Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

636  Oberpfalz  u.  Regensburg.

jedoch  vom  Landgerichte  Hirschberg  abgewiesen  wurde.  Die  Vogtei  über  den
Liebenstein  übertrug  das  Kloster  (1347,  11.  Juli)  den  beiden  Ruprechten  von
der  Pfalz.  Kurz  vor  dasselbe  unter  pfälzische  Administration  kam,  hatte  es  diese
Veste  den  Hertenbergern  gegen  eine  beträchtliche  Summe  in  Pflege  gegeben,
woran  diese  (1532,  3.  Nov.)  936  Gulden  rheinisch  quittirten.)

Auch  das  Dorf  Wondreb,  hoch  im  Norden  unseres  Gerichtes,  war
ehemals  Sitz  eines  Waldsassen'schen  Richteramtes.  K.  Heinrich  hatte  (1227,
15.  März)  an  dies  Stift  das  Patronatsrecht  der  Pfarrei  Wondreb  geschenkt
und  König  Konradin  vermachte  ebendahin  (1259,  15.  Juni)  die  Dörfer  Wondreb
  und  Beidel,  welche  Schenkung  Rudolph  von  Habsburg  (1283,  15.  Juli)
bestätigte.  Erzbischof  Heinrich  von  Mainz  gab  (1286,  2.  Nov.)  seinen  Willebrief
  zu  Verleihung  des  oben  berührten  Patronatsrechtes,  worauf  die  Pfarrei
dem  Stifte  incorporirt  wurde.  Einen  reichslehenbaren  Hof  daselbst  erwarb
  dieses  von  Claus  zum  Störnstein  (1390,  6.  März)  und  den  Zehenten

(1394,  25.  Mai)  von  Peter  Schuler,  Bürger  zu  Tirschenreuth,  und  dessen
Freunden.)

1)  Die  Vogtei  über  Stein  und  die  dazu  gehörigen  Dörfer  batte  Konrad  von  Neiperch
  den  Vögten  von  Plauen  aufgesendet,  die  sie  dem  Kloster  Waldsassen  eigneten
  (1301,  28.  Ang.).  Später  (1341,  22.  Juli)  verzichteten  die  Vögte  auch  auf
das  Halsgericht  und  den  Wildbann  daselbst.  Die  Kirche  in  Hohenstein  (S.  568)
gab  Bischof  Kuno  von  Regensburg  (1183,  11.  Juni)  dem  Kloster  Reichenbach
als  Ersatz  für  das  von  Diebold  von  Vohburg  an  Waldsassen  geschenkte  Frauenreuth;
  Papst  Gregor  IX.  trennte  sie  (1238,  2.  Mai)  gänzlich  von  der  Pfarrei
Wondreb.  Der  Zehent  daselbst  wurde  (1259)  durch  die  Vögte  von  Straßberg  an
Waldsassen  überlassen.  Die  Vegtei  erhielt  (1129)  Wilhelm  Paulsdorfer  auf  sechs
Jahre  und  (14112)  verkaufte  Neichenbach,  wie  wir  schon  berichtet  haben,  die
Probstei  Hohenstein  mit  den  Dörfern  Kenreutb,  Diebersreuth,  Frauenreuth  und
Brunn,  dem  Fidelhef  u.  s.  w.  an  Waldsassen  um  1800  Gulden.  Durch  Vergleich
  vom  1.  Angust  1516  wurde  der  Kurpfalz  hierauf  das  Halsgericht  zuerkannt
  und  der  Pflege  Bernan  zugetheilt.  In  Konrenth  „nächst  dem  Teich  bei
Tirschenreuth“,  (Kleinkonreuth)  erhielt  Waldsassen  (1302)  durch  Landrath
Ulrich  von  Leuchtenberg  den  Zehent  über  2  Höfe,  auf  den  schon  1273  eine  edle
Frau  Bertha  verzichtet  hatte,  dann  von  den  Gebrüdern  von  Kunigswartb  (1305)
und  von  Johann  Grille  Bürger  in  Eger  (1333)  einige  Güter,  endlich  (1355)
von  Jakob  Gleißentlaler  anderthalb  Höfe,  eine  Herberge  und  die  Müble  nebst
der  Erbvogtei  darüber.

2)  In  den  angezogenen  Schriften  von  Wittmann  und  Brenner  finden  sich  über  die
einzelnen  Orte  der  Gerichte  Tirschenreuth,  Vobenstrauß  und  Waldsassen  die
schätzenswerthesten  Nachrichten,  weßhalb  wir  auf  sie  verweisen.