52 7. Russische Anarchisten.
Behörden, über eine angebliche Schwäche der deutschen Regierung
gegenüber der russischen Regierung — daß das alles der Wahrheit
nicht entspricht.
(Hört! hörtl)
Ich erinnere ferner an zweierlei. Einmal daran, daß die von
deutscher Seite bei dem russischen Schriftenschmuggel beteiligten Hauptpersonen
der sozialdemokratischen Partei angehörten.
(Lebhafte Rufe: Hört! hört.)
Ich erinnere weiter daran, daß unter den Schriften und Büchern, welche
zu dem Einschreiten in Königsberg Veranlassung gegeben haben, terroristische
und anarchistische Brandschriften der übelsten Art sich befanden.
(Hört! hört!)
Nun hat allerdings der Herr Abgeordnete Bebel soeben gesagt, das
wären Kuckuckseier gewesen, diese anarchistischen und terroristischen Broschüren
seien von raffinierten Spitzeln den harmlosen Genossen
(Heiterkeit)
untergeschoben werden. Verlangen Sie wirklich, Herr Bebel, daß ich
das glauben soll?
(Lebhafte Zurufe rechts.)
Das scheint mir an Kühnheit der Erfindung fast heranzureichen an das
berühmte Märchen, an den großartigen Schwindel von dem Kaiserschloß
auf Pichelswerder.
(Sehr gut! und große Heiterkeit.)
Nächstens werde ich wohl zu hören bekommen, daß die Schimpfereien
auf dem Dresdener Parteitag, daß jenes anmutige Plätschern in dem
Jungbrunnen des Herrn Abgeordneten Bebel von der preußischen
Polizei, von der preußischen Regierung, von mir angestiftet worden sei.
(Sehr gut! und stürmische Heiterkeit.)
Die Wahrheit wird wohl sein, daß diese blutrünstigen Proklamationen,
diese Broschüren, in denen zu Mord und Totschlag aufgefordert wird,
ausgegangen sind von Leuten, mit denen sich die deutsche Sozialdemokratie
in eine ziemlich weitgehende Geschäftsverbindung eingelassen
zu haben scheint.
(Lebhafte Rufe: Hört! hört! — Zwischenrufe von den
Sozialdemokraten.)
Die Wahrheit wird wohl sein, daß es deutsche Sozialdemokraten waren,
die diese bluttriefenden Manifeste über die russische Grenze schmuggeln
wollten.