Full text: Die Hohenzollern und ihr Werk.

Aufschwung und Kleinmut. — Johann Sigismund. 157 
Räten Joachim Friedrichs, berichtete nach Berlin, es tue not, einen neuen 
Schmalkaldischen Bund zu schließen, und Joachim Friedrich stimmte, wenn auch 
nicht ohne Vorbehalt, zu. Daraufhin schlossen zunächst Kurpfalz, Pfalz-Neuburg, 
Württemberg, Baden, Ansbach und Kulmbach Anfang Mai 1608 eine Union, 
zu der auch die übrigen protestantischen Stände eingeladen wurden. Joachim 
Friedrich schloß sich noch nicht an; er suchte erst zum Einverständnis mit 
Sachsen zu gelangen, das wieder beiseite stand und eine vermittelnde Stellung 
einnahm. Vergeblich hatte der Kurprinz in dieser kritischen Zeit versucht, den 
Kanzler Löben von der Leitung der Geschäfte zu verdrängen; der Kurfürst hatte 
das Entlassungsgesuch des Kanzlers in gnädigster Weise abgelehnt. Noch ehe 
eine endgültige Entscheidung in der Unionsfrage getroffen war, ist Joachim 
Friedrich gestorben; 62 Jahre alt, erlag er einem Schlaganfall im Reisewagen 
zwischen Köpenick und Berlin an der Seite seines alten Freundes, des Ober- 
kämmerers Grafen von Schlick, 28. Juli 1608. 
Die schwankende Haltung seiner 10jährigen Regierung als Kurfürst hat 
die Hoffnungen enttäuscht, die tatkräftige Protestanten früher auf ihn gesetzt 
hatten. Aber bedeutende, epochemachende Veränderungen waren in Politik und 
Verwaltung unter ihm angebahnt worden: die Familienverbindung mit dem 
reformierten pfälzischen Hause, die Anknüpfung mit den Niederlanden, eine 
festere und zeitgemäßere Form in der Führung der Regierungsgeschäfte, die 
Erwerbung der preußischen Kuratel. Für sein Ansehen in der Fürstenwelt spricht 
es, daß König Christian IV. von Dänemark sein Schwiegersohn geworden ist. 
Auch für die Wohlfahrt seines Landes hat der einsichtige und wohlwollende Fürst 
manches Gute gewirkt. Die Anfänge eines Finowkanals gehen auf ihn zurück; 
in Joachimsthal bei dem Jagdschloß Grimnitz in der Uckermark hat er die 
Fürstenschule begründet, die bis auf den heutigen Tag sein Andenken lebendig 
erhalten hat: im Sommer 1607 ist diese Studienanstalt mit reicher Ausstattung 
durch Mittel aus kurfürstlichen Domänen und säkularisierten Kirchengütern 
ins Leben getreten. 
Johann Sigismund. 
Eine Kampfnatur war Joachim Friedrich nicht, aber auch sein Nachfolger 
ist den Kämpfen, die eben jetzt zum Ausbruch kamen, keineswegs in dem Maße 
gewachsen gewesen, wie sein feuriges politisches Auftreten als Kurprinz es hatte 
erwarten lassen. 
Johann Sigismund war wohl schon beim Antritt seiner Regierung nicht 
mehr im Besitz der vollen Gesundheit, obwohl er erst 37 Jahre alt war. Er war 
eine weiche, leicht erregbare, aber wenig energische Natur. Die Kräfte des 
Gemüts waren stärker bei ihm ausgebildet als der politische Sinn und die Fähig- 
keit, verantwortungsvolle Entschlüsse zu fassen. Er war von tiefer Frömmig- 
keit, aber zugleich von einer derben Genußfreudigkeit, wie sie damals an den 
Fürstenhäusern überhaupt sehr stark im Schwange ging. Er licbte die Freuden 
der Tafel und einen starken Trunk; zunehmender Leibesumfang verband sich 
früh bei ihm mit geistiger Schwerfälligkeit und Unlust zu den Geschäften. 
Seine Ehe mit der preußischen Prinzessin Anna, der voraussichtlichen Erbin 
der jülichschen Lande, hatte den Charakter der Innigkeit, den sie anfänglich gehabt 
zu haben scheint, früh verloren, aber ohne daß die eheliche Treue darunter gelitten