Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Kosenheimer  Anzeiger

 

und  Feier#t

 

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Rosenheimer  Tagblakt

Amtliches  Publikakions-Organ.

Mittwoch,  5.

Jannar  1916

 

——.—-—

Der  Völberrechtöbruch  u.  die  Erprefferpolitik  des  Vierverbaudo  in  Saloniki

Neue  U-Boot-Beute.  —  Rücktritt  des  englischen  Ministers  des  Innern.  —  Amerlka  und  die  Versenkung  der  „Perfia",

Erfolgreiche  Sprengungen  auf  der  Weftfront.  —  Die  erbitterten  Kämpfe  an  der  bessarabischen  Front:

Alle  russischen  Durchbruchsversuche

  gescheitert.  —  Bulgarische  Vergeltungsmaßregeln  gegen  den  Vierverband.

Die  Kriegslage.
W-TB.  HGroßes  Hauptquartler,  den
4.  Jan.,  vormitlags.  Amttlich.
Auf  allen  Kriegoschauplätzen  keine  Ereignisse
von  Bedentung.
Oberste  Heeresleitung.
Der  amtliche  Sösterreichische  Bericht.
WIB.  Wien,  3.  Jan.  Anmtlich  wird  gemeldet:

Russischer  Kriegsschrplan.

An  der  leharabischen  Front  wurde  auch  geen
  den  ganzen  Tag  über  erbittert  gekämpft.
et  Feind  setzte  alles  daran,  im  Naume  von
onoroutz  unsere  Linien  zu  sprengen.  Alle
urchbruchsversuche  scheiterten  am  tapferen  Wierstand
  unserer  braven  Truppen.  Die  Zahl
der  eingebrachten  Gesangenen  beträgt  3  Offiziere
  und  850  Man

An  der  Sereth-Mündung,  an  der  unteren
Strypa,  am  Kormin-Bach  und  am  Styr  wurden
  vereinzelte  russische  Vorstöße  abgewiesen.

Zahlreiche  Stellen  der  Nordostfront  standen
unter  seindlichem  Geschützfeuer.

Italienischer  Kriegsschanplat.
Keine  besonderen  Ereignisse.

Balkan-lriegsschauplafz.
Bei  Mojkovac  wurde  eine  montenegrinische
Abteilung,  die  sich  an  das  Nordufer  der  Tara
vorwagte,  in  die  Flucht  gejagt.
Die  Lage  ist  unverändert.
Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes:

Versenkt.
London,  4.  Jan.  (Neuter.)  Der  Damper
  der  P.  and  O.  „Geelong"“  wurde  im  Mitelmeer
  versenkt.  Alle  Passagiere,  die  sich  an
Bord  befanden,  sind  gerettet.  (Z.)  —  Der
Dampfer  war  7954  Tonnen  groß.

Aus  der  Ladung  der  „Persia".
Washington,  4.  Jan.  Der  Konsul  der
Lereinigten  Staaten  in  Alexandria  berichtet,
aß  die  „Persia“  ein  4.7.  Zoll.  Geschütz  an  Bord
atte.  Bie  amtlichen  Kreise  erklären  jedoch,
aß  dieser  Sachverhalt  an  der  eigentlichen  Tateache
  nichts  ändern  würde.  (Z.)

Rußland  klopft  bei  Japan  an.
Stockholm,  4.  Jan.  GCroßfürst  Georg
Nichaelowitsch  ist  nach  Japan  abgereist.  Von
mtlicher  russischer  Seite  wird  über  den  Zweck
er  Neise  verbreitet,  der  Großfürst  habe  in
Lokio  lediglich  den  Elükwunsch  des  Zaren  zur
Krönung  des  Kaisers  von  Japan  zu  überringen.
  Es  scheint  sich  aber  auch  oder  in  erster
inie  um  einen  politischen  Auftrag  zu  handeln.
s  verlautet,  daß  der  Zar  den  Kaiser  von
apan  abermals  ersucht,  sich  an  den  militärihen
  Operationen  auf  den  europäischen  Kriegshauplätzen
  zu  beteiligen,  sei  es  durch  Stelang
  von  cgrößeren  Truppenmassen,  sei  es  durch
Pordnung  eines  Geschwaders,  wobei  ausdrückch
  betont  wird,  daß  das  Heer  und  die  Flotte
Sapans  lediglich  zur  Unterstützung  des  Viererbandes
  im  Mittelmeer  und  Aegypten  rerjendet
  wird  und  daher  mittelbar  den  Weg
ach  Japan,  also  japanische  Interessen  schützen
llen.  (J.)

 

 

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5  Uden  Kämofen  Umtden  Harfmonnsweilerkoo!

 

die  englische  Eepresserpolilik.

Die  österreich-ungarische  Regierung  veröffentlicht
  einige  Stücke  aus  der  Kurierpost  zweier
englischer  Offiziere,  die  am  4.  Dezember  von  einem
  Unterseeboot  im  Mittelmeer  auf  einem
griechischen  Dampfer  gefangen  genommen  wurden.

  Es  lind  eine  Reihe  von  Briesen  englischer
Diplomaten  und  Offiziere  in  Griechenland,  die
so  bekannt  werden.  Es  fällt  an  diesen  Briesen
zunächst  auf,  daß  aus  ihnen  eine  volllommen
klare  Erkenntnis  der  für  den  Vierverband  so
ungünstigen  militärischen  und  diplomatischen
Lage  auf  dem  Teil  der  Balkanhalbinsel  spricht,
auf  dem  lich  die  Entente  überhaupt  noch  halten
  kann.  Diese  klare  Erkenntnis  steht  im  vollkommensten
  Gegensatz  zu  den  hochtrabenden  Reden
  der  Minister  des  Vierverbandes  und  ihrer
Presse,  die  ja  nach  jedem  Schlage,  den  die  Entente
  erhielt,  den  Mund  noch  voller  nahmen.
Hierdurch  wird  einmal  klar  bewiesen,  wras  auf
die  Reden  dieser  Staatsmänner  in  ihren  Parlamenten
  zu  geben  ist.

Unter  den  veröffentlichten  Aktenstücken  sind
auch  die  Forderungen  Englands  und  Frankreichs
an  die  griechische  Regierung:  Zurückziehung
der  griechischen  Truppen  aus  Saloniki  und  Umgebung,
  freie  Verfügung  über  die  Eisenbahnen
  und  Straßen  bis  zur  Grenze  und  absolute
Freiheit  zur  See.  Dieser  Teil  der  Veröffentlichung
  bringt  eigentlich  nichts  Neues.  Diese
Forderungen  sind  seit  langem  bekannt,  nach
allem,  was  wir  ——  sind  sie  auch  so  ziemlich
erfüllt.  Durch  diese  Akten  wird  aber  von  neuem
die  Wahrheit  erhärtet,  daß  sowohl  diese  Forderungen
  wie  die  ganze  Entsendung  der  Erpe- 



ditionsarmee  nach  Saloniki  die  völlige  Vernichtung
  des  Mölkerrechts,  den  gröblichsten  Bruch
der  griechischen  Neutralität  und  den  blutigsten
Hohn  auf  die  Phrasen  vom  Schutz  der  kleinen
Völker  darstellen.

Erweisen  sich  England  und  Frankreich  schon
durch  ihr  ganzes  Vorgehen  in  Griechenland  als
Umstürzler  geltenden  Rechtes,  so  ist  es  überaus
interessant,  aus  den  von  der  ösierreichisch-ungarischen
  Regierung  veröffentlichten  Aktenstücken
zu  sehen,  daß  auch  einzelnen  englischen  Diplo-=maten
  und  Offizieren  revolutionäre  Gedankengänge
  durchaus  nicht  fernliegen.  So  schreibt
z.  B.  Mr.  W.  V.  G.,  Sekretär  der  englischen
ee  e  n  in  Athen,  am  28.  November:

„Meiner  Ansicht  nach  wäre  es  am  beiten,  den
König  von  seinem  Thron  zu  verjagen  und  Venizelos
  zum  Präsidemen  der  hellenischen  Republik
  auszurufen.“  Erstreckt  sich  das  revolutionäre
  Gelüst  dieses  königlich  englischen  Beamten
nur  auf  Griechenland,  so  geht  Mr.  K.,  Mitglied
  der  englischen  Marinemission,  Athen,  in
seinem  Briefe  vom  2.  Dezember  viel  weiter,
ins  große  Allgemeine.  Er  schreibt:  „Ich  bin
überzeugt,  daß  die  Leute  und  der  König  selbst
die  begangenen  Fehler  jetzt  einsehen.  Aber  der
König  ist  ein  so  stütziges  Geschöpf,  daß  er  halsstarrig
  bleibt.  Meine  Ueberzeugung  geht  dahin,
daß  nach  diesem  Kriege  nichts  derartiges  wie
Könige  bestehen  bleiben  sollte;  sie  haben  Krieg
und  Elend  verursacht  und  nur  sie  allein.

Diese  Dokumente  beleuchten  tageshell  die  rücksichtslofe
  Gewaltpolitik  Englands  auf  dem  Balkan.


—  —  —

 

Der  Völlertechlsbruch  in  Salonkil.

Athen,  3.  Jan.  (Vont  Berichteritatter  des
WIB.  General  Sartail  ließß  den  norwegischen
Generalkonsul  in  Salonili,  Seeselder,  verhaften.
  Die  Alliierten  ließen  gestern  in  Saloniki
tausend  Untertauen  der  seindlichen  Maächtegruppe
  verhaften.  Das  rucksichtslose  Auftreten
  des  Generals  Sarrail  und  die  Mißzachtung
der  griechischen  Rechte  rusft  in  der  ganzen  Oefsentlichkeit
  große  Erkitlerung  hervor.  Die  Bedrückungen,
  die  sich  die  Verbandsmächte  erlauhen,
  werden  immer  unertraglicber.

Athen.  GB.  Jan.  Der  Prir##torrespondent
des  W.I.  melder  noch  uber  die  Sethaflung  der
Konfuln  in  Saloniki:  Die  Behauptung  der
Vertreter  des  Vierverbandes,  daß  die  Konfuln
frioniert  hatten,  wird  lier  als  lächerlich  bezeichnet.
  Die  Komiuln  seien  von  Geheimpolizisten
der  Entente  derartig  uberwacht  und  belanigt
worden,  daß  schon  bierdurch  jede  Spionageläligkeit
  ausgeschlossen  gewesen  sei.  Ministerpräsident
  Skuludis  hat  den  Vertreiern  des  Vierbundes,
  d  e  bei  der  griechischen  Regierung  ge—
gen  die  Verhaftung  ihrer  Konsuln  Prote  it  erhoben
  raben.  geanwortel,  daß  er  auf  seinem
bei  den  Ententemachten  eingelegten  Einspruch
und  die  Corderung  auf  unverzugliche  Freilassung

  der  Konsuln  bisher  leine  Antwort  erhalten
  habe.  Angesichts  des  in  letztter  Zeit
vom  Vierrerbande  Griechenland  gegenüber  zur

Schau  getragenen  rücksichtslofen  Auftretens  zeigt
sich  die  ganze  öffentliche  Meinung  Griechenlands
  aufs  höchste  erbittert.

Bern,  3.  Jan.  Das  „Giornale  d-Italia“
meldet,  der  Aiechiche  Präfell  von  Saloniki

bale  im  Auftrag  jeiner  Regierung  die  Uebergale
  der  Konsulatenebäude  der  Zentralmächte
gefordert,  der  englische  und  der  franzöfische  General
  hätten  dies  jedoch  entichieden  verweigert.

Akhen.  3.  Jan.  In  der  scharfen  Protesinote,
die  die  griechiiche  Regierung  wegen  der  Ereignisse
  in  Salonili  an  die  Regierungen  der  Entenlemächte
  gerichtet  Lal.  heißt  es  u.  a.,  da
sich  Griechenland  genöligt  sehe.  gegen  die  flagranteste
  und  umnenichlichte  Verletzung  der
griechischen  Souveranitat  Einspruckh  zu  erheben,
die  mit  vollstandiger  Mißachtung  der  traditionellen
  Regeln  des  diplomatischen  Asylrechts  und
der  elementarsten  lraditionellen  Courtoisie  erfolg!
  sei.

Wien,  J.  Jan.  Die  griechische  Regierung
ließ  heute  hier  den  gegen  die  Verbaftung  der
Konsuln  in  Saloniki  und  gegen  die  Besetzung
von  Castellorizzo  durch  die  Franzosen  an  die
Vierverbandsmächte  uberreichten  Protest  offiziell
  notisizieren.  Es  in  wahrscheinlich,  daß  die
verhafteten  Konsuln  auf  dem  Wege  über  Athen-Italien
  in  ihre  Heimat  entlassen  werden,  so,
wie  dies  jungit  mit  den  in  Albanien  gewesenen
Konfuln  geschehen  ist.

Konstantinopel,.  .  Jan.  „Tanin“
schreibt:  Der  gegenwärtigen  Lage  in  Saloniti
müsse  ein  Ende  gemacht  und  den  Konfuln  die
Freiheit  wiedergegeden  werden.  Wenn  dies  nicht
in  einer  jeden  Zuweifel  ausschließenden  Weise
geschehe,  so  würden  die  Armeen  der  Türtei
und  der  Verrundeten  nicht  zögern,  das  eritere
Ziel  zu  erreichen  und,  was  das  letzkere  betrifft,
gemaß  dem  Vollerrecht  zu  sehr  erniten  Reprelsalien
  greifen.