378 Die Erhebung Preußens zur Großmacht (1740—17860).
Rücksichten schweigen. Seinen Zweck hat Friedrich mit dieser Münzpolitik jeden-
falls erreicht: er hatte immer Geld.
In den Feldzug von 1762 ging Friedrich als Bundesgenosse der Russen.
Am 19. Juni war ein Bündnis mit ihnen zustande gekommen, auf Grund dessen
20 000 Russen unter Tschernyschew in den Dienst Preußens gestellt wurden.
Auch auf die Türken und Tataren hoffte der König noch immerz; sie sollten statt
gegen Rußland jetzt nur noch gegen Osterreich marschieren. Er dachte daran, in
diesem Falle seine alten Offensivpläne wieder aufzunehmen. Das Notwendigste
war aber zunächst die Wiedereroberung von Schweidnitz. Der König suchte Daun
durch eine Schlacht von der Festung abzudrängen. In die Vorbereitungen zu
diesem Schlage traf aber die Unglücksnachricht von der Absetzung und Ermordung
des Zaren und der Abbernfung der russischen Truppen durch seine Nachfolgerin
Katharina, die das Bündnis mit Preußen sofort aufgelöst hatte. Am 18. Juli
meldete Tschernyschew dem Könige, daß er Befehl habe, abzumarschieren; er
wollte aber noch vier Tage mit dem Aufbruch warten, bis die Anstalten für die
Marschverpflegung seiner Truppen getroffen wären. Es war für den König von
großem Wert, daß die Russen noch so lange blieben, bis er den beabsichtigten
Schlag gegen die Österreicher ausgefuhrt hatte. Sein Plan beruhte darauf, daß
die Hauptmacht des Gegners durch die starke Front seiner Aufstellung in Schach
gehalten wurde, während ein Teil seines Heeres den Feind umgehen und ihn bei
Burkersdorf angreifen sollte. Die Ausführung dieses Planes gelang vollkommen.
Daun wurde von Schweidnitz abgedrängt und die Belagerung der Festung konnte
beginnen. Ein Entsatzversuch Dauns wurde am 16. August bei Reichenbach zu-
rückgewiesen; aber Schweidnitz verteidigte sich noch lange Zeit und hat sich erst am
9. Oktober ergeben; damit war dann der König wieder Herr von Schlesien; nur die
Grasschaft Glatz blieb noch von den Österreichern besetzt. In Sachsen hatte Prinz
Heinrich nicht eben glücklich gegen die Osterreicher operiert; schließlich gelang
es ihm aber noch, am 29. Oktober, bei Freiberg ihnen eine empfindliche Nieder-
lage beizubringen. Es ist die erste und einzige Feldschlacht des Prinzen, der ein
ausgesprochener Anhänger des Manövriersystems war, und zugleich die letzte
Schlacht des siebenjährigen Krieges. Der König war sehr erfreut über diesen
Erfolg und eilte nun selbst nach Sachsen. Er hoffte, daß es noch gelingen werde,
Dresden zu nehmen, doch war das jetzt ebensowenig möglich, wie nach der Schlacht
bei Torgau, weil die Stellung der Osterreicher am Plauenschen Grunde, die die
Stadt deckte, zu stark war.
Für den Winter wurde mit den Osterreichern eine Waffenruhe vercinbart;
inzwischen suchte der König die Reichsstände, die auch während des Winters
durch die Streifpartien des „grünen Kleist“ beuuruhigt wurden, von der Ver-
bindung mit Osterreich abzuziehen. Bayern, Pfalz, Köln, Württemberg und
andere schlossen damals ein Neutralitätsabkommen mit dem preußischen Ge-
sandten in Regensburg; Mecklenburg hatte schon früher, bald nach den Schweden,
seinen Frieden mit Preußen gemacht.
Auf dem westlichen Kriegsschauplatz waren die Franzosen von dem Prinzen
Ferdinand durch die Schlachten bei Wilhelmsthal (24. Juni) und Lutternberg
(23. Juli) aus Hessen herausgeworfen worden; Kassel hatte sich am 1. November
ergeben. Von preußischem Gebiet blieb aber Cleve mit Mörs und Geldern von
den Franzosen besetzt.