82 1. Buch. 6. Kapitel.
Schritte, welche über seine Absichten niemand mehr in Zweifel lassen
konnten.
Den Rückweg nach Deutschland nahm Welf VI. über Apulien.)
Mit seinem alten Bundesgenossen Roger wollte er dort
die nöthigen gemeinsamen Maßregeln verabreden. Denn daß Conrad,
sobald er glücklich heimgekehrt war, sich zunächst nach Italien
wenden und dort endlich eine Ordnung der schwebenden Fragen in
seinem Sinne mit allen Kräften durchzusetzen bemüht sein würde,
konnte kaum noch zweifelhaft erscheinen. Um es dazu nicht kommen
zu lassen, die seinem Königreich drohende Gefahr abzuwenden, regte
Roger lieber neue Unruhen in Deutschland auf, damit der König
dort beschäftigt und festgehalten würde. Unter diesen Umständen
fand denn Welf in Sicilien eine sehr günstige Aufnahme und die
beste Unterstützung seiner Pläue. Wie er bereits früher den unruhigen
Herzog unterstützt hatte, so sagte er ihm auch jetzt bedeutende
Subsidienzahlungen zu. Aber belehrt durch den ungünstigen Ausgang
ihrer früheren Unternehmungen, suchten sie sich jetzt mächtiger
Bundesgenossen zu versichern. Alle Conrad irgendwie gespannt oder
feindlich gegenüberstehenden Fürsten sollten sich zu gemeinsamem
Kampfe gegen ihn vereinigen. Des Beitritts Herzog Heinrichs von
Sachsen, der ja eben erst den Hader um Baiern zu erneuern begonnen,
konnte man von vornherein sicher sein. Ebenso konnte man
auf Herzog Conrad von Zäringen und seinen Sohn Berthold rechnen:
denn noch lagen beide wegen des Herzogthums Burgund mit
den Hohenstaufen in Streit. Ja, selbst Herzog Friedrich von Schwaben,
Conrads Neffen, glaubte man auf seine Seite herüberziehen zu
können. Allem Anschein nach gehörte Friedrich nämlich nicht zu
den entschiedenen Gegnern der Welfen, war gerade im Gegentheil
weit eher geneigt, sich ihrer Sache anzunehmen und suchte wenigstens
mit allem Ernst dem leidigen Hader zweier so nahe verwandter
Häuser ein Ende zu machen. Daher konnten Welf und Roger
wohl der Meinung sein, daß sie bei ihm Förderung finden würden.))
Als Welf sich dann zur Fortsetzung seiner Reise anschickte,
1 Otto Fris. Vita I, 59: nam rifice suscepti, aliquanto tempore quic-Guclfo
dux per Calabriam et Apuliam
reversus lucrat. Ann. Herbipol.
(Mon. SS. XVI, p. 7), u. 1148: — —
Welpho aessumpto duce Frederico petitaquc
licentin a rege Syeiliam ap-Dlicucrunt,
ubi a rege Rogerio honoverunt.
2) Herzog Friedrich muß in diesem
Kampfe eine eigenthlimliche Stellung
eingenommen haben; leider i uns
nichts Näheres bekannt. Nur so viel
scheint festzustehen, daß er keineswegs