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die nur wahr ist, wenn fsie in allen einzelnen Fällen bewiesen ist, kann
also nie von dem Beweis im einzelnen Fall dispenfiren.
Es sind zu allen Zeiten Beeinflussungen der Wirthschaft durch den
Staat wünschenswerth und nützlich gewesen — nur nicht zu jeder Zeit
dieselben. Wenn nachgewiesener Maßen ein Schutzzoll für das Inland überwiegenden
Vortheil bringt, so wird kein Vernünftiger ihn wegen irgend
eines angeblichen Princips verwerfen können, gerade so wenig, wie man aus
solchem Grunde Fabrikgesetze ablehnen kann. Der Freihandel als Konsequenz
des allgemeinen laissez faire ist so unmotivirt, wie dieses selbst.
Besonders aber ist es unmotivirt, wenn radikale Freihändler, das laisse:
faire- Princip in neuer wirksamer Modifikation benutzend, den Schutzzoll
als „Socialismus“ brandmarken. Das heißt nicht widerlegen, sondem
nur eine Ansicht durch einen unangenehm klingenden Namen verdächtigen.
Man kann ja jede wirthschaftliche Staatsthätigkeit Socialismus nennen,
muß sich aber bewußt bleiben, daß damit nur ein Wort ausgesprochen
und gar kein Urtheil gefällt ist. Wenn man es in dem Sinne meint, daß
Schutzzoll und Socialdemokratie mit einander auf eine Stufe gesetzt
werden, so ist dies jedenfalls eine unerlaubte Sophistik.
Denn der Schutzzöllner will nur eine Einrichtung wieder beleben, die
Jahrhunderte hindurch bestanden hat, und der Socialdemokrat will alle
gewordenen Einrichtungen von Grund aus umgestalten und mit revolutionärer
Gewalt einen noch ganz unklaren und jedenfalls allem Bestehenden
principiell entgegengesetzten Zustand einführen — und in dieser revolutionären,
extrem negativen Haltung liegt allein das Charakteristische
der Socialdemokratie, welche zugleich im höchsten Maß autinational
und kosmopolitisch ist, während der Schutzzoll dies durchaus
nicht ist.
Das tertium comparationis bei diesem sophistischen Vergleich zwischen
Schutzzoll und Socialdemokratie wird in dem „Recht auf Arbeit“ gefunden,
d. h., darin, daß die Socialdemokratie jedem Arbeitenden den
vollen Ertrag seiner Arbeit, der Schutzzoll wenigstens dem Unternehmer
lohnenden Absatz garantiren will.
Nun kann es nicht oft genug gesagt werden, daß die rein ökonomischen
Ideen der Socialdemokraten zwar meistens höchst übertrieben
und utopisch, aber keineswegs an sich verbrecherisch und der Diskussion unwerth
sind — dies find nur ihre politischen Tendenzen. Jedenfalls
aber ist zwischen dem Postulat, Jedem den vollen Ertrag seiner Arbeit zu
garantiren, und der Idee, den Absatz der Unternehmer einigermaßen zu
sichern, ein so himmelweiter Gradunterschied, daß wir ihn als einen Gegensatz
qualitativer Art bezeichnen müssen. Man könnte sonst mit demselben
Rechte die Reichsbank mit ihrer beherrschenden Diskontopolitik, das Verbot
des trucks, ein Eisenbahntarifgesetz ꝛc. socialdemokratisch nennen.
Die Idee, Demjenigen, der redlich arbeitet, der ein reelles Geschäft
betreibt, einen gewissen Lohn resp. Absatz zu garantiren und dadurch die
Produktion anzueifern und zu unterstützen, das ganze Erwerbsleben stätiger
und dadurch moralischer zu machen, ist uralt. Sie durchzog das ganze
Zunftwesen und sie wurde von dem Schutzzollsystem des Merkantilismus
nur den vergrößerten Marktverhältnissen entsprechend in nationalem Sinne