Full text: Handbuch der Verfassung und Verwaltung in Preußen und dem Deutschen Reiche.

60 Der preußische Staat; Verfassung. § 36. 
gramm-, Erbschafts= und Stempelsteuerfreiheit für die regierenden Fur- 
sten, deren Gemahlinnen und Witwen;) 
. Bevorzugter Gerichtsstand vor dem Geheimen Justizrat (8 181 Abs. 2), 
in nicht streitigen und Standesamtssachen vor dem Hausministerium 
(§ 39 Abs. 5); 
4. Erleichterungen bei Vernehmungen und Eidesleistungen im Prozeß 10) 
und gesetzliche Vertretung durch ihre Behörden; u) 
5. Ausschluß des bürgerlichen Rechts, der Gerichtsverfassung, der Zivil- 
prozeß-, Strafprozeß= und Konkursordnung, soweit die Hausgesetze Be- 
stimmungen treffen;12) 
6. Besonderer strafrechtlicher Schutz; 13) 
7. Mitgliedschaft der volljährigen Prinzen im Staatsrat und im Fall der 
Berufung im Herrenhause; 14) 
Für die entthronten (depossedierten) Familien der Häuser 
Hannover, Kurhessen und Nassau gelten die in Nr. 4 und 5 
aufgesührten Bestimmungen. 15) Daneben ist ihnen das Recht der Eben- 
bürtigkeit (Abs. 61) verblieben, auch gebührt ihren Mitgliedern die Freiheit 
von der Einkommen= und der Ergänzungstener.16) 
Standesherren sind diejenigen mediatisierten Fürsten und Grafen, 
die bei der Auflösung des Reichs Reichsstandschaft, Reichsunmittelbarkeit 
Landesherr ist auch aus dem Besitze der 
Königlichen Familiengüter nicht kreisab- 
gabenpflichtig OV. (XXXIII 10. 
5) G. 5. Juni 69 (BEl. 141) § 1, 
V. 2. Juni 77 (RGB. 524) § 11, (Erb- 
schaftsstener) 8 156 Abs. 2 u. (Stempel) 
§ 155 Abs. 2 u. 1585 d. W. 
10) 38 8 219 Abs. 2, 375 Abs. 2, 
479 f. 2 n. 482 Abs. 3. — St O. 
§71, erg. G. 17. Mai (RG. 252) Art. II. 
½) AG. (z. ZPO.) 99 (GS. 82. 
12) EG. zum BGB. Art. 57 nebst 
60, 61, 216 u. AG. 20. Sept. 99 (G. 
177) Art. 88; EG. z. GVG. 27. Jan. 
77 (RGB. 77) 8 5 u. z. StpO. 77 
(RGB. 346) 84, beide erg. G. 17. Mai 
98 (RGB. 252) Art. II; EG. z. ZPO. 
77 (RGB. 244) 8 5, erg. G. 57 Mai 
98 (R#B. 332) Art. III, z. KonkO. 77 
(RGB. 390) § 7, erg. G. 17. Mai 98 
(RGB. 248) Art. II3. — Wegen Be- 
freiung von der Pflicht zur grundbuchlichen 
Eintragung 8 211 Anm. 2 d. W. — 
Die Bestimmungen des LR. über Unklag- 
barkeit der von preußischen Prinzen und 
Prinzessinnen ohne Genehmigung des 
Familienoberhauptes eingegangenen Dar- 
lehen (1 11 §8 676, 677), über Erleichte- 
rung der Testamentsform für Familien= 
angehörige des Landesherrn (1 12 § 176) 
u. über die Ehe zur linken Hand (II 1 
—I 
  
§ 193, 738—740 u. Abschn. 9) sind 
aufrecht erhalten AG. z. BGB. 20. Sept. 
99 (GS. 177) Art. 991b u. c. 
13) StGB. § 96, 97 u. 100. 
14) V. 20. März 17 (GS. 67) 
u. 14. Okt. 54 (GS. 541) § 11 u. 74 
15) Anm. 10—12. Anwendungaufd. Mit- 
glieder des Herzogl. Holsteinschen Fürsten- 
hauses G. 25. März 04 (Rö. 143). — 
Die Mitglieder des Hauses Hannover, 
das seinen Wohnsitz außerhalb des Reichs 
genommen und des Hauses Nassau, das 
das Großherzogtum Luxemburg erworben 
hat, unterstehen der inländischen Gesetz- 
gebung nicht als Reichsangehörige, sondern 
nur mit dem im Inlande belegenen Ver- 
mögen. Das kurhessische Haus ist erloschen 
u. kommt nur mit seinen landgräflichen 
Nebenlinien in Betracht. — Für Vor- 
mundschafts-, Nachlaß= u. Teilungssachen 
sind die Oberlandesgerichte zuständig G. 
21. Sept. 99 (GS. 249) Art. 137. — 
Für die Ansprüche der Häuser an das 
Domänengut wurden besondere Abfindun- 
gen gewährt § 125 Abs. 2 d. W. Die 
Mitglieder des vormals hess. Fürstenhauses 
beziehen Apanagen vom Staate als dem 
Eigentümer des vormals kurhess. Staats- 
schatzes § 124 Anm. 6. 
16) Einkst G. O6 (GS. 260) § 32, ErgstG. 
06 (GS. 294) § 3 Abs. 1.