Full text: Die Hohenzollern und ihr Werk.

382 Die Erhebung Preußens zur Großmacht (1740—1786). 
Riesentrust organisiert werden. Zur Verwirklichung dieses Planes ist es nicht 
gekommen; nur einzelne Teilstücke davon traten ins Leben: vor allem die 
Bank selbst, aber ohne den anfangs beabsichtigten Zwang in der Vermittlung 
des Geldverkehrs und ohne den geplanten Zusammenhang mit den übrigen wirt- 
schaftlichen Unternehmungen; ferner eine Seeassekuranzgesellschaft, eine Brenn- 
holz= und eine Nutzholzgesellschaft mit ausschließlicher Berechtigung zur Ver- 
sorgung der Residenzstädte mit Brennholz und zur Ausfuhr von Schiffs= und 
anderem Bauholz aus den staatlichen und städtischen Forsten der Kurmark und 
des Herzogtums Magdeburg, beide seit 1766 verstaatlicht; weiterhin eine Levan- 
tische Kompanic, ein russisches Kontor für den Einfuhrhandel aus Rußland, 
später auch (1769) eine Heringskompanie in Emden, die der durch den Krieg 
ruinierten Ostindischen Kompanie mit besserem Glück zur Seite trat. 
Gegen alle diese neuen Gründungen verhielt sich die Geschäftswelt zunächst 
durchaus ablehnend, und auch das Generaldirektorium wollte in einem Bericht 
vom 1. Oktober 1766 gerade diese neuen Einrichtungen des Königs verant- 
wortlich machen für die große Handelskrisis, von deren Wesen und Ursachen 
man damals noch keine zutreffenden Vorstellungen hatte. Der König war 
empört, weil er glaubte, daß die Beamten mit den Kaufleuten gleichsam in einer 
stillen Verschwörung gegen ihn sich befänden. Zu der Kabinettsorder vom 
2. Oktober 1766, die dem Generaldirektorium eine sehr ungnädige Antwort 
auf seinen Bericht erteilte, fügte er in einer eigenhändigen Nachschrift noch die 
entrüsteten Worte hinzu: „Ich erstaune über der impertinenten Relation, so 
sie mir schicken. Ich entschuldige die Ministres mit ihre Ignoranz, aber die 
Malice und Corruption des Concipienten muß exemplarisch bestraft werden, 
sonsten bringe ich die Canaillen niemals in der Subordination.“ Der un- 
glückliche Konzipient, der Geheime Finanzrat Ursinus, ein tüchtiger Beamter, 
den der König sonst schätzte, wurde kassiert und nach Spandau auf die Festung 
gebracht. Von einer eigentlichen Bestechung, wie sie der König argwöhnte, fand 
sich nichts; aber einige kleine Unregelmäßigkeiten im Dienst gaben Veran- 
lassung dazu, daß er zu einjähriger Festungshaft verurteilt wurde. 
Die Abneigung der Kaufleute gegen die neuen Einrichtungen wurde all- 
mählich überwunden, wenn auch ein starker Zwiespalt zwischen der Wirtschafts- 
politik des Königs und der hergebrachten Art des Handelsbetriebes bestehen 
blieb. Friedrich hat oft geklagt, daß die Kaufleute in seinen Landen eigentlich 
nur Kommissionäre des Auslandes seien, daß sie sich begnügten, für eine be- 
scheidene Provision die Geschäfte der Holländer, Hamburger, Sachsen und Fran- 
zosen zu besorgen, die den preußischen Markt mit ihren Fabrikaten versahen. 
Er wollte dagegen einen alktiven Eigenhandel großen Stils ins Leben rufen, 
der auf der heimischen Gewerbtätigkeit beruhen und ein dienendes Glied der 
preußischen Volks= und Staatswirtschaft sein sollte. Dagegen wehrten sich 
die Kaufleute, weil ihnen das Risiko zu groß und das Ganze überhaupt zu 
neu war und auch weil es ihnen an Kapital und Unternehmungsgeist fehlte. 
Gerade diesen Mängelu aber wollte der König durch seine Monopoleinrichtungen 
abhelfen. Die Zersplitterung des Kapitals, die Hemmung durch gegenseitige 
Konkurrenz sollte zunächst vermieden werden; einige große privilegierte Gesell- 
schaften sollten erst gleichsam das Eis brechen; ihr Erfolg sollte dann anderen 
Lust machen, es ihnen gleichzutun. Die Monopole waren nicht als dauernde