Full text : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

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geborene,  haben  oft  eine  so  große  Neigung  zum  Schlase,  daß  der
Hunger  sie  nicht  weckt,  daß  sie  fast  verhungern  können,  ohne  Unruhe
zu  zeigen,  und  plötzlich  unter  Krämpfen  sterben.  Deshalb  müussen
schwache  Kinder  alle  3  bis  4  Stunden  geweckt  und  an  die  Brust  gelegt
  werden.  Sind  sie  zu  schwach  zum  Saugen,  so  muß  man  ihnen
die  aus  der  Mutterbrust  mit  einem  Saugglase  abgezogene  Micch,
oder  verdünnte  Kuhmilch  mit  einem  Löffel  einflößen,  bis  sie  kräftiger
werden.

Eine  Mutter,  die  ihr  Kind  nährt,  wird  es  in  der  Regel  schon
bald  merken,  wenn  sie  dem  Kinde  nicht  hinreichende  Nahrung  zu  bieten
  hat,  und  diese  Besorgniß  aussprechen.  Dagegen  ist  eine  Amme
oft  geneigt,  es  zu  verschweigen,  wohl  gar  eine  Täuschung  zu  versuchen,
  indem  sic  die  Windeln  des  Kindes  durch  Wasser  anfeuchtet.
Desbalb  bedarf  sie  einer  sorgfältigeren  Ueberwachung.  Wenn  man
sich  neben  sie  stellt,  während  sie  dem  Kinde  die  Brust  giebt,  so  hör
man  leicht,  ob  dieses  wirklich  forrdauernd  Milch  schluckt,  oder  vielleicht
  nach  wenigen  Zügen  sich  durch  Saugen  an  der  leeren  Warze
vergeblich  abmüht,  bis  es  ermüdet  einschläft,  um  nach  kurzer  Zeit
durch  den  Hunger  wieder  geweckt  zu  werden.  War  das  Kind  seit
mehren  Stunden  nicht  angelegt,  und  bleiben  trotzdem  die  Brüste  der
Amme  schlaff.  so  ist  man  sicher,  daß  fie  nicht  genügend  Milch  absondert.


S.  146.

Kann,  oder  will  eine  Mutter  ihr  Kind  nicht  stillen,  so  muß  man
zwischen  einer  Amme  und  künstlicher  Auffütterung  wählen.  Die
Entscheidung  darüber  wird  am  besten  dem  Arzte  überlassen,  der  die
besonderen  Verhälmisse  zu  würdigen  weiß;  der  Hebamme  steht  sie
nicht  zu.  Eben  so  wenig  darf  sie  die  Auswahl  einer  Amme  allein
Übernehmen,  sondern  muß  darauf  dringen,  daß  dieses  schwierige  Geschäft
  einem  Arzte  übertragen  werde.

S.  147.

Das  Auffüttern  des  Kindes  ohne  Mutter=  und  Ammenmilch
  erfordert  große  Sorgfalt  und  gelingt  selbst  dabei  nicht  immer.
Im  Allgemeinen  ist  eine  verdünnte  Kuhmilch  für  das  erste  Lebens-Preußisches

  Hebammen-Lehrbuch.  K.