Volltext : Archiv für öffentliches Recht.Dreizehnter Band. (13)

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der  Absicht  ihres  Urhebers  auf  alle  Betheiligten  gleichmässig  erstrecken.
  Für  sie  bildet  die  Familie  keinen  abgeschlossenen
Kreis  und  hat  daher  auch  nicht  die  Fähigkeit  zur  Rechtserzeugung.
Soweit  hiernach  ein  Gewohnheitsrecht  innerhalb  der  Familie  begrifflich
  möglich  ist,  ist  es  doch  nach  unserer  positiven  Rechtsordnung
  für  alle  nicht  zum  hohen  Adel  gehörenden  Familien
ausgeschlossen®®,  Das  ist  nirgends  ausdrücklich  ausgesprochen,
darf  aber  mit  Sicherheit  daraus  gefolgert  werden,  dass  die  Autonomie
  unter  den  heutigen  Verhältnissen  ein  Privilegium  bildet.
Es  ist  auch  nicht  anzunehmen,  dass  sich  diese  Einschränkung
(wie  in  dem  in  Anm.  38  angeführten  Beispiele)  nur  auf  den  Erlass
von  Hausgesetzen  beziehe.  Würde  der  Staat  ganz  allgemein
die  Entstehung  von  Gewohnheitsrecht  für  diese  kleinsten  Kreise
freigeben,  so  würde  auf  dem  Gebiete  des  Familien-  und  Erbrechts
eine  für  den  allgemeinen  Verkehr  ganz  unerträgliche  Zersplitterung
eintreten.  Das  Gemeinwesen  kann  jene  daher  nicht  dulden  und
verbietet  sie  stillschweigend.  Soweit  die  besonderen  Verhältnisse
der  Einzelnen  Berücksichtigung  verdienen,  ist  durch  die  Gestattung
  von  Eheverträgen  und  Testamenten  ausreichend  Fürsorge
getroffen.

Von  diesem  Standpunkte  aus  wird  man  zu  einer  Untersuchung
darüber  gedrängt,  welches  der  kleinste  Kreis  ist,  in  dem  Gewohnheitsrecht
  entstehen  kann.  Die  Gesetzgebung  beschränkt
sich  bekanntlich  nicht  darauf,  Grundsätze  aufzustellen,  die  alle
Verhältnisse  einer  bestimmten  Gattung  ordnen  sollen,  sondern
gibt  in  den  Privilegien  Vorschriften,  die  nur  für  wenige  einzelne
Menschen  gelten  sollen.  Etwas  Aehnliches  ist  dem  Gewohnheitsrechte
  nur  in  sehr  beschränktem  Masse  möglich.  Denn  es  erfordert
  begrifflich  eine  Mehrheit  von  Uebungshandlungen;  haben

3%  Derselben  Ansicht  ist  das  Oberappellationsgericht  Celle  (1858)  in
SEUFFERT’s  Archiv  Bd.  XIV  No.  3  (es  handelte  sich  um  die  Frage,  ob
die  gemeinrechtliche  Lehnsfolgeordnung  iu  einer  vasallitischen  Familie
durch  Herkommen  geändert  werden  könne).