359 Schlag.
innere Eigenschaften: ein liebenswürdiger schlag von
menschen Wieland Per. Prot. 8; die mebrzahl.
schien von demselben schlage, wie die soldaten, ein
geschlecht alter, harter kriegsgurgeln Freytag Ahnen
5, 5; du zählst doch sonst nicht zu dem schlag der
eiteln und selbstgefälligen Leuthold Ged. 238; in
genitiven Formeln: die officiere alten schlages Häusser
d. Gesch. 3, d22; münner gewöhnlichen schlages Benedix
rel. Stud. 3, 7; leute deines schlags bedarf ich Heyse
20, 259; auch mit verächtlichem Nebensinne: von weibern
dieses schlages zehn schritte weit Wieland Perv.
1, 36; eincr seines schlags, höflich, wie er, glattzungig
und geschmeidig Heyse 10, 13; von Dingen: lieder
alles nur von leichtem schlag Uhland XV; in
festen Formeln: sihe nu, ob nicht Daniel fast auf den
schlag redet, wie Jesaias Luther 8, 1475; die sich auf
den ncuen schlag kleiden Fischart podagr. Trostb. 1150;
was hindert, dasz ich nicht die ungeczähmten thiere
auf glcichen schlag vexierr? Grob Versuchgabe 100;
dasz ungefehr auf diesen schlag das ganze stück übersetzt
ist Lessing Dram. 20, jetzt in Abgang gekommen.
8) schlag im Kauf und Verkauf, der sestgesetzte Preis,
mhd. slac Haltaus: schlag beim kauten und verkaufen
gewisser waaren, als annoch auf dem Nurnbergischen
kälbermark käufer und verkäufer einander
in die hände schlagen Frisch; weil der satz oder der
schlag seincs kaufschillings aufs ende gekommen war
(er den niedrigsten Preis bezahlt hatte) Simpl. 3, 115;
wein- und fruchtschlag Hebel 3, 48; noch oberdeutsch.
9) schlag, von zuschlagenden, zufallenden Dingen; in
älterer Spr. sperrender Balken, und. dat slach D. Städtechr.
16, 193; den schlag herunter lassen, vemissoriumveckhen
sublrahere Steinbach, später und jetzt gewöhnlich
schlagbaum (l. d.); Sperre an dem Weichbilde oder statt
des Thors der Städte: Franz von Sickingen hült vor
dem schlag Goethe Götz 4; in Dresden haben die vorstädte
keine thorc, sondern nur schläge Adelung;
Thüre einer Kutsche: schlag, der eingang in einc lundkutsche,
staticula Steinbach; jetzo öffnet’ cr des
wagens schlag Schefsel Tromp. 262; als. lder
schlag zugeworfen wurde Heyse Par. 3, 172; Kutschseite
wo der Schlag ist: als ich mich aus dem schlage
bog Keller Werle ĩ, 131; Behälter für Tauben, taubenschlug,
vgl. auch verschlag: junge täublein. dic sich
erst aus dem sichern schlage wagen Grob Versuchgabe
99; ein flug tauben .. drüngte sich um den schlag
Keller Werle 1, 177; Falle zum Fangen kleinerer Vögel.
10) mannigfach in gewerblicher Spr.; im Forstwesen
Abholzung eines Platzes, und Platz, der abgeholzt wird:
schlag, syvu cued#td. ubi arbores osz#nt ccedf et
ubi renascuntur Frisch; in regelmüszige schonungen
und schläge getheilt Freytag Bild. 1,3; in jenem
schlag mussen sic (die Hunde) ein häschen aufthun
Keller Werke t, 195; in der Landwirtschaft schlag von
einer Reihe neben einander liegender Acker; auch sonst
von Früchten in ganzen Abteilungen: der knahe im
erdbecrschlag Hebel 1, 178; im Bergbau nach Tyroler
und ungarischem Sprachgebrauch — Stollen Jacobsson;
im Deichbau, große zu unterhaltende Strecke Deiches,
deichschlag, auch das von einem Ufer kleinerer Flüsse
hinausgelegte Baum= oder Strauchwerk; bei Schissern
der Weg den das Schiff in einer Steuerung zum Lavieren
dicht am Winde macht, ehe es anders slieuert; bei Steinmetzen
der schmale ebene Streif, der zu Anfang auf
einer Fläche des Quadersteins gehanen wird; bei Tuchbereitern
das Zeng in einer gewissen Zeit des Bearbeitens;
am Tuchrahmen jedes Fach von einer Säule
bis zur andern; bei Webern schlag der Lade an den
Einschußfaden, damit das Gewebe dicht werde; bei
Schmieden, Abfall auf oder vor dem Amboß, pgl.
hammerschlag; im Wegebau klein geschlagenes Steinwerk,
steinschlag; bei Fleischern der Kunstgriff beim
Schlagader — Schlagreim. 360
Schlachten eines Tieres, rindschlag, durch den ein Rind
betäubt wird, der kleine schlag für Kleinvieh Frisch;
bei Feuerwerlern schlag die Ladung Pulver, die in die
Rakete kommt; bei der Artillerie langes eisernes unten
zugespitztes Röhrchen zum Einlegen in Feuerwerkslörper;
bei Glockengießern der Kranz der Glocke, an den der
Klöppel schlägt; bei Winzern Graben zum Aufsangen
des abschießenden Wassers; Fischer nennen schlag den
Schwanz der Fische, Jäger die Wunde, die ein wildes
Schwein schlägt, auch die Spur, Fährte Schmeller;
vgl. hufschlag: in der Meßkunst schlöge, die Längenmaße
einer halben Rute, womit man beim Messen umzuschlagen
pflegt Jacobsson; im Berettspiel schlag
der Zug, womit man einen Stein des Gegners schlägt:
billigte des andern seincn schlag Gellert Fab.
2, 11; u. a. — Zusammensetzungen: Schlagader, (.
Pulsader; bildlich: die . beiden groszen schlagadern
unseres gesellschaftlichen organismus (Landwirtschaft
und Industrie! Bismarck Red. 13, 260. — Schlagaufall,
m. Anfall der Krankheit des Schlags. — Schlagball,
m. Ball der durch Schlag empor getrieben wird. —
Schlagbalsam, m. Balsam gegen die Kranlheit des
Schlags Zesen Rof. 25. — Schlagbaum, m. Sperre
durch einen Baum oder Ballen, vgl. schlsg 9; kein
schlagbaum sei zu hoch, . spring rasch daruber
Göckingk Lieder zweier Lieb. 111; vor einer Brücke:
eh ich . den schlagbaum aufziche Keller Sinnged.
Il; an Landes= und Weichbildgrenzen: idaß) in Ruszland
dic grenzen und die schlagbäume gebllnet
würcken Bismarck Red. 9, 107; bildlich: dasz durch
die ablehnung der unrichtige weg, auf dem dic staatsregierung
gegangen ist, mit einem schlagbaum geschlossen
ist 13, 107; — zuschlagender Baum, Balken
au Fallen für Raubtiere. — Schlagbolzeu, m. Volzen
im Hinterlader, der durch Aufschlagen die Patrone zur
Entzündung bringt Instruct. 13. — Schlagbrücke, (.
Zugbrücke. — Schlägc-, Schlagschatz, m. Abgabe, Gebühr
für den Münzschlag. — schlägefaul, saul, uneimnpfindlich
gegen Schläge: ein mensch, der ofters wird
mit prugeln übergangen, wird endlich schlägelaul
Opitz 3, 313. — schlagsähig, fähig einen Schlag zu
führen: nachdem dieschbe (Armee) wieder schlaglahig
geworden Moltlke 3, 266. — Schlagseder, f. Feder,
die beim Flügelschlag der Vögel thätig ist, Schwungseder;
Feder in einem Gewebrschloß, die den Schlag
bewirkt, in einer Uhr an Stelle der Schlagglocke, u. a.
— schlagsertig, fertig einen Schlag zu thun, bei Campe
als neues Wort: dir ist aulgegeben, hier zu halten
schlagfertig mit der reiterei Hv Kleist Prinz v. Homb.
2, 2; obgleich auch Frankreich damals kein schlagfertiges
heer besasz Treitschle 1, 521; übertragen:
cin so schlagfertiges redewerk Keller Sinnged. 490;
das kleine schlagfertige wääckchen Nachl. d7; dazn
Schlagserkigkeit, f.: sobald ihre (der Truppen) schlag-(ertigkeit
bergestellt sci Moltke 3, 214. — Schlagfluß,
m. Krankheit des Schlages, als Fluß (s. d. 2) genommen:
am schlagflusse stcrben, apopleria nerire
Steinbach; ein schlagflusz hatte ihn geruhrt Grabbe
!, 41. — Schlaggewicht, n. Gewicht das den Schlag
einer Uhr bewirkt. — Schlaggold, n. Flittergold. —
Schlagholz, n. Holz einen Schlag zu führen, Gerät verschiedener
Handwerker; im Forstwesen Holz, das für
den Schlag reis ist, auch Unterholz. — Schlaglicht, n.
in der Malerei schars hervortretendes Licht Adelung;
frei: vom schlaglicht des morgens geleitet Keller
Nachlaß 39. — Schlaglot, n., mhd. slagelot. in älterer
Spr. bestimmtes Gewicht, was der Schlag einer Münze
enthalten muß; später Masse zum Löten. — Schlagregen,
m. hestiger Regen in großen Tropfen. — Schlagreim,
m. Gleichklang mehrerer Wörter in derselben Verszeile
unabhängig vom Endreime; bei Schottel in
anderem Sinne: einen schlagreim wann nemlich