Full text : Unser Preußen.

24  Erster  Zeitraum.

seines  Vaters,  aber  neben  einer  starken  Willenskraft  maßvolle  Besonnenheit;
dreimal  schlug  er  eine  Königskrone  aus,  einmal  die  polnische  und  zweimal
die  böhmische,  um  sich  nicht  in  unabsehbare  Verwickelungen  einzulassen.
Meistens  war  er  still,  in  sich  gekehrt,  leicht  zur  Schwermut  geneigt;  seine
Frömmigkeit  bethätigte  er  durch  eine  Wallfahrt  nach  dem  heiligen  Lande,
durch  Stiftung  eines  Domes  zu  Kölln  an  der  Spree  und  des  Schwanenordens,
  dem  nur  Adlige  augehörten,  die  sich  zu  einem  untadeligen,  christlichen
  Leben  verpflichteten.  Verstimmt  durch  den  ungünstigen  Ausgang  des
Kampfes  mit  Pommern  sowie  durch  die  von  den  Slaven  drohende  Gefahr
und  gebrochen  durch  den  Tod  seines  letzten  Sohnes,  trat  er  die  Marken  1470
seinem  Bruder  Albrecht  ab  und  zog  sich  nach  Franken  zurück,  wo  er  schon
im  folgenden  Jahre  starb.  Er  ward  in  Heilsbronn  beigesetzt.

Albrecht  Achilles  (1470—1486)  verdankt  diesen  Beinamen  seiner  Heldenkraft
  und  ungestümen  Tapferkeit.  Niemals  wurde  er  im  Turnier  besiegt.
Auf  einem  einzigen  Turniere
streckte  er,  nur  mit  einem
seidenen  Hemde  bekleidet  und
mit  Schild  und  Schwert
bewaffnet,  siebzehn  tapfere
Gegner  in  den  Sand.  Noch
lieber  ritt  er  zum  blutigen
Ernst.  Auf  100  Schlachtfeldern
  soll  er  gefochten  haben,
allein  den  Nürnbergern  lieferte
er  in  einem  Jahre  neun  Treffen.
Einmal  bahnte  er  sich  eine
blutige  Gasse  mitten  durch
800  Nürnberger,  ergriff  mit
beiden  Händen  die  Fahne  der
,"-·»  Feinde,  und  obgleich  die

——  Schwerthiebe  von  allen  Seiten

Albrecht  Achilles.  auf  seinen  Panzer  und  Helm

niederregneten,  ließ  er  nicht

los,  bis  die  Seinen  ihn  herausgehauen  hatten.  Bei  der  Belagerung  einer  Stadt
war  er  der  Erste  auf  der  Mauer,  sprang  dann  von  derselben  hinab  mitten  unter
500  Feinde  und  wehrte  sich  so  lange,  bis  die  Seinen  ihn  befreiten.  Seine
Burg  war  weit  und  breit  berühmt;  nirgends  gab  es  so  glänzende  Feste  wie
dort,  nirgends  so  tapfere  Ritter  und  so  schön  geschmückte  Frauen;  die  Edelknaben
  gingen  in  rotseidenen  Kleidern,  und  selbst  die  Reitpferde  waren  mit
rotem  Samt  bedeckt.  So  war  Albrecht  die  Zierde  des  Ritterstandes  und
schon  vor  seiner  Erhebung  zum  Kurfürsten  das  Haupt  der  deutschen  Fürsten.
Er  überragte  sie  auch  durch  staatsmännischen  Weitblick;  denn  er  war  der
Meinung,  daß  man  das  kaiserliche  Ansehen  stärken  müsse,  und  er  handelte
auch  danach,  so  daß  man  ihm  den  damals  unerhörten  Vorwurf  machte,  er
stelle  das  Wohl  des  Reiches  höher  als  das  seiner  eigenen  Länder.  Jedenfalls
fand  der  schwache  Kaiser  Friedrich  III.  (1439—1493)  an  ihm  seinen  stärksten

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