Full text: Die Hohenzollern und ihr Werk.

46 Die Mark Brandenburg vor den Hohenzollern. 
nicht behaupten, sie wurde 1338 in einen Erbvertrag verwandelt; die beiden 
Lausitzen wurden im Laufe der Zeit ebenfalls nacheinander an das luxem- 
burgische Hans abgetreten (1350 und 1368) und mit der Krone Böhmien ver- 
einigt. Ludwig „der Brandenburger“ oder auch, zum Unterschied von seinem 
gleichnamigen jüngeren Bruder, „der Altere“ genannt, stand während seiner 
Minderjährigkeit unter der Leitung des Grafen Berthold von Henneberg und hat 
dann, mündig geworden, auch selbständig mit anerkennenswerter Tüchtigkeit seine 
Rechte gegen äußere und innere Feinde zu wahren versucht. Aber seine Herr- 
schaft ist in den gefährdeten Grenzmarken nie zu voller Sicherheit gelangt; der 
Kampf seines Vaters, des Kaisers Ludwig, mit dem Papst machte die Geistlichkeit 
des Landes der wittelsbachischen Sache abwendig, und die Aussicht auf stärkere 
Lasten brachte im September 1345 auf einem Tage in Berlin Ritterschaften und 
Städte dazu, sich gegen den Markgrafen zu vereinigen. Es war eben in jenen 
Tagen, wo der Burggraf Johann II. von Nürnberg als Verweser in die Mark 
gesandt worden war; er ist gerade im September 1345 in Berlin eingezogen. 
Seine kurze, kaum einjährige Wirksamkeit konnte keinen Umschwung der Lage 
herbeiführen, zumal die Stellung der Wittelsbacher im Reiche durch die Auf- 
stellung eines Gegenkönigs in der Person Karls von Luxemburg sehr erschüttert 
wurde (1346). Ein treuer Anhänger Ludwigs des Alteren und einer seiner 
Hauptratgeber war Klaus von Bismarck, der 1345 vom Markgrafen das Schloß 
Burgstall (bei Stendal) zum Lohn für seine Dienste erhielt. Als Kaiser Ludwig 
gestorben und Karl IV. sein Nachfolger geworden war, vermehrten sich die 
Schwierigkeiten des Wittelsbacher Markgrafen noch durch das Erscheinen eines 
Prätendenten, der unter dem Namen des großen Waldemar auftrat und vielfach 
Anhang im Lande fand, zumal ihm die Unterstützung aller Feinde der Wittels- 
bacher, namentlich auch des Kaisers, zugute kam. Alle diese Schwierigkeiten haben 
Ludwig dem Alteren schließlich den Besitz der Mark verleidet; er überließ sie im 
Vertrage von Luckau 1351 seinen beiden Stiefbrüdern Ludwig und Otto und 
zog sich nach Bayern zurück, wo er die Erbschaft des Vaters angetreten hatte. 
Ludwig der Römer übernahm von seinem Bruder den Kampf gegen den falschen 
Waldemar, der zwar inzwischen vom Kaiser als Betrüger preisgegeben 
worden (1350), aber durch die Unterstützung aller unbotmäßigen Elemente im 
Lande selbst sowie der meisten benachbarten Fürsten noch immer unbequem genug 
war; noch jahrelang hat dieser Kampf die Mark im Innern zerrüttet und nach 
außen geschwächt. Schließlich hat auch dieser Wittelsbacher keinen festen Fuß 
in der Mark zu fassen vermocht; und da die beiden Brüder mit ihren bayerischen 
Verwandten zerfallen und selbst noch ohne Erben waren, so gelang es den listigen 
und geschickten Bemühungen des Kaisers Karl IV., der schon längst nach dem 
Besitz des Landes trachtete, 1363 zu Nürnberg einen Erbvertrag mit ihnen zu- 
stande zu bringen, wonach für den Fall, daß sie keine Söhne hinterließen, die 
Mark Brandenburg an den ältesten Sohn des Laaisers fallen sollte. Zwei Jahre 
darauf ist Markgraf Ludwig II. gestorben; er liegt in der Klosterkirche zu Berlin 
begraben. Sein Bruder, Markgraf Otto, der Faule genannt, geriet nun vollends 
in die Netze der böhmischen Hauspolitik des Kaisers. Im Jahre 1366 heiratete 
er dessen Tochter Katharina und überließ dem Schwiegervater die Regierung der 
Mark für 6 Jahre. Aber nicht zufrieden damit, verlangte der Kaiser die förmliche 
Abtretung und suchte sie 1370 durch einen Einfall in die Mark zu erzwingen.