Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

410  Oberpfalz  u.  Regensburg.

gaue,  den  Weg  zur  Erlangung  der  landgräflichen  Würde  in  demselben  angebahnt
  haben.

Nach  eingetretener  Erblichkeit  des  frühern  Amtes  war  auch  das  burgund
  landgräfliche  Gebiet  einer  Theilung  unterlegen,  bei  welcher  dem  Loose
der  Burggrafen  wegen  des  geringern  allodialen  Bestandes  diesseits  der  Donau
—  da  die  meisten  Orte  südlich  von  Regensburg  im  Besitze  des  Bischofs  und
der  zahlreichen  Stifte,  besonders  des  von  Sct.  Emmeram,  waren  —  Riedenburg
  mit  seinen  Zugehörigen  zufiel.  Das  Loos  der  Landgrafen  bildete  das
Gebiet  links  der  Donau  mit  den  Schlössern  Stauff  (Regenstauf)  und  Steveningen.


Als  die  Burggrafen  im  Jahre  1184  ausstarben,  hofften  die  Herzoge  von
Bayern  dem  Anfallrechte  zufolge  in  die  eröffnete  Reichs=  und  bischöflichen
Lehen  derselben  eintreten  zu  können.  Beides  blieb  aber  vorerst  noch  unerfüllt;
  denn  als  Träger  des  burggräflichen  Amtes  erscheint  eine  Zeit  lang  ein
Graf  Albert  aus  noch  unermitteltem  Geschlechte;  die  Lehen,  womit  vie  abgestorbenen
  Burggrafen  von  dem  Hochstift  Regensburg  belehnt  waren,  ließ  sich
Kaiser  Friedrich  I.  selber  verleihen,  die  bischöflich  bambergischen  Lehen  aber
gediehen  an  die  Herzoge  von  Oesterreich.  )  Die  Allodien  fielen  natürlicher
Weise  an  die  landgräfliche  Linie,  und  als  auch  diese  im  Jahre  1196  ausstarb,
  an  den  Herzog  Ludwig  von  Bayern,  welcher  als  ein  treuer  Beförderer
der  weitgreifenden  Plane  Königs  Heinrichs,  von  diesem  sowohl  die  reichslehnbare
  Landgrafschaft,  als  auch,  wie  aus  dem  Gange  der  nachfolgenden
Ereignisse  zu  schließen  ist,  die  Burggrafschaft  erhielt,  indem  er  mit  dem  Bischofe
  von  Regensburg  wegen  der  erlangten  burggräflichen  Rechte  und  wegen
der  vorenthaltenen  hochstiftischen  Lehen  der  Landgrafen  bald  in  einen  blutigen
  Streit  gerieth,  welcher  erst  mit  dem  Tode  des  Bischofs  Konrad
(1  20.  April  1204)  endete,  und  im  Jahre  1205  durch  einen  Vergleich  mit
dessen  Nachfolger  gänzlich  beseitigt  wurde.

Was  aus  dem  Burggrafenthume  in  unseren  Bezirk  gehört,  erscheint  in
dem  ältesten  herzoglichen  Saalbuche  von  ungefähr  1240  theils  in  dem  kleinen
Amte  Mintraching,  theils  unter  dem  Amte  Abbach.  Das  erstere,  welches  außer
dem  gleichnamigen  Orte  nur  kleine  Gefälle  aus  Genkofen,  Pfäter,  Waltenhofen
und  Grafenried,  aus  einem  Garten,  einem  Hofe  und  einigen  Hofstätten  zu
Regensburg,  dann  die  Vogteirechte  jenseits  der  Donaubrücke  enthielt,  wurde

1)  Die  österreichischen  Herzoge  aus  dem  Hause  Babenberg  waren  in  mehreren  Orren
des  heutigen  Kreises  Oberpfalz  begütert;  in  der  Gegend  von  Regensburg  besaß
Heinrich  II.  (Schwager  des  letzten  Burggrafen  Heinrich)  Gülten  in  Aufhaufen,
Hagelstadt,  Scheuer,  Eulsbrunn,  Thaun,  Peising,  Pentling,  Gebraching,  Ober-Isling,
  fast  lauter  Orte  der  heutigen  Landgerichte  Regensburg  und  Stadtambef,
welche  er  im  Jahre  1172  dem  Stifte  Sct.  Emeram  verlieh.  Was  derselbe  aus
dem  Erbe  der  Grafen  von  Kastel-Habsberg  besaß,  werden  wir  später  hören.