380 Drittes Buch. Die Rettung der Zukunft.
waren seine Jünglingsjahre: ihnen entstammt die trübe, sorgen—
volle, zu resigniertem Dulden geneigte Denkweise, der schwer—
mütig fatalistische Hauch, der im Gegensatz zu der später durch—
brechenden resoluten Thatkraft des Großen Kurfürsten Anfänge
mit einem fast melancholischen Zwielicht umdämmert. Auch ist
er dieses Zuges nie ganz Herr geworden: er war ihm tief aufund
eingeprägt durch eine Jugend, in der siete Bedrohung,
qulende Beargwöhnung, verletzende Zurücksetzung und infolge
davon menschenscheue Vereinsamung sein Gemüt zu verdüstern,
seinen Glauben an die Menschen zu untergraben und sein Vertrauen
zu sich selbst zu ersticken drohten. Diese psychologischen
Momente müssen auch bei der Beurteilung seines politischen
Handelns berücksichtigt werden: sie erst machen seine mühsamen
und sorgenvollen Anfänge recht verständlich, das scheue Tasten,
das zweifelnde Vorgehen, das ängstliche Rechnen mit entgegengesetzten
Möglichkeiten. Sie erklären, wie der fast wider Erwarten
gewonnene Erfolg ihn mit der Vorstellung erfüllte, daß
die Gnade Gottes in besonderem Maße mit ihm sei, daß er,
durch solche Heimsuchung glücklich hindurchgegangen, alle Zeit
des gleichen himmlischen Schutzes gewiß sei und als ein zu
Großem berufenes Rüstzeug Gottes seinen Feinden nicht erliegen
könne. Hier entsprang auch der Glaube an den Beruf
seines Staateo: mit ihm hat er seine Unterthanen erfüllt und
ihn so zu einem wichtigen moralischen Faktor gemacht in der
Bildung erst und dann in der Entwickelung des preußischen
Volks.
Am 0. Februar 1020 zu Kölln an der Spree geboren,
wurde schon der Säugling von den Stürmen der Zeit berührt:
seine Taufe verzögerte sich, weil der Vater fern in Preußen
war, mehr noch, weil die Mittel zu den üblichen Festlichkeiten
fehlten und der Krieg die Auswahl der fürstlichen Paten erschwerte.
Noch lag er ungetauft, als im Juni 1620 die Berliner
sich gegen den Durchmarsch der Engländer lärmend erhoben
(S. 328): ihr wüstes Trommeln und Schießen beunruhigte
das Kind und veranlaßte Beschwerden seiner Mutter
und Großmutter. Endlich am 30. Juli (9. August) empfing
er die Taufe: die Paten waren ausschließlich Damen des