Das Potsdamer Edikt und das Bündnis mit dem Kaiser. 248
Es konnte nicht ausbleiben, daß das politische Verhältnis zu Frankreich
durch diesen Schritt des Großen Kurfürsten stark beeinträchtigt wurde. Die
Auswanderung war in Frankreich wie anderswo verboten, und das Potsdamer
Edikt erschien als eine unberechtigte Einmischung in die inneren Angelegenheiten
der französischen Monarchie. In Versailles trat eine starke Verstimmung gegen
den Kurfürsten ein; er mußte darauf bedacht sein, für den Fall eines Bruches
wieder einen Rückhalt am Kaiser zu gewinnen, der bei einem Kriege mit Frank-
reich nicht fehlen durfte, da nicht bloß das protestantische Interesse, sondern die
Freiheit Europas in Frage stand. Schon seit dem Frühjahr 1685 waren Ver—
handlungen mit Osterreich im Gange, die an das nun doch hervortretende Be-
dürfnis der Hilfe im Türkenkriege anknüpften. Man gelangte jetzt leichter als
vorher über diesen Punkt zu einer Verständigung. In einem Vertrag vom
4. Januar 1686 verpflichtete sich der Kurfürst, ein Hilfskorps von 7000 Mann
zu stellen, und der Kaiser verhieß dafür Subsidien im Betrage von 150 000
Talern jährlich. Bald darauf marschierte der brandenburgische Feldmarschall
Hans Adam von Schöning mit 8000 Mann nach Ungarn, und diese branden—
burgischen Truppen haben dann bei der Eroberung von Ofen sehr bedeutend und
erfolgreich mitgewirkt. Schwieriger war die Auseinandersetzung über das allge-
meine politische Verhältnis der beiden Mächte. Das Haupthindernis dabei war
die schlesische Frage. Der Kurfürst verlangte die Rückgabe von Jägerndorf,
Liegnitz, Brieg und Wohlau. Aber der kaiserliche Hof dachte nicht im entferntesten
daran, solche Zugeständnisse zu machen. Die Gefahr eines Bruches mit Frankreich
trieb schließlich nach dem Erlaß des Potsdamer Ediktes den Kurfürsten zur Nach-
giebigkeit. Er ließ seine Forderungen fallen, und verlangte statt jener schlesischen
Gebiete, gewissermaßen nur um den Schein zu wahren, die Abtretung des Kreises
Schwiebus, der von Protcstanten bewohnt war und als eine österreichische
Enklave inmitten der lausitzischen Besitzungen des Hauses Brandenburg lag.
Aber selbst in diese geringfügige Abtretung wollte der Kaiser nicht willigen, und
die Unterhandlungen drohten schon zu scheitern, als von den österreichischen
Diplomaten ein sehr außerordentliches Auskunftsmittel gefunden wurde, das
ihnen den Abschluß des Vertrages möglich machte, ohne daß Schwiebus dem
Erzhause dauernd verloren ging. Der kaiserliche Gesandte in Berlin, der die
Unterhandlungen führte, Baron von Fridag, brachte unter Vermittlung des
Fürsten von Anhalt den Kurprinzen, der ein eifriger Anhänger der österreichischen
Partei und überdies damals in Geldverlegenheiten war, denen der Kaiser abzu-
helfen versprach, dazu, daß er hinter dem Rücken des Vaters, im tiefsten Ge-
heimnis, am 28. Februar 1686 in dem Anhaltschen Palais zu Potsdam einen
Revers unterzeichnete, in dem er sich verpflichtete, nach Antritt der Regierung
Schwiebus an den Kaiser zurückzugeben. Nun kamen die Unterhandlungen
schnell zum Ziel. Fridag gestand jetzt dem Kurfürsten die Abtretung von
Schwiebus zu, und am 22. März 1686 kam es zum Abschluß einer geheimen
Defensiv-Allianz zwischen Brandenburg und dem Kaiser, die für 20 Jahre gelten
sollte, tatsächlich aber für mehr als 40 Jahre die Grundlage des politischen
Systems in Brandenburg geblieben ist. Die Abkehr von dem französischen
Bündnis, die Wendung gegen Frankreich war darin schon deutlich in Aussicht
genommenz; eben darum blieb der Vertrag auch geheim. Der Kurfürst verbindet
sich mit dem Kaiser gegen jede Vergewaltigung des Reiches; er verpflichtet sich,