Full text : Das Civil Medizinal Wesen im Königreich Bayern. Erster Band. Die private Medizin. (1)

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V.

Die  Befugniß-Meberschreitungen  des  niederätztlichen
Personals.

S  1234.
Art.  96.  des  Entwurfs  eines  Polizei-Straf-Gesetzbuches  v.  J.  1855.

Aerzte  (Landärzte,  Zahnärzte  2c.),  Wundärzte,  Bader  und
Hebammen,  welche  die  Grenzen  ihrer  Befugnisse  bezüglich  der
Behandlung  von  Krankheiten  überschreiten,  werden  an  Geld  bis
zu  fünfzig  Gulden  oder  mit  Arrest  bis  zu  vierzehn  Tagen
bestraft.

Nr.  611.  S.  135.

Ministerial-Entschließung  vom  1.  Dezember  1856,  die  Revision  der

ärztlichen  Deserviten-Rechnungen  und  die  Controle  über  das  niederärztliche
  Personal  betr.

Auf  Seiner  Königl.  Majestät  Allerhöchsten  Befehl.

Das  unterzeichnete  Staatsministerium  hat  Kenntniß  davon
erlangt,  daß  verschiedene  Ansichten  über  die  Frage  bestehen:
1)  welchem  Arzte  ein  nur  mit  beschränkten  Befugnissen  ausgestattetes
  niederärztliches  Individumm  Anzeige  über  ihm  vorkommende
  Krankheitsfälle  zu  machen  habe,  deren  Behandlung  ohne
Zuziehung  eines  Arztes  ihm  nicht  gestattet  ist?  2)  welchem  Gerichtsarzte
  die  Prüfung  der  ärztlichen  und  niederärztlichen  Deservitenrechnungen
  zustehe,  ob  dem  Gerichtsarzte,  in  dessen  Bezirk
  der  Rechnungssteller  seinen  Wohnsitz  hat,  —  oder  dem  Gerichtsarzte,
  in  dessen  Bezirk  der  Kranke  behandelt  wurde?

Um  nun  in  diesen  beiden  Beziehungen  ein  gleichmäßiges
Verfahren  zu  sichern,  wird  bestimmt,  was  folgt.  Ad  1)  Die
nur  mit  niederärztlichen  Befugnissen  ausgestatteten  Individuen
des  Sanitätsdienstes  sind  zwar  in  der  Wahl  des  Arztes,  den
sie  in  jenen  Krankheitsfällen  beizuziehen  verpflichtet  sind,  deren
Behandlung  ihnen  nicht  gestattet  ist,  zunächst  nur  durch  die  Bestimmung
  des  Kranken  oder  seiner  Angehörigen  beschränkt;  wenn
aber  eine  solche  Bestimmung  auf  einen  Anderen  als  den  Gerichts=
  oder  praktischen  Arzt  des  Bezirkes  fällt,  in  welchem  der
Kranke  sich  befindet,  so  haftet  das  betreffende  niederärztliche