Volltext : Blätter für Rechtssanwendung. IX. Band (9)

126  Intestaterbrecht  der  Kinder  eines  kathol.  Geistlichen.

von  der  Klage,  und  dieser  Ausspruch  erhielt  —  unter
  Bezugnahme  auf  die  appellationsgerichtlichen
Entscheidungsgründe,  die  oberstrichterliche  Bestätigung
  (OAGE.  v.  28.  Dez.  1830,  Nr.  974  20).
Suc-Motiotrung  des  bestätigten  Urtheils  war  aneführt:

8  Die  Klägerin  ist  keine  spuria,  sondern  will
von  einem  katholischen  Pfarrer  erzeugt  seyn,  welcher
  nach  katholischen  Gesetzen  nicht  heirathen  darf.
Sie  ist  baher  cK  damnato  coitu  nata,  und  es
fragt  sich,  ob  auch  Kinder  bieser  Art  Anspruch  auf
das  gesetzliche  Erbrecht  in  den  sechsten  Theil  der
Verlassenschaft  ihres  natürlichen  Vaters  haben?
Darüber  bestehen  Kontroversen.  Indessen  enthält
  das  römische  Recht  eine  deutliche  Bestimmung.
Die  Nov.  89,  welche  von  dem  fraglichen  Erbrechte
handelt,  sagt  Kap.  15  wörtlich:
ultima  vero  legis  pars  nos  cxspecctat,
ut  et  ipsa  convenientem  ordinem  accipiat,
  atque  cnumeremus,  qui  ne  ipso
quidem  nominc  naturalium  digni  sint.
Ac  primum  quidem  omnis,  qui  ex  nefarüs
  vel  incestis,  vel  damnatis  complexibus
  nascitur,  is  nec  naturalis  vocabitur,
  nec  a  parentibus  alitur,  nec
cum  hac  lege  quid  commune  habebit.
Zwar  ist  Thibaut  s.  682  der  Ansicht,  daß
nur  die  incestuosi  von  dem  fraglichen  Erbrechte
ausgeschlossen  sind,  —  die  adulterini  und  aus
sonst  nur  verbotenen  Verbindungen  erzeugten  Kinder
  aber  nicht  den  incestuosis  sondern  den  spuriis
  gleich  zu  setzen  sind,  und  es  ist  auch  richtig
daß  nach  der  Billigkeit  des  kanonischen  Rechts
Kap.  5,  X,  de  co,  qui  duxit  in  matrim.  qusm
polluit  per  adulterium,  der  natürliche  Vater
den  adquliterinis  und  aus  verbotenem  coitu  erzeugten
  Kindern  die  natürlichen  Alimente  schuldig
ist;  allein  von  der  Alimentation  gilt  noch  kein