Full text : Unser Preußen.

1.  Die  Errichtung  des  Deutschen  Reichs  durch  Kaiser  Wilhelm  den  Großen.  271

Vorschlägen  vom  10.  Juni  zustimmen  wollten.  Alle  drei  lehnten  ab,  und
schon  am  16.  rückten  preußische  Truppen  in  jene  Staaten  ein.  Der  König
von  Sachsen  führte  sein  Heer  rechtzeitig  nach  Böhmen,  der  Kurfürst  von
Hessen  wurde  in  Kassel  gefangen  genommen,  seine  Truppen  jedoch  entkamen.
  König  Georg  V.  von  Hannover  eilte  mit  den  schleunigst  zusammengerafften
  Truppen  über  Göttingen  nach  Thüringen,  um  sich  mit  den  Bayern
zu  vereinigen;  aber  bei  Langensalza  verlegte  ihm  General  v.  Flies  den
Weg.  Auf  beiden  Seiten  wurde  (27.  Juni)  mit  großer  Tapferkeit  gestritten,  doch
mußten  die  9000  Preußen  sich
vor  dem  doppelt  so  starken  Gegner
zurückziehen.  In  der  Nacht  aber
erhielt  das  preußische  Korps  so
große  Verstärkung,  daß  den
Hannoveranern  nichts  anderes
übrig  blieb,  als  die  Waffen  zu
strecken.  Die  Truppen  wurden
nach  Ablieferung  ihrer  Waffen
in  die  Heimat  entlassen;  König
Georg  ging  mit  dem  Kronprinzen
nach  Wien.  «
Die  Osterreicher  hatten  ihre
Hauptmacht  in  Böhmen  aufgestellt,
  im  ganzen  etwa  240000
Mann,  zu  denen  noch  25000
Sachsen  kamen.  Den  Oberbefehl
führte  der  General-Feldzenugmeister
  Benedek,  Osterreichs
bester  Feldherr.  Ein  kleines
österreichisches  Heer  unter  Erz-  Herwarth  von  Bittenfeld.
herzog  Albrecht  stand  in  Venetien.
  König  Wilhelm  bestimmte  nur  48000  Mann  unter  dem  Oberbefehl
des  Generals  Vogel  von  Falckenstein  zum  Kampf  gegen  die  mehr  als
doppelt  so  starke  Armee  der  Mittelstaaten;  die  übrigen  255000  Mann
sollten  den  Kampf  gegen  Osterreich  aufnehmen  und  waren  in  drei  Heeren
aufgestellt.  Die  I.  Armee  (100000  Mann)  stand  unter  Prinz  Friedrich
Karl  in  der  Lausitz,  die  II.  (116000  Mann)  unter  dem  Kronprinzen
Friedrich  Wilhelm  in  Schlesien,  die  III.,  die  „Elbarmee“  (40000  Mann),
unter  Herwarth  v.  Bittenfeld  an  der  Nordgrenze  Sachsens;  alle  drei
sollten  sich  bei  Gitschin  in  Böhmen  vereinigen.  Sachsen  ward  von  der  ersten
und  von  der  Elbarmee  rasch  besetzt,  und  beide  drangen  dann  in  Böhmen
ein;  denn  die  Osterreicher  hatten  die  Gebirgspässe  nicht  gesperrt,  sondern  sich
an  der  Iser  aufgestellt.  Nach  kurzen  erfolgreichen  Gefechten  der  Elbarmee
bei  Hühnerwasser  sowie  der  ersten  Armee  bei  Liebenau  und  Podol  vereinigten
  sich  beide  Armeen  und  kämpften  dann  unter  dem  Oberbefehle  des
Prinzen  Friedrich  Karl  siegreich  bei  Münchengrätz  und  Gitschin  (29.  Juni).
Sie  hatten  damit  vorläufig  ihr  Ziel  erreicht  und  konnten  nach  der  großen