— 113 —
geborene, haben oft eine so große Neigung zum Schlase, daß der
Hunger sie nicht weckt, daß sie fast verhungern können, ohne Unruhe
zu zeigen, und plötzlich unter Krämpfen sterben. Deshalb müussen
schwache Kinder alle 3 bis 4 Stunden geweckt und an die Brust gelegt
werden. Sind sie zu schwach zum Saugen, so muß man ihnen
die aus der Mutterbrust mit einem Saugglase abgezogene Micch,
oder verdünnte Kuhmilch mit einem Löffel einflößen, bis sie kräftiger
werden.
Eine Mutter, die ihr Kind nährt, wird es in der Regel schon
bald merken, wenn sie dem Kinde nicht hinreichende Nahrung zu bieten
hat, und diese Besorgniß aussprechen. Dagegen ist eine Amme
oft geneigt, es zu verschweigen, wohl gar eine Täuschung zu versuchen,
indem sic die Windeln des Kindes durch Wasser anfeuchtet.
Desbalb bedarf sie einer sorgfältigeren Ueberwachung. Wenn man
sich neben sie stellt, während sie dem Kinde die Brust giebt, so hör
man leicht, ob dieses wirklich forrdauernd Milch schluckt, oder vielleicht
nach wenigen Zügen sich durch Saugen an der leeren Warze
vergeblich abmüht, bis es ermüdet einschläft, um nach kurzer Zeit
durch den Hunger wieder geweckt zu werden. War das Kind seit
mehren Stunden nicht angelegt, und bleiben trotzdem die Brüste der
Amme schlaff. so ist man sicher, daß fie nicht genügend Milch absondert.
S. 146.
Kann, oder will eine Mutter ihr Kind nicht stillen, so muß man
zwischen einer Amme und künstlicher Auffütterung wählen. Die
Entscheidung darüber wird am besten dem Arzte überlassen, der die
besonderen Verhälmisse zu würdigen weiß; der Hebamme steht sie
nicht zu. Eben so wenig darf sie die Auswahl einer Amme allein
Übernehmen, sondern muß darauf dringen, daß dieses schwierige Geschäft
einem Arzte übertragen werde.
S. 147.
Das Auffüttern des Kindes ohne Mutter= und Ammenmilch
erfordert große Sorgfalt und gelingt selbst dabei nicht immer.
Im Allgemeinen ist eine verdünnte Kuhmilch für das erste Lebens-Preußisches
Hebammen-Lehrbuch. K.