Full text : Das Civil-Medizinal-Wesen im Königreiche Bayern. 3. Band. Die Medizinalpolizei (Fortsetzung). (3)

92

noch  besser,  Mund  auf  Mund  gelegt,  indem  man  die  Nase  des
Ertrunkenen  so  lange  zuhält,  bis  sich  die  Brust  hebt.  Sobald
dieses  geschehen,  läßt  man  mit  Einblasen  nach,  die  Nase  wird
auch  freigelassen,  und  dabei  die  Brust  gedrückt,  daß  die  eingeblasene
  Luft  wieder  aus  den  Lungen  herausgeht.  Hernach  wird
wiederum  eingeblasen,  und  damit,  wie  bei  dem  natürlichen
Athemholen,  abgewechselt,  bis  entweder  etwas  Bewegung  im
Pulse  oder  am  Herzen  verspürt  wird,  oder  auch  alle  Hilfe  vergeblich
  ist.  Während  des  Lufteinblasens  streicht  Einer  den  Körper
  vom  Unterleib  gegen  die  linke  Seite  der  Brust  hin;  ein
Anderer  gibt  dem  Ertrunkenen  von  halben  zu  halben  Stunden
ein  Klystier  von  lauwarmem  Wasser  und  ein  Dritter  wiederum
bespritzt  die  entblöste  Herzgrube  oft  mit  kaltem  Wasser  oder
läßt  es  tropfenweise,  so  hoch  es  angeht,  auf  die  Herzgrube
langsam  herabfallen.  Man  kann  auch  wollenes  Zeug  in  eine
lauwarme  Abkechung  von  Camillen,  Krausemünze  oder  Melissen
getaucht,  öfters  um  Arme  und  Füße  schlagen,  wenn  sie  sich
nicht  erwärmen  wollen,  und  überhaupt  den  ganzen  Körper  mit
einer  in  Oel  getauchten,  weichen  Bürste  fortwährend  bürsten.
Ist  eine  Electrisirmaschine  in  der  Nähe,  so  kann  man  ganz  gelinde
  Schläge  vorne  von  der  böten  Rippe  der  rechten  Seite  bis
zur  7ten  der  linken  Seite  hingehen  lassen,  und  sie  von  5  zu  5
Minuten  wiederholen.  An  die  Fußsohlen  legt  man  erwärmte
Ziegel  und  auf  den  Bauch  Säckchen  mit  warmer  Asche  gefüllt
Bemerkt  man  während  dieser  Behandlung  einige  Spuren  des
wiederkehrenden  Lebens  darin,  daß  die  Lippen  sich  etwas  röthen,
daß  sich  Schaum  vor  dem  Munde  zeigt,  daß  im  Purlse  einige
Bewegung  entsteht,  daß  der  Einblasende  in  den  Lungen  etwas
Widerstand  verspürt  und  daß  um  einen  in  den  Mastdarm  des
Ertrunkenen  gebrachten  Finger  einiges  Zusammenziehen  gefühlt
wird  oder  entstehen  deutliche  Kennzeichen  des  Lebens,  z.  B.
Zuckungen  im  Gesichte  oder  andern  Theilen,  insbesondere  an
Augenlidern  und  Mund,  wirkliche  Bewegung  des  Herzens,
einiges  Athmen  und  Kollern  in  den  Gedärmen,  so  fährt  man
mit  obigen  Mitteln  fort,  veranstaltet  noch  dabei  ein  mäßiges
Reiben  der  Fußsohlen,  des  Unterleibes  und  der  Herzgrube  mit
warmen  Flanell-Lappen,  und  gibt  Klystiere  von  Camillen  oder
Fliederthee,  in  welchen  2  Loth  Kochsalz  aufgelöst  sind,  oder
von  3  Theilen  Wasser  und  1  Theile  Essig.  Das  Einblasen  der
Luft  muß  aber  desto  seltener  geschehen,  jemehr  der  Ertrunkene