Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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beschloß  Gneisenau,  dem  Blutvergießen  ein  Ende  zu  machen  durch  die  Ränmung
  des  Wolfsbergs  und  den  Rückzug  der  tapferen  Grenadiere.

Besonders  schmerzlich  wurde  von  diesen  der  Verlust  ihres  heldenmütigen
Führers  von  Waldenfels  beklagt;  aber  sie  konnten  mit  Genugthuung  auf  diesen
nächtlichen  Kampf  zurückblicken;  die  Preußen  hatten  sich  des  alten  Ruhmes
ihrer  Heldenväter  würdig  gezeigt,  die  auf  ihre  Thaten  herabsahen;  denn

—  —  „In  Walhalla  saßen  trauernd,  in  düstrer  Ruh,

Die  prenßischen  Helden  und  fahen  dem  Kampf  um  Kolberg  zu,
Die  einst  das  Schwert  hienieden  für  Preußens  Ruhm  gezückt,
Die  hier  im  Kampf  gefallen,  oder  mit  Narben  geschmückt.

Da  saß  der  alte  Dessauer  mit  langem  Bart  und  Zopf
Und  stützt'  das  Haupt  bedenklich  auf  seinen  Degenknopf,
Dort  auch  der  fromme  Zieten,  da  Roßbachs  kühner  Held
Und  Friedrichs  beste  Stütze,  sein  treuer  Winterfeld.

Und  der  in  Hochkirch  stürmte,  und  der  bei  Landshut  stand,

Und  der  bei  Prag  gefallen,  die  Fahne  in  der  Hand,

Auch  Ferdinand  von  Braunschweig,  Prinz  Louis  ihm  zur  Seit',  —
Die  zeigten  off'ne  Wunden  aus  Preußens  jüngstem  Streit.  —

Dort  auch  der  wackre  Heyde,  Kolbergs  berühmter  Held,
Dess'  tiese  Narben  stammten  von  Hohenfriedbergs  Feld;  —
Doch  ernst  und  finster  blickten  sie  und  die  andern  all,
Versunken  in  die  Traner  um  ihres  Landes  Fall.

Held  Friedrich  saß  abseiten,  gebeugt  auf  seinen  Stab,

Und  wandte  stumm  das  Antlitz  von  seinen  Treuen  ab,

Als  Waldenfels  sich  meldet.  Kommt  Er  von  Preußen  her?
Was  bringt  Er  mit,  wie  lautet  die  neue  Trauermär?  —

Ist's  wahr,  daß  ich  vergessen  von  meinem  Volke  bin

Und  daß  im  Land  erstorben  der  alte  Preußensinn?

Ist  alles  schier  verloren,  zerrissen  jedes  Band;

Ist  Schlesien  noch  zu  retten?  und  hält  noch  Kolberg  stand?

„Mein  Königl=  sprach  der  andre  und  senkte  seinen  Blick,

„Nacht  liegt  noch  über  Preußen,  und  schwarz  ist  sein  Geschick,
Das  Schwert,  das  Du  bei  Leuthen  für  Preußens  Ruhm  entblößt,
Es  ward  mit  Frevlers  Händen  von  Deinem  Sarg  gelöst;  —

Doch  schon  erstarkt  im  Volke  ein  neues  Heldentum,

Der  Preuße  kann  nicht  lassen  von  König  Friedrichs  Ruhm:

Die  Marken,  Schlesien,  Pommern  sind  all  in  Feindes  Hand,

Der  Franzmann  steht  am  Niemen,  —  nur  Kolberg  hält  noch  stand#  —

Eh  bienl-  aufstand  der  König  hoch  in  Walhallas  Saal  —
Es  bluteten  die  Wunden  der  Helden  allzumal  —