Full text: Das kleine Buch vom Deutschen Heere.

214 Die Ausbildung der verschiedenen Truppenteile. 
15. Radfahrwesen. 
Besondere Radflahrer-Truppenteile giebt es in der Deutschen 
Armee nicht. Es werden bei den Truppenteilen nur einzelne Leute 
im Radfahren ausgebildet, die aber gelegentlich des Manövers 
oder bei sonstigen Übungen mitunter zu grösseren Trupps zusammen- 
gestellt werden. Die Radfahrer sind hauptsächlich zur Überbringung 
von Befehlen und Meldungen, zur Verbindung der einzelnen Teile 
der Avantvarde, zur Verbindung der Vorposten untereinander und 
zum Quartiermachen auf dem Marsche bestimmt. Ihre Verwendung 
zu anderen Zwecken zur Unterstützung vorgehender Kavallerie 
und Feldartillerie. zur Aufklärung und Sicherung bei allein 
marschierender Infanterie, zu unvermutetem Auftreten in grösserer 
Stärke an irgend einem Punkte des Gefechtsfeldes ete. — ist indes 
nicht ausgeschlossen. Nach v. Löbells Jahresberichten 1899 sind 
jedem Infanterie- und Jägzer-Bataillon 6 Räder, jedem Kavallerie- 
Reriment 2 Räder, jeder Feldartillerie-Abteilung und Jedem Fuss- 
artillerie-Bataillon 1 Rad überwiesen. Wie die Pioniere und Ver- 
kehrstruppen ausgerüstet sind, ist nicht veröffentlicht. Zu Lern- 
zwecken sind den Truppenteilen ausserdem besondere Lernräder 
überwiesen. Die Bekleidung, Ausrüstung und Bewaffnung des 
Radfahrers bestehen in Schirmmütze mit Kinnriemen, Litewka oder 
Waffenrock, Trikotjacke, Stiefelhose mit kurzen Juedergamaschen, 
Schnürschuhen. Umhang aus wasserdiehtem grauen Tuch mit Kapuze, 
Feldflasche, Brotbeutel, Tornisterbeutel, Leibriemen mit Melde- 
tasche, Seitengewehr (auf der Lenkstange), bei den Fusstruppen 
(rewehr 91, bei der Kavallerie Karabiner 88 (Gewehr und Kara- 
biner umreehängt), Munition. 
Das ganze Radfahrwesen ist noch in der Entwickelung be- 
eriffen und ein Abschluss der Vorsuche fürs erste wohl nicht zu 
erwarten. und zwar um so weniger, als neuerdings auch das AMotor- 
rad für militärische Zwecke in Versuch genoinmnen worden ist.