen bleiben wollen, er- 
sucht habe, sich gerade in den entgegengesetzten Teil 
des Saales zu einer Freundin zu setzen, damit sie 
Maurich nicht mehr zu Gesicht bekomme. Maurich 
habe sich auch zunächst, nachdem seine Bekannten 
Spitzner und Weigel gekommen sind, gar nicht mehr 
um die Heider gekümmert. Der Zufall habe es nun 
gewollt, daß die Heider, welche sehr hübsch ist, dem 
Kulicke und dessen Bekannten, die wohl später ge- 
kommen sind und von dem Vorfalle zwischen der 
Heider und Maurich nichts gewußt haben, gefallen 
habe und von ihm an ihren Tisch herangezogen 
worden sei. Die Heider habe offenbar auch diese 
Gelegenheit benutzt, um sich an Maurich zu rächen, 
und mit Kulicke und dessen Bekannten sehr charmiert. 
Hierdurch sei in Maurich jedenfalls die Eifersucht 
erwacht. Es sei plötzlich ein Lärm entstanden; wer 
von den sieben Männern an den beiden Tischen zuerst 
und überhaupt sich an dem Spektakel beteiligt habe, 
könne er nicht sagen, da er zuweit davon entfernt 
gestanden, ebensowenig, von wem die erste Tätlichkeit 
ausgegangen sei. Plötzlich hätten die beiden Parteien 
auf einander losgeschlagen, zuerst mit den Fäusten; 
ehe er noch Zeit gehabt habe, sie mit Hilfe des 
herbeigerufenen Wirtes zu trennen, hätten einzelne 
der Streitenden Messer gezogen und gestochen. So- 
viel er gehört habe, habe Weigel zuerst mit dem 
Messer nach Kulicke gestochen. 
Kulicke lag bei unserm Eintritt auf drei Stühlen 
und blutete im Gesicht, wo er im linken Backen 
eine klaffende Stichwunde in der Nähe des Mund- 
winkels hatte. Der bereits herbeigerufene, nach uns 
eintreffende Arzt Dr. med. Kiel, Reeperbahn 1, I 
wohnhaft, konstatierte aber, daß Kulicke noch zwei 
weitere Stichwunden habe und zwar auf der linken 
Seite in der Herzgegend und im Rücken. Dr. Kiel 
ordnete sofort die Unterbringung des Kulicke, dessen 
Zustand er als gefährlich bezeichnete, in ein Kranken- 
haus an. Kulicke war halb ohnmächtig, er konnte 
von uns nicht befragt werden.
	        
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