Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

(ufiiner  18

Sonntag,  22.  Februar  1818

 

Bukarest,  25.  Febr.  Von  der  oberen  Moldau

  bis  zur  beßarabischen  Grenze  werden  furchtbare
  Schneestürme  gemeldet.  Der  Eisenbahnverfehr
  an  vielen  Stellen  unterbrochen.  hl
reiche  Bäuser  sind  eingestürzt.  Auch  Menschenverluste
  sind  zu  beklagen.

Die  neuen  Rriegssteuern.
Berlin,  25.  Febr.
Ueber  die  neuen  Kriegssteuern  macht  die

„Nordd.  Allg.  Z#g.“  nähere  Angaben.  Nach
#bbren  Angaben  sind,  wie  es  uns  versprochen
worden  war,  unentbehrliche  Lebenemittel  von
der  Belastung  freigegeben.  Von  Genußmitteln
muß  der  Tabak  in  starkem  Maße  zur  Dedung
des  Fehlbetrages  beitragen;  im  übrigen  wird
durch  Postabgaben,  Quittungestempel  und  Ausdehnung
  des  Frachturkundenstempels  in  ersier
Linie  der  Verkehr  belastet.  Das  offiziöse  Blatt
veröffentlicht  bereits  den  Entwurf  der  Kriegsgewinnsteuer.


Neben  der  Kriegsgewinnsteuer  beabsichtigt  die
Reichsregierung,  dem  Reichstag  in  seiner  neuesgten
  Tagung  eine  Reihe  von  Stempelgesetzentwürfen
  vorzulegen,  die  insgesamt  500  000  C00
Mark  einbringen  sollen,  namlich:  1.  Entwurf
eine  Gesetzes  über  Erhöhung  der  Tabaksabgaben,
  2.  Enlwurf  einee  Quitlungostempelgesetzes,
3.  Enlwurf  eines  Gesetzes  über  eine  mit  den
Potgebuhren  zu  erhebende  Reichsabgabe,  4.
Entwurf  eines  Gesetzes,  betr.  den  Frachturkundentempel
  und  die  Auedehnung  aufs  Slückgüter
Die  Steucrvorlagen  bezwecken  nicht  eine  Lösung
  der  Frage  nach  der  Deckung  der  gesamten
aus  dem  Briege  sich  ergebenden  Belastung;
diese  Aufgabe  wird  nach  Beendigung  des  Kriezu

  leisten  sein.  Eine  weitere  direkte  Bekeuctung
  neben  der  Kriegsgewinnsteuer  scheidet
ulls.

Die  Belastung  mit  Tabalabgaben  auf  den
Kopf  der  Bevölkerung  betrug  im  Jahre  1912
in  Deutschland  2.78  Mark,  in  England  6.28
Mark,  in  Frankreich  7.68  Mark.  Eingehende
Verhandlungen  mit  sachverständigen  Vertretern
  des  Tabakgewerbes  haben  ergeben,  daß
eine  CMöhung  der  Tabakabgaben  im  gegenwärtigen
  Zeitpunkte  „für  Gewerbe  und  Verbraucher
  erträglich  ist.  Die  Vorlage  sieht  eine  verbältniomähige
  niedrige  Belastung  der  billigen

Tabake  und  eine  wesentlich  stärkere  des  Luzuslonsums
  vor.

Die  Einfũhrung  eines  Quittungsstempels  wird
nicht  ohne  eine  Belastung  des  Betlehrs  abgehen;
denn  ein  Quittungsstempel  ohne  Quittungszwang
  würde  nicht  die  erforderlichen  Erträgnisse
  bringen.  Zahlungen  von  geringen  Beträgen
und  zu  bestimmten  Zwecken  bleiben  von  der
Steuer  befreit.  Den  Bestrebungen  zur  Förderung
  des  bargeldlosen  Zahlungsverkehrs  trägt
die  Vorlage  in  weitem  Umfange  Rechnung.  Un.
ier  anderem  soll  mit  dem  Zeitpunkt  des  -
kraftt#  es  des  Gesetzes  der  Scheckstempel  in
Fortfall  kommen.

Eine  ansehnliche  Einnahmesteigerung  ist  durch
eine  stärkere  Heranziehung  des  Post-,  Telegraphen,
  und  Telephonverkehrs  zu  erzielen.  An
der  Aufbringung  dieser  neuen  Einnahmen  wird
fat  die  ganze  Bevölkerung  teilnehmen.  Doch
merden  nur  leistungsfähige  Schultern  durch  sie
im  stärksten  Maße  belastet.  Mit  dieser  Reichsobgabe
  steht  die  Einführung  eines  Stempels  auf
Frachturkunden  von  Stückgutsendungen  auf  Eisenbahnen
  und  Schiffen  im  Zusammenhang:
neben  der  Einführung  eines  Stückgutstempels
ill  eine  Erhöhung  der  bestehenden  Frachturlundenstempel
  geplant.

Relegslagung  des  bayer  Landkags
Die  Geschäftslage.

Vor  Eintritt  in  die  Tagesordnung  der  heutigen
  Sigung  der  Kammer  der  Abgeordneten  entsoann
  sich  eine  Aussprache  über  die  Geschäftslage.
  Präsident  Dr.  v.  Orterer  schlug  vor,  den
NRest  der  Tagesordnung  in  einer  Nachmitiagssinung
  zu  erledigen.  Am  Mittwoch  der  nächsten
Woche  solle  dann  eine  Sißung  stattfinden,  in
der  eine  heute  eingelaufene  Interpellation  des
Akg.  Held  (Zir.)  über  die  Familienuntersrützung
  der  Kriegsteilnehmer  behandelt  werden
soll,  allensalls  auch  eine  Petition  des  Abg.
Tindler  (r.)  be#t.  Abänderung  des  Weingesctzes
  und  eine  Reihe  von  kleineren  Etats.  In
der  vierten  Woche  des  Monats  März  soll  dann
nieder  eine  Serie  von  Sitzungen  abgehalten
vnerden,  in  denen  der  Kultusetat  erledigt  wird.
Nach  einer  längeren  Debatte  wurde  den  Vorschlägen
  des  Präsidenten  zugestimmt.

Die  55ftpreise,  für  Kartoffel  und

 

 

Erster  Greensiemr  n  die  uerrellation  der
Sozialdemokraten  betr.  die  Erböhung  d  der  Höchstbreise
  für  Getreide  und  Kartofseln.  Sie  lautet:
„Wos  gedenkt  die  Kgl.  Staatsregierung  zu  tun,
um  3.  allgemeinen  wirtschaftlichen  Folgen  zu
milderst,  die  die  Erhöhung  der  Höchstpreise  für
etreide  und  Kartosseln  berbeigeführt  hat?“
Die  Interpellation  begründcte  in  längeren  Ausuhrung

  der  pfälzische  Sozialdemokrat  Abg.
Loffmann.  Er  wies  auf  die  große  Erregung
rin,  die  im  Volk  die  letzte  Bundesratsverordmung
  hervorgerufen  habe,  die  die  Höchstpreise
lr  Getreide  und  Kartoffeln  erhöhte.  Das

schlimmste  ist,  daß  die  Regierung  aus  den  Fehlern
  1  gelernt  hat.  Bei  einsichtigen  Menschen

hler,  bei  unwernünftigen  Regierungen
ater.  .  (Präsident  Dr.  v.  Orterer:  Diese  Kritik
ist  unzulässig.)  Wir  bestreiten,  daß  ein  Zwang
für  die  Erhöhung  der  Kartoffelpreise  vorhanden
war.  Die  Wirkung  der  Erhöhung  ist  unheilvoll
  für  das  Volk  und  für  die  Regierung  wegen
der  Vernichlung  ihres  Ansehens.  Dazu  hat  die
Bundesratsoerordnung  auch  noch  rückwirkende
Kraft  und  eine  Begründung  für  deren  Notwendigkeit
  hat  bis  jetzt  noch  keine  Regierung
erbracht.  Diese  Wirkungen  haben  die  schlimmsten
  Einflüsse  auf  die  Brotversorgung  der
Städte.  Das  bedauerlichste  ist,  daß  in  den
Preiszuschlägen  nicht  nur  eine  Entschädigung,
sondern  auch  eine  Erhöhung  der  Preise  steckt.
Das  bietet  einen  starken  Anreiz  zur  Spekulation.
  Redner  verlangt,  daß  ab  1.  April  für
Bayern  Höchstpreise  für  Mehl  eingeführt  werden,
  dami  der  Wacher  damit  eingestellt  wird.
Wir  verlangen  von  der  Staatsregierung,  daß
sie  alles  daran  seyt,  im  Bundesrat  einen  Beschluzz
  herteizuführen,  der  diese  Hochstpreispolilik
  wieder  annulliert.  Es  muß  festgestellt
werden,  daß  die  Getreide=  und  Brotverteurer
nicht  in  Bayern,  sondern  in  Preußen  sitzen.
Die  Kartoffelpreispolitik  ist  gerade  so  unglücklich,
  sie  hat  vor  allem  den  Handel  ausgeschaltet
und  die  Städte  wurden  deswegen  schlecht  versorgt.
  Wir  verlangen  auch  hier  eine  Rückgängigmachung
  des  Beschlusses  des  Bundesrats  und
Wiederherilellung  des  alten  Kreises  für  Karloffeln.
  Auf  dem  Gebiete  der  Vollsernährung
hat  die  KRegierung  nicht  das  getan,  was  zur
Erhaltung  der  guten  Stimmung  notwendig  war.

Minister  Frhr.  v.  Soden  erklärte:  Tatsächlich
  bedeuten  die  Bestimmungen  der  neuen  Bundesratoverordnung
  eine  Verteuerung  des  Getreides
  für  die  selbstwirtschaftlichen  Kommunalverbände.
  Die  Abänderung  der  Höchstpreisverordnung
  vom  23.  Juli  1915  wäre  nach  Lage
der  Verbältnisse  in  Bayern  nicht  nötig  gewesen,
weil  die  Ablieferung  der  Brotgetreidevorräte
ohne  Stodung  vor  sich  ging.  Reichsleitung  und
Bundesrat  hielten  aber  für  Norddeutschland  eine
möglichst  beschleunigte  Ablieferung  der  gesamten
  Brotgetreidevorräte  für  unerlählich,  um  der
Verfütlerung  vorzubeugen,  und  wegen  der  Beschleunigung
  des  Auedrusches.  Zu  hoffen  ist,
daß  die  Wirkungen  der  neuen  Verordnung  sich
für  die  Bevölkerung  nicht  durch  eine  Erhöhung
der  Brolpreise  fühlbar  machen.  Die  bayerische
Regierung  hat  Schritte  ergriffen,  um  die  durch
die  Atänderung  der  Höchttpreisbestimmungen
herbeigeführte  Unbilligkeit  gegenüber  den  Landwirten,
  die  frühzeitig  ihre  Vorräte  abgeliefert
halen,  nach  Tunlichkeit  auszugleichen.  Eine  Erhöhung
  der  Kartoffelpreise  für  Verbraucher  ist
bisher  nicht  eingetreten;  wie  deren  Höchstpreise
nach  dem  15.  März  festgesetzt  werden,  steht
noch  nicht  sest.  Die  Entscheidung  liegt  hier  nicht
bei  der  bayerischen  Regierung,  sondern  beim
Bundeskat.  Wenn  die  Verhälktnisse  dazu  zwingen
  sollien,  allgemein  eine  Erhöhung  der  Kartofsellöchsipreise
  eintreten  zu  lassen,  so  darf  nicht
übersehen  werden,  daß  auch  die  Kartoffelpreise
in  ihrer  bieherigen  Festseczung  die  Friedenspreise
  übersteigen,  daß  vielmehr  in  weniger
günftigen  Erniejahren  die  Preise  mehrfach  wesentlich
  höher  gewesen  sind.  Man  kann  also
auch  hier  nicht  mit  Grund  von  einer  enstlichen
Gesährdung  der  Volksernährung  sprechen,  wenn
gleich  nicht  zu  verkennen  ist,  daß  eine  Erhöhmung
bei  dem  hohen  Preisstand  anderer  Gegenstände
des  täglichen  Bedarfes  unerwünscht  ist.  Die
Entscheidung  darüber  liegt  aber  nicht  bei  der
banerischen  Staatsregierung,  sondern  beim
Bundeskat.  Die  bayerische  Staatsregierung  ist
der  Uelerzeugung,  daß  sie  die  Interessen  Bayerns
  schon  bisher  mit  allem  Nachdruck  vertreten
hat  und  wird  es  auch  daran  auch  weiterhin  nicht
sehlen  lossen.

Diese  Erllärungen  des  Ministers  machten  auf
das  Haus  einen  starten  Eindruck.  Schon  der
erste  Nedner  Alg.  Schlittenbauer  protestierte
  scharf  gegen  die'  nun  offenkundig  gewordene
  Uetung,  daß  die  Verhältnisse  in  Norddeutschland
  für  das  ganze  Reich  als  maßgebend
betrachtet  werden  und  die  übrigen  Bundesstaaten
  sich  einfach  beugen  müßten.  Unter  den
so  liegenden  Verhältnissen  ist  es  notwendig,  die

erliner  Preiswirtschaft  näher  unter  die  Lupe
zu  nehmen,  um  zu  verhüten,  daß  Produzenten
und  Konsumenten  immer  mehr  hintereinander
gehetzt  werden,  während  die  Schuld  weder  die
einen  noch  die  anderen,  sondern  einen  Dritten
trifft.  Menn  die  Bauern  die  geringere  Schuld
treffe,  dann  tresse  die  größere  Schuld  jene,
welche  solche  Verordnungen  erlassen  haben.
Schon  längst  wäre  man  diesem  Mißstand  zu

Leibe  gegangen,  wenn  die  Zensur  nicht  oazwischengereten
  wäre.  In  wirtschaftlichen  Dingen
sei  aber  das  Volk  reif  genug,  ohne  Zenfur  seine
Sache  vertreten  zu  konnen.  Wirksam  nahm  er
die  Landwirtschaft  in  Schutz.  die  erst  durch  eine
solche  Höchstpreispolitik  wie  die  letzte  und  durch
den  wilden  Zwischenhandel  zum  Spekulieren
formlich  erzogen  werde.  Immerhin  stehe  aber
Deutschland  mit  seinen  Letbensmittelpreisen  in
der  ganzen  Welt  am  besten  da,  und  Bayern
am  gunstigsten  im  Reiche.  Unser  Standpunkt
gipfelt  in  den  drei  Forderungen:  1.  Die  Höchstpreise
  müssen  von  vornherein  so  gestellt  sein,
daß  sie  den  Produktionskosten  entsprechen  und
eine  gewisse  Rente  garantieren.  An  diesen  Höchstrreisen
  musz  dann  durch  die  Bank  festgehalten

 

werden;  2.  es  muß  ein  natürliches  Verhältnis
wischen  Brot=  und  Futtergetreide  obwalten;
3.  ein  Neport  ist  nicht  nur  eine  Notwendigkeit,
ondern  ein  Gebot  der  wirtschaftlichen  Errechtigkeit.
  Mit  Nachdruck  sordern  wir,  ba
der  Brot-,  Fleisch  und  Kartoffelfrage
Militär  nicht  einen  Steiat  im  Staate  bildet.
Bisher  hat  hier  noch  nitmand  den  Hebel  angesetzt.
  Wenn  Fleischkarten  kommen,  müssen  sie
so  gehalten  sein,  daß  des  Bessersituierte  keine
größeren  Mengen  beziehen  kann  als  der  Minderbemittelte.
  In  bezug  auf  Fleisch  ist  Bayern
in  den  letzten  vier  Wochen  sozusagen  das  Reservoir
  für  ganz  Deutschland  gewesen.  Vor  dem
Krieg  hat  man  uns  aber  als  die  wirtschaftlich
Zurüdgebliebenen  angesehen.  an  muß  sie
auch  mwundern,  daß  auf  unsere  Wünsche  in
Norddeutschland  so  wenig  Rücksicht  genommen
wird.  Ich  erinnere  nur  on  die  Frage  der  Braukontingente,
  mo  man  jesen  sch  Bayerns
rücksichtelos  an  die  Wond  gedrückt  hat,  während
  man  45  000  Tonnen  Brotgetreide  den
norddeutschen  Brennern  überwies.  In  dieser
ungleichmäßigen  Behandlung  zwischen  Nord  und

Süd  müssen  wir  einen  Affront  gegen  uns  er-Hlilken


Atg.  Meußdoerffer  (lib.)  hätte  gewünscht,
daß  der  Vorredner  die  partikularistischen  Gegensätze
  zwischen  Süd  und  Nord  nicht  so  sehr  hervorgehoben
  hätte,  stimmt  im  übrigen  aber  den
sachverständigen  Ausführungen  Dr.  Schlittenbauers


Die  Besprechung  der  Interpellation  füllte
auch  die  ganze  Nachmittagssitzung  noch  aus,
ohne  daß  indessen  wesentlich  nene  Gesichtspunkte
noch  hervorgetreten  wären.  .  Hoffmann
(Soz.)  bemerkt,  daß  er  nicht  eil  ganzen  Landwirtschaft
  einen  Vorwurf  gemacht  und  daß  er
die  Halkung  der  bayerischen  Landwirtschaft  anerkannt
  hate.  Seine  Vorwürse  hätten  sich  gegen
  den  Norden  gerichtet.

dol  J  Fersenluscrchlen.

München.  25.  Febr.  Der  König  hat  den
Geheimen  Baurat,  Generaldirektor  der  Maschinenfakrik
  Augsburg-Nürnberg,  Dr.  Anton
v.  Rieppel  in  Nürnberg,  zum  lebenslänglichen
  Reichsrat  der  Krone  Bayern  ernannt.
Generaldirektor  Dr.  Anton  v.  Rieppel,  Kgl.
Geheimer  Baurat,  Vorstand  der  Maschinenfabrik
  Augsburg-Nürnberg  in  Nürnberg,  hat
sich  um  die  bayerische  Industrie  hervorragende
Verdienste  erworben.

Küncheuer  Neuisgket#en.

münchen.  25.  Febr.  Am  14.  Febr.,  früh
6  Uhr,  gab  vor  einem  Fabrikanwesen  an  der
Elsenheimerstraße  der  19  Jahre  alte  Verzinker
  Joseph  Lechner  aus  Rache  auf  den  vierzig
Jahre-  alten  Verzinker  Wilhelm  Neff  drei  Schusse
aus  einem  Revolver  ab  und  verletzte  ihn  erheblich.
  Lechner  sloh  nach  der  Tat  und  war  seitdem
  verschwunden.  Am  Donnerstag  wurde  er
in  dem  Walde  bei  Gräfelfing  tot  aufgefunden.
Er  hatte  sich  erschossen.

Boyerlsche  Nachrichten.

Erding,  25.  Febr.  In  Täufstetten  brach  im
Jallschen  Anwesen,  dessen  Besitzer  zurzeit  im
Felde  steht,  Großfeuer  aus,  das  in  kurzer
Zeit  das  ganze  Anwesen  zerstörte.  Die  Fran
des  Brandleiders,  die  erst  vor  kurzem  einen
Fuß  brach,  konnte  im  letzten  Augenblick  aus
dem  brennenden  Hause  gerettet  werden.  Der
Brand  wurde  von  dem  10  Jahre  alten  Pflegesohn
  gelegt.  Der  Abgebrannte  ist  nur  schlecht
versichert.

AUugsburg,  25.  Febr.  Gestern  Abend  gerie
ten  zwei  von  der  Schule  kommende  kleine  Mädchen
  zwischen  eine  Mauer  und  einen  Fäkalienabfuhrwagen,
  der  infolge  der  Glätte  des  Bodens
  gegen  die  Mauer  gerutscht  war.  Der  neunjährigen
  Franziska  Weiß  wurde  der  Kopf  vollständig
  zerquetscht,  sodaß  der  Tod  sosort  eintrat.

:

Brannenburg,  25.  Febr.  Die  Wendelstieinbahn
  ist,  nachdem  sie  einige  Zeit  nur  bis  zur
Mitteralm  verkehren  konnte,  seit  Mittwoch  wieder
  frei  und  bis  zum  Hotel  in  Betrieb.  Nach
starken  Schneestürmen,  die  ein  interessantes  Naturschauspiel
  boten,  ist  der  Wendelstein  jetzt
in  eine  brächtige  Winterlandschaft  gebettet.  Der
Weg  zur  Spitze  usw.  ist  schneefrei.

Kiefersfelden,  25.  Febr.  Im  Dienst  todlich
  vom  Schlage  getroffen  wurde  am  Mittwoch
nachmittag  der  biesige  Stationsdiener  Jalob
Deitl.  Er  war  eben  im  Begriff,  einen  Wagen
zu  übersteigen,  und  stieg  hiebei  in  das  Brems.
häuschen.  Als  der  Beamte  beim  Nahen  des
Zuges  den  Stationsdiener  nicht  auf  seinem  Posten
  bemerkte,  ließz  er  nach  ihm  schauen.  Hie
bei  sand  man  Deidl  im  Bremshäuechen  üißend
lewußtlos  auf.  Der  sofort  erschienene  Arzt  Dr.
Ziegler  slellte  einen  schueren  Schlaganfall  mil
einseiliger  Körperlähmung  sest  und  gab  alle
Hoffnung  auf  eine  Rettung  auf.  Am  gleichen
Abend  i  iß  Deibl  gestorben.

Bolzkirchen,  25.  Febr.  Bei  einer  Gelände
übung  fanden  Soldaten  eines  Münchener  In-—



 

 

 

 

fanterie-Ersatzbataillons  zwischen  Hüttenkirchen
und  Hohendilching  im  Mangfsallgebiet  eine  ftark

 

in  Verwesung  übergegangene  männliche  Leiche.
Sie  wurde  als  die  des  82  Jahre  alien  Privatiers
  May  aus  Holzkirchen  erkannt,  der  seit
September  vorigen  Jahres  abgängig  ist.

Sauerlach,  25.  Febr.  Beim  Aufarbeiten
von  Windm  ürsen  wurde  der  imohiesigen  Forste
beschäftigte  ledige  Gütler  Johann  Essendorfer
von  einem  Stamm  derart  schwer  am  en
verletzt,  daß  er  rom  getragen  werden
mußte.  Er  wurde  nach  München  in  die  Klinik
verbracht,  wo  er  hoffnungslos  darniederliegl.

Wafsserburg,  25.  Febr.  Bei  der  Herauenahme
  eines  Baumstockes  bei  Pflegham  in  der
Nähe  von  Gabersee  wurden  von  einem  Pfle
ger  80  Kronentaler  in  einem  halbvermoderten
Säckchen  in  der  Erde  gefunden.  Die  Münzen
stammen  aus  der  Zeit  von  1715  1750.

Bad  Reichenhall,  25.  Febr.  Die  vierköpfi.
ge  Familie  des  Musikalien=  und  Schreibwa
renhändlers  Franz  Lungershausen  ist  am  ver
gangenen  Dienstag  mittags  nach  dem  Genuß
zubereiteter  getrockneter  Pilze  schwer  erkran?.
Die  Frau  wußte  mit  den  Sterbesakramenten
versehen  werden.  Da  ärztliche  Gegenmaßnabmen
  eiligst  Anwendung  fanden,  konnte  eine
Wendung  des  Befindens  zur  Besserung  erzien
werden.

Reit  i.  W.,  25.  Febr.  In  der  gegenwärtige
Zeit  des  schrecklichsten  Aderlasses,  der  ein  Vorl
zu  treffen  vermag,  wo  man  täglich  bis  zu  einennt
Dutzend  Kriegertodesfälle  aus  seinem  Heimatbezirle
  lesen  kann,  lerm  man  so  recht  wieder
schägen  den  Wert  kinderreicher  Familien.  Ze
der  halbwegs  Einsichtige  denkt  mit  banger  Vklemmung
  darüber  nach,  wer  denn  nach  deim
Kriege  an  Stelle  der  zahllosen  Toten  oder  Krun
pel  oder  doch  in  ihrer  Gesundheit  gebrochene!#
Mänmmer  für  das  Gemeinwohl  arbeiten  und  die
zu  den  bihherigen  noch  hinzutretenden  neuer-Lasten
  von  ungcahnier  Höhe  tragen  soll.  Je#
der  wahre  Volksfreund  freut  sich  daher  hei:
lich  bei  der  Kunde  von  der  Ankunft  eines  neuern
Weltbürgers.  Dieses  Glück  war  jüngst  wieder
beschieden  dem  Herrn  Andreas  Sachendacher.
Sattlermeister  in  Reit  i.  W.  Nachdem  vor  ein
paar  Jahren  durch  den  Tod  eines  braven  Mäd
chens  eine  Lücke  in  die  Dutzendzahl  seiner  Kirder
  gerissen,  schloß  sich  jüngst  diese  Lücke  wieder
durch  die  Geburt  eines  kräftigen  Knaben.  Her:
liche  Teilnahme  an  diesem  freudigen  Ereig.
nisse  bekundeten  die  Kameraden  des  seit  August
  1914  im  Felde  stehenden  Vaters,  Unterofft
zier  in  der  1.  Komp.,  6.  Arm.-Bat.,  8.  baper.

es.  Div.  Die  Unteroffiziere  seiner  Kompagnie
übernahmen  die  Patenschaft  und  sammelten  einen
  ansjehnlichen  Betrag  als  Patengeschenk  zur
Anlage  in  einer  Sparkasse  bis  zur  Volljährigkeit
  des  Kindes.  Damit  diese  Patenschaft  auch
äußerlich  sichtbar  in  die  Erscheinung  trete,  ward
eigeno  Sachenbachers  bester  Kamerad,  Unteroffizier
  Hans  Häringer,  sonst  K.  Förster  in  Rei:
i.  W.,  zur  Tause  in  die  Heimat  beurlaubt;  seit
Begim  des  Krieges  standen  die  beiden  gemeinsam
  im  naämlichen  Truppenteil  unter  den  Wafsfen.
  Moge  der  kleine  Rudolf,  benannt  nach  dem
Kompagnie-Feldwebel,  wachsen  und  gedeihen  zur
Ehre  des  Vaterlandes  und  der  Kriegspaten?!

Oelssammeistelle  des  Nolen  RKrenzes
Nathaus,  Zimmer  Nr.  16.
Die  dreihunderisie  Kiste  mit  Liebes.

Auch  in  den  letzten  zwei  Monaten  des  neuen
Jahres  nuurden  uns  wieder  Geldgeschenle  und
Liebeogaben  für  unsere  Soldatenpakete  an  die
From  von  gutherzig  gesinnten  Rosenheimern
ubergeben.  Auf  diese  Weise  war  cs  moglich.
wieder  nach  und  nach  Einzelsvalele  mit  dem  von
den  Soldaten  so  sehr  gewünschten  Inhalt  zu
sammenuflellen.  Infolgedessen  konnen  in  dieser
Woche  50  Stuüt  solcher  „Nosenheimer  Liebes
gabenpackerln“  in  Sädchen  verpackt,  Wert  à
Mark.  als  dreihundertste  Kifste  abgehen.  Daß
diese  Kisie  beim  Auspacden  unseren  Soldaten
große  Freude  dereiten  wird.  dessen  sind  mir
sicher.  Beweist  sie  doch  nrit  ihrem  schönen  Inhalt
  den  Dank  der  Rosenheimer,  den  wir  un
leren  lapferen  Truppen  so  sehr  schuldig  sind.
Unsere  Vorräte  sind  nunmehr  wieder  ausge
lraucht,  und  möchten  wir  deshalb  um  weitere
Liebesgaben  bitten.  uie  Socken,  Handtücher.
Taschentucher.  Einlegesohlen,  Bursten.  Hosen
träger.  Messer,  Briefpapier,  Bleistift,  Noliz
lücher,  Mundharmonika,  Spielkarten,  Lesestot.
kleine  Spiele,  Schotolade,  Zucker,  getrodneier.
O#n,  Erfrischungsbonborts,  Suppenwürfel;  jede
auch  die  kleinste  Gabe  wird  dankbarst  entgegen.
genommen.

 

ger.

Lichispiele  Helios.  Im  Hotel  „Deu:
scher  Kaiser“  gelangt  Samstag  und  Sonnia:
das  große  Filmmeisterwerk  in  3  Akten  „Der
Eremi“  zur  Vorführung.  Dieses  große  Zugstuck
aller  deutschen  Lichtspieltheater  it  mit  herr
lichen  Musikeinlagen,  die  ganz  der  Handlung
angepaßt  sind,  ausgestattet.  Der  musikalische
Teil  wird  vom  hiesigen  Kunftler-  Trio  ausge
fuhrt.  Erstllassige  Nebennummern  und  der
neueste  Kriegswochenbericht  sind  dem  Programnc
  beigegeben.

 

Wetterbericht  für  Sonmtag,  den  27.  Februar:
Mild,  stellenweise  Niederschläge.