282 Neuere oberſtrihterlihe Erkenntniſſe.
des jus positivum wohl Räthen, Profeſſoren u. [. w.,
nicht aber Bürgern und Bauern zumuthen könne,
während der Berufungsrichter den Einwand des S.,
er habe die Anerkennung mit Zahlungs8verſprechen
(Urkunde v. 4. Januar 1877) aus dem entſc<huldbaren
Irrthum abgegeben, .er ſei zur ganzen Schuld
noch verpflichtet, und dieſes error halber ſei jenes
Anerkenntniß und Zahlungsverſprechen rechtlich unwirkſam,
verworfen habe, auf Grund unrichtiger Auslegung
jenes S. 7 a. a. O. annehmend, S. habe
nicht in errore invineibili verſirt, vielmehr bei Abſchluß
des fraglichen Vertrags von den Beſtimmungen
des Verjährungsgeſeßes genügende Wiſſenſchaft
gehabt.
In 8. 6 a. a. O. iſt beſtimmt, das Ret
müſſe öffentlich kundbar gemacht ſein, damit es Jeder
wiſſen unh erfahren könne, und hieraus iſt in
S. 7 gefolgert, daß auch die Unwiſſenheit, welche
durc< gebührenden Fleiß und Aufmerkſamkeit nach
Geſtalt der Perſon und Umſtände wohl vermieden
werden könne und ſolle (ignorantia crassa, affectata
et vineibilis) Niemand verträglich ſein mag,
außer wo es die Rechte Specialiter zulaſſen. Hiezu
erläutern die Anmerkungen, daß ſich aus der in
Codice gemachten Beſchreibung leicht erkennen laſſe,
wie weit Derjenige, welcher jus vel factum ignorire,
in ignorantia vineibili ſei, und fügen nach
Anführung der im Geſeßbe8tezt enthaltenen Merkmale
der ignorantia vinecibilis no&g bei, daß ſowohl
ignorantia juris vel facti bald vincibilis bald
invincibilis ſei. Bezüglich der ighorantia juris
positivi enthalten die Anmerkungen die vom Nichtigfeitöfläger
angeführte Stelle mit dem Beiſaße:
wer will von Bürgern und Bauern 2c, ſoviel Wiſſenſchaft
hierin fordern, ſonderbar, da das jus ſo
operos , weitſchweifig, zweifelhaft und melſtentheils
gar in lateiniſcher Sprache „gefaßt ſei?