Full text: Der Fürstenzug auf dem Sgraffito-Fries am Königl. Schlosse zu Dresden.

— 40 — 
von dem Aufziehen der Wachtparade oder dem Einrücken eines Regimentes, 
bei welchen Gelegenheiten unserm gesamten Volke der Klang von Hörnern 
oder Trompeten, wie der Schall von Pauken oder Trommeln etwas absolut 
Selbstverständliches, in Fleisch und Blut Übergegangenes ist — einen Festzug 
vorstellen können, ohne Beteiligung eines Musikkorps. 
Was die Musik des Mittelalters betrifft, soweit sie mehr oder weniger 
kriegerischen Zwecken diente und aus dem Rahmen des Fiedelns und Geigens, 
dem Klange der Harfen, Zimbeln, Flöten und Schalmeien heraustritt, die 
auf dem Dorfanger wie im Palas ihre Rolle spielten, so darf nicht un- 
erwähnt bleiben, daß nicht die große Vorliebe für dieselbe allein es gewesen 
ist, welche allerhand tönende Instrumente erfinden und die alt überlieferten 
verbessern ließ, ") sowie aufs ausgiebigste verwendete. Vielmehr mußte das 
Schmettern der Trumetten, nachdem es die Kampfeslust von Mann und 
Roß, die bereits von Hause aus keine geringe war, noch erhöht hatte, neben 
dem Rasseln der Tamburen, sowie dem Schlagen und Dröhnen der Pauken, 
vereint mit dem übrigen Getöse des Schlachtgetümmels, auch dazu dienen, 
das Schreien und Stöhnen der zum Tode Verwundeten zu übertönen, die 
oft arg zugerichtet waren. Die auf den ersten, oberflächlichen Blick so überaus 
heiter anmutende Sache hatte also auch ihren sehr ernsten Hintergrund, denn 
das Schreien und Wehklagen der in Schlacht oder Gefecht durch Schwert- 
hieb und Lanzenstich, durch Messer und Dolch, durch Pfeile und Wurfgeschosse, 
Axte, Keulen und Streitkolben zu Tode Verwundeten und Verstümmelten, 
das Stöhnen und Achzen der unter die Hufe der Rosse Gekommenen, sowie 
das Jammern derer, die im Gewühle des Kampfes — wegen der bereits 
damals oft übermäßig schweren Panzerung unfähig, sich zu rühren — den 
Erstickungstod vor Augen sahen, muß herzzerreißend gewesen sein. Erklärt 
werden kann diese furchtbare, von allen einschlägigen Schriften und Berichten 
erwähnte Erscheinung durch zwei Faktoren Einesteils ist es Tatsache, daß 
selbst anerkannt edele und wirklich hochgesinnte Helden von dem Moment 
an, wo die Schlacht begann, von einer geradezu grausamen und blutdurstigen 
Kampfbegier befallen wurden, die jede Schonung ausschloß und wohl mit 
dem Ausdruck Berserkerwut bezeichnet werden kann, so daß tatsächlich ganz 
grauenhaft schreckliche, schwere Verletzungen an der Tagesordnung waren. 
Andernteils muß man bedenken, war die Heilkunst und Chirurgie noch der- 
maßen unvollkommen, daß wirkliche Hilfe in den allerseltensten Fällen ge- 
leistet werden konnte, mithin Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung eine furcht- 
21) Der dänische Musikvirtuos Allin gibt gegenwärtig (1902) in seinem Vaterlande 
Konzerte auf sogenannten Luren, das heißt Bronze-Posaunen des Kopenhagener National- 
museums, die ein Alter von mindestens 2500 Jahren haben, und diese uralten Instrumente, 
die „mit jeglichem Blasinstrumente der Neuzeit zu konkurrieren vermögen“, zeichnen sich, wie die 
Zeitungen berichten, „nicht nur durch die Menge ihrer Töne, sondern auch durch deren reine, 
starke und wohlklingende Beschaffenheit aus“. Rolands Hifthorn Olifant wird zwar aus 
den Tälern von Roncesvalles nicht soweit gedrungen sein, wie gern berichtet wird; jedenfalls 
aber standen dem Mittelalter gute Vorbilder in Bezug auf „tönendes Erz“ zu Gebote.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.