306 Dritter Zeitraum.
und die französische Regierung befahl dem tapferen Verteidiger von Belfort,
die Festung, die ihrem Fall nahe war, zu räumen. Am 18. Februar wurde
sie von den Deutschen besetzt.
Friede.
Damit war der Kampf zu Ende. Als am 12. Februar die aus freien
Wahlen hervorgegangene Nationalversammlung in Bordeaux zusammentrat,
wünschte die Mehrheit derselben den Frieden. Gambetta war schon
vorher zurückgetreten, und der an die Spitze der Staatsleitung berufene
Thiers bemühte sich, den Abschluß des Friedeus unter den von König
Wilhelm gestellten Bedingungen möglichst zu beschleunigen. Der König bestand
bei Festsetzung der Friedensbestimmungen darauf, daß bis zu 30000 Mann
deutscher Truppen einen bestimmt abgegrenzten Teil der Stadt Paris
besetzen sollten. Am 1. März rückten sie ein. Auch der Kaiser, der Kronprinz,
Bismarck, Moltke und viele andere hohe Offiziere besuchten die Stadt;
am Abend des 2. durchhallte ein von sämtlichen Musikkorps ausgeführter
großartiger Zapfenstreich die Stadt. Da am selben Tage die Nachricht von
der Unterzeichnung des Friedens eintraf, verließen die deutschen Truppen
am folgenden Morgen die Stadt wieder, wobei sie unter dem Triumphbogen
durchzogen. «
Schon am 1. März war der vorläufige Friede unterzeichnet worden.
In demselben trat Frankreich das Elsaß, doch ohne Belfort, ferner den
deutschredenden Teil von Lothringen mit Metz an Deutschland ab und ver—
pflichtete sich, binnen drei Jahren fünf Milliarden Frank Kriegsentschädigung
zu zahlen. Bis zur völligen Abtragung dieser Summe (September 1873)
blieb eine Besatzungsarmee unter Manteuffels Oberbefehl in Frankreich zurück.
Dieser vorläufige Friede wurde durch den endgültigen Friedensschluß zu
Frankfurt a. M. am 10. Mai 1871 bestätigt.
Kaiser Wilhelm war nach einem herzlich dankenden Abschiedsworte an
die Armee sowie an die Vereine zur Pflege der Krieger über Metz bereits
nach Deutschland zurückgekehrt. In Saarbrücken überreichte ihm die dankbare
Rheinprovinz einen goldenen Lorbeerkranz; seine Reise nach Berlin, wo er
kurz vor. seinem Geburtstage eintraf, glich einem Triumphzuge. Der greise
Held hatte die Anstrengungen des Krieges gut überstanden und trotz aller
Unruhe und vielseitiger Beschäftigung noch Zeit gefunden, seiner Gemahlin
nicht nur durch Telegramme, sondern auch durch regelmäßig, fast täglich abgesandte
Briefe Nachricht zu geben. Bald kehrten auch die siegreichen Truppen
heim, überall mit Jubel empfangen und mit Kränzen überschüttet; am lautesten
aber war der Jubel, als am 16. Juni die Garde und Vertreter des gesamten
übrigen deutschen Heeres durch das Brandenburger Thor in Berlin
einzogen. Voran ritten die ruhmgekrönten Feldherren; dann kamen Bismarck,
Moltke, der an diesem Tage zum Feldmarschall erhoben wurde, und Noon,
darauf der Kaiser, dem der Kronprinz, Prinz Friedrich Karl, Prinz Wilhelm
und mehrere deutsche Fürsten folgten. Auf dem Pariser Platze nahm der
Kaiser von Ehrenjungfrauen einen Lorbeerkranz mit den Worten entgegen:
„Jch nehme den Dank an, nicht für mich, sondern für die Armec."