Full text : Die geheimen Instruktionen der Jesuiten.

Kopitel  VIII.

Wie  es  zu  machen  sei,  daß  die  Söhne  und  Töchter  der
Witwen  sich  dem  geistlichen  Stande  oder  einem  frommen
Leben  widmen.

1.  Wie  die  Mütter  energisch  in  dieser  Sache  verfahren  müssen,
so  die  Unfrigen  verbindlich  und  entgegenkommend.  Die  Muͤtter
müssen  selbstverständlich  angewiesen  werden,  ihren  Kindern  von  frühester
Jugend  an  mit  tadelnden  Worten,  Rügen,  Strafen  u.  s.  w.  zuzusetzen.
  Wenn  dieselben,  namentlich  die  Töchter,  herangewachsen  sind,
sollen  sie  ihnen  weiblichen  Schmuck  und  Kleinodien  versagen,  indem
sie  oft  den  Wunsch  aussprechen  und  Gott  darum  bitten,  sie  möchten
sich  dem  geistlichen  Stande  zuneigen,  und  indem  sie  ihnen  eine  beträchtliche
  Mitgift  versprechen,  wenn  sie  sich  dem  Klosterleben  widmen.

Sie  sollen  oft  die  Schwierigkeiten  auseinandersetzen,  welche  im
ehelichen  Stande  allen  gemeinsam  sind,  ebenso  diefensgen,  welche  sie
selbst  in  ihrem  Ehestand  etwa  erfahren  haben,  indem  sie  es  beklagen,
daß  sie  nicht  seiner  Zeit  die  Chelofigkeit  der  Heirat  vorgezogen  haben.

Kurz,  sie  sollen  in  dieser  Weise  beständig  fortfahren,  daß  ihre
Töchter  hauptsächlich  aus  Ueberdruß,  ihr  Leben  in  dieser  Weise  bei
der  Mutter  zubringen  zu  müssen,  an  den  geistlichen  Stand  denken.

2.  Mit  den  Söhnen  der  Witwen  sollen  die  Unsrigen  vertrauten
Umgang  pflegen;  wenn  sie  sich  für  unsere  Gesellschaft  zu  eignen  scheinen,
  sollen  sie  zu  gelegener  Zeit  in  das  Kollegium  eingeführt  werden.
Man  soll  ihnen  das,  was  ihnen  irgendwie  gefallen  kann,  zeigen  und
auseinander  setzen;  ebenso  das,  wovon  man  glaubt,  daß  es  zum
Anschluß  an  die  Gesellschaft  einladen  werde,  so  z.  B.  die  Gärten,  die
Weinberge,  die  Landhäuser  und  Meiereien,  wo  die  Unsrigen  sich  erholen.
  Man  soll  ihnen  vom  Reisen  zu  verschiedenen  Königen,  vom
Umgang  mit  den  weltlichen  Fürsten  und  von  allem,  was  das  jugendliche
  Alter  ergötzt,  erzählen;  man  soll  sie  aufmerksam  machen  auf  die
äußere  Reinlichkeit  und  Säuberlichkeit,  die  im  Refektorium  und  in
den  Zimmern  herrscht,  auf  die  angenehme  Umgangsform,  welche  die
Unfrigen  unter  sich  pflegen,  auf  die  Bequemlichkeit  unserer  Regel,  mit
der  dennoch  die  Pflege  des  göttlichen  Ruhmes  eng  verknüpft  ist,  endlich
  auf  den  Vorrang  unseres  Ordens  über  andere.  Man  soll  angenehme,
  witzige,  ebenso  wie  fromme  Gespräche  abwechlungsweise
mit  ihnen  führen.

3.  Sie  sollen  bisweilen  wie  auf  Grund  göttlicher  Offenbarung
zu  religiösem  Leben  im  allgemeinen  ermahnt  werden;  sodann  sollen
sie  eindringlich  auf  die  Bollkommenheit  und  Bequemlichkeit  unserer
Einrichtung,  welche  der  Orden  vor  andern  voraus  habe,  hingewiesen
werden.  Sie  sollen  bald  in  öffentlichen  Ermahnungen,  bald  in
privaten  Gesprächen  darüber  aufgeklärt  werden,  wie  fündhaft  es
sei,  sich  gegen  göttliche  Berufung  aufzulehnen.  Endlich  sollen  sie
zur  Uebernahme  geistlicher  Exerzitien  veranlaßt  werden,  damit  sie
sich  über  die  zu  wählende  Lebensform  entschließen.

4.  Die  Unsrigen  sollen  dasür  sorgen,  daß  derartige  Zünglinge
der  Gesellschaft  ergebene  Lehrer  haben,  welche  dieselben  fortwährend

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