Immob.-Verträge. Gerichtl. Verlautb. Fränk. R. 201
Beklagte hält die Klage deßhalb für unbegründet,
weil der Kaufvertrag vom 5. April 1854,
dessen Verlautbarung verlangt wird, zu seiner Gültigkeit
nach Vorschrift bestehender Fürstlich Würz-,
burgischer Verordnungen der Ausfertigung bei der
Steuerbehörde oder bei dem Notariate bedurft hätte.
Diese Verordnungen, welchen, wie schon in der
Vorinstanz gezeigt, hauptsächlich eine finanzielle
Tendenz zu Grunde lag, scheinen schon in früheren
Zeiten nie mit derartiger civilrechtlicher Wirksamkeit
gehandhabt worden zu sein, daß wegen ihrer Außerachtlassung
ein Vertrag über liegende Güter für null
und nichtig erachtet worden wäre.
Der klassische Schriftsteller über Würzburger
Landrecht Sehneidt sagt in den element. jur.
francon. S. CLXVI (Wirceb. 1771. pag. 182),
daß in Franken die Verlautbarung eines Vertrages
über liegende Güter keineswegs zu dessen Gültigkeit,
sondern nur zur Sicherheit der Kontrahenten erforderlich
sei, und daß jene Verordnungen, wovon nur
jene vom Jahre 1730, die blos lehenbare Güter im
Auge habe, von Nullität spreche, niemals in's Leben
getreten zu sein scheinen.
Jedenfalls müssen jene Verordnungen gegenwärtig
bei gänzlich geänderten Finanz= und Steuer-Verhältnissen
für obsolet erachtet werden. Jene
Steuerbehörden, bei welchen die Ausfertigung erfolgen
sollte, bestehen gar nicht mehr, und neuere
Gesetze, namentlich das Grundsteuergesetz vom 15. August
1828 und das Taxgesetz vom 28. Mai 1852
schreiben die aus finanziellen Rücksichten zu beobachtenden
Formalitäten vor, ohne eine eivilrechtliche
Nullität auszusprechen 1).
Der Beklagte hält die auf Verlautbarung des
1) Vgl. Bd. 21 S. 161 f. S. auch Schelhaß, Darstellung
d. heut. Würzb. LM. g. 115 Anm. 1 u. 2.