Full text : Unser Preußen.

5.  Der  innere  Ausbau.  27

wald  seit  1456.  Leider  hinderte  ein  früher  Tod  den  Kurfürsten  an  der
Erfüllung  seines  Lieblingswunsches.

Johann  Cicero  war  nicht  ein  so  kriegerischer  Fürst  wie  sein  Vater,  aber
eifrig  bemüht,  die  Lage  seines  Landes  zu  verbessern.  Während  der  auswärtigen
  Kriege  und  während  des  Streites  mit  den  Städten  hatte  sich  das
Fehde-=  und  Raubwesen  wieder  hervorgewagt.  Um  zur  Unterdrückung  desselben
von  außen  Ruhe  zu  haben,  schloß  er  mit  dem  unruhigsten  Nachbar,  dem
Pommernherzog,  Frieden,  ja  er  verzichtete  sogar  auf  das  von  seinem  Vater
dem  Gegner  wieder  aufgezwungene  Lehnsverhältnis,  indem  er  sich  mit  dem
Erbrecht  begnügte.  Aber  ihm  ist  die  Unterdrückung  des  Raubwesens  nicht
gelungen.  Er  ist  der  erste  hohenzollernsche  Kurfürst  gewesen,  der  die  Sprache
der  Mark  lernte,  daselbst  seinen  dauernden  Wohnsitz  nahm  und  dort  —  im
Kloster  Lehnin  —  begraben  ist.  Später  wurde  ihm  im  Dom  zu  Berlin  ein
von  dem  berühmten  Nürnberger  Bildhauer  Peter  Vischer  geschaffenes  Denkmal
  errichtet.

Joachim  I.  Nestor  (1499—1535)  war  beim  Tode  seines  Vaters  Johann
Cicero  erst  fünfzehn  Jahre  alt,  aber  über  seine  Jahre  hinaus  entwickelt;  die
von  seinem  Oheim  in  Franken
gewünschte  Vormundschaft  lehnte
er  ab.  Gern  beschäftigte  er  sich
mit  Geschichte,  Mathematik,  Astronomie,
  als  Kind  seiner  Zeit  allerdings
  auch  mit  Astrologie,  der
Kunst,  aus  den  Sternen  das
Schicksal  der  Menschen  zu  erkennen,
  und  war  der  lateinischen
Rede  so  mächtig,  daß  die  Fürsten
auf  den  Reichstagen  gewöhnlich
ihn  baten,  die  übliche  Begrüßung
des  päpstlichen  Gesandten  in  lateinischer
  Sprache  zu  übernehmen.
Schon  zur  Zeit  seines  Vaters
hatten  viele  Adlige  teils  aus  Not,
hervorgerufen  durch  Mißwachs
und  die  Pest,  teils  aus  Lust  am  Joachim  I.  Nestor.

Raufen  und  Plündern  wieder  das
Wegelagern  angefangen  und  hofften  jetzt  wohl,  bei  der  Jugend  des  Kurfürsten
  straflos  zu  bleiben.  Einzelne  Geschlechter  waren  so  sehr  der  Schrecken
der  Umgegend,  daß  Bauern  und  Städter  vor  Beginn  einer  Reise  beteten:
„Vor  Köckeritze  und  Lüderitze,  vor  Krachten  und  vor  Itzenplitze  behüt'  uns,
lieber  Herre  Gott!“  In  der  Köpenicker  Heide  geriet  der  Kurfürst  selber  mit  den
„Schnapphähnen“  ins  Handgemenge;  deshalb  griff  er  mit  unerbittlicher  Strenge
ein.  Einen  adeligen  Herrn  seines  Hofes,  der  einen  Bürger  nahe  vor  Berlin
überfallen  und  ausgeplündert  hatte,  ließ  er  enthaupten.  Da  schwuren  ihm  die
Genossen  des  Getöteten  bittere  Rache;  einer  derselben  soll  ihm  an  die  Thür
des  Schlafgemachs  geschrieben  haben:  „Jochimke,  Jochimke,  hüde  dy,  fangen