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liebte. Schon früh zeigten sich bei dem Prinzen strenge Wahrheitsliebe und
Einfachheit. Einst traf ihn der König im Garten von Sanssouci, erkundigte
sich nach seinen Fortschritten in der französischen Sprache und forderte ihn
auf, eine französische Fabel zu übersetzen. Als dies trefflich gelang, lobte ihn
der König; der Prinz aber erzählte, daß er gerade diese Fabel erst vor
kurzem bei seinem Lehrer übersetzt habe. Da streichelte ihm der König die
Wangen und sprach: „So ist's recht, lieber Fritz! Wolle nie scheinen, was
Du nicht bist; sei stets mehr, als Du scheinst.“ Im Weitergehen fuhr er
fort: „Fritz, werde etwas Tüchtiges! Es wartet Großes auf Dich; Du
wirst einmal einen schweren Stand haben. Wache über unsere Ehre und
unseren Ruhm; begehe keine Ungerechtigkeiten, dulde aber auch keine!“ Der
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Königin Luise. Friedrich Wilhelm III.
(Nach Kügelgens Orig. im Besitz der Stadt Memel.)
Prinz erwuchs zu einem stattlichen Jüngling; seine treuen blauen Augen erweckten
sofort Zutrauen. Seine Mutter lebte in den letzten Jahren von
ihrem Gemahl getrennt; auch der Prinz zog sich schen von dem üppigen
Hofleben zurück und bewahrte sich dadurch sein einfaches, sparsames Wesen
sowie sein kindlich frommes Gemüt. Einst wies er ein Körbchen mit Erdbeeren,
das ihm im Winter angeboten wurde, des hohen Preises wegen
zurück, gleich darauf schenkte er aber einem durch lange Krankheit verarmten
Schuhmacher zwanzig Thaler. Sein Adjutant wurde Major von Köckeritz,
ein Mann von häöchst ehrenwertem Charakter, aber ohne tiefere Bildung, der
nie im Kriege gefochten hatte und nichts so sehr wünschte als Ruhe und
Frieden. Dieselbe Gesinnung beherrschte auch den Kronprinzen. Zwar hatte
er sich in den Kriegen gegen Frankreich und Polen als furchtloser Offizier
bewährt; aber der Anblick der blutigen Schlachtfelder flößte ihm eine unüber-