66 Zweiter Zeitraum.
und mit den bis zur äußersten Erschöpfung angestrengten Menschen und
Pferden gegen Fehrbellin noch etwas zu unternehmen. Am folgenden Morgen
nahm er die Stadt ein; die Schweden flohen eiligst davon, auch der Feldmarschall
Wrangel hatte inzwischen Havelberg verlassen und zog sich nach
Norden zurück.
Unter den Gefallenen befand sich auch der Stallmeister des Kurfürsten, Emanuel
von Froben. Den Obersten Hennigs (Henniges), eines Bauern Sohn aus
der Mark, erhob der Kurfürst gleich auf dem Schlachtfelde für bewiesene Tapferkeit
unter dem Namen von Treffenfeld in den Adelstand. Die Schlacht. von Fehrbellin,
die erste, welche die Brandenburger allein gewannen, ist eine der ruhmvollsten
der ganzen brandenburgischen Geschichte; die Nachricht von derselben setzte Freund
und Feind in Erstaunen, und damals zuerst wurde Friedrich Wilhelm (in einem
elsässischen Volksliede) der Ehremame „der Große“ beigelegt.
Die Niederlage der Schweden hatte weitreichende Folgen. Ihre deutschen
Bundesgenossen zogen sich zurück, der Reichskrieg gegen Schweden wurde erklärt,
und Dänemark, gierig nach Schwedens deutschen Besitzungen Bremen
und Verden, schloß mit dem Großen Kurfürsten ein Bündnis. Sobald das
brandenburgische Fußvolk über Magdeburg nachgekommen war, brach der Kurfürst
wieder auf und eroberte noch 1676 fast ganz Vorpommern, Ende 1677
nach harter Belagerung die Festung Stettin und 1678 mit Unterstützung der
dänischen und einer kleinen brandenburgischen Flotte selbst Stralsund und
Greifswald. Somit besaß Schweden in Pommern keinen Fuß breit Landes
mehr. Der Kurfürst ging nach Westfalen, um seine dortigen Besitzungen
gegen die anrückenden Franzosen zu decken; dort erhielt er die Vachricht, daß
(November 1678) die Schweden von Livland aus mit 16000 Mann in Preußen
eingefallen seien und der König von Polen die Absicht hege, sich mit ihnen zu
vereinigen. Dazu waren viele in Preußen mit den Feinden in geheimer Verbindung.
Dennoch verzagte der Kurfürst nicht. Sofort erteilte er seinen in
Pommern stehenden Regimentern Befehl zum Aufbruch nach Preußen; er selber
eilte, sobald seinc heftigen Brustbeschwerden es ihm gestatteten, im. Januar
1679 ihnen nach. Sowie die Schweden von der Annäherung des Kurfürsten
Kunde erhielten, zogen sie sich zurück; um ihnen den Rückzug abzuschneiden,
eilte der Kurfürst bei der grimmigsten Kälte mit 1200 eiligst zusammengebrachten
Schlitten, auf denen er sein Fußvolk fortschaffen ließ, über das
gefrorene Frische und Kurische Haff, traf aber nur noch Trümmer des schwedischen
Heeres, die er dann durch Gencral Schöning mit nur 1500 Reitern
durch das öde, fast dorflose Land bis vor Riga verfolgen ließ. Infolge der
eisigen Kälte — die Reiter mußten oft neben den Pferden herlaufen, um
nicht zu erfrieren — und der heftigen Verfolgung der Brandenburger rettete
sich von dem schwedischen Heere kaum der zehnte Teil. So hatte der Kurfürst
in zwölf Wochen bei ungewöhnlicher Winterkälte einen Marsch von 100 Meilen
gemacht, den Feind in zwei Tagen aus dem Lande gejagt, noch 40 Meilen
in dessen eigenem Lande verfolgen lassen und dadurch fast die ganze feindliche
Armec aufgerieben.
Schon in Königsberg erfuhr der Kurfürst, daß seine Verbündeten ohne ihn
mit Ludwig XIV. in Nymwegen Frieden geschlossen hatten. Weder der Kaiser,
noch die übrigen deutschen Fürsten wünschten eine Vergrößerung Brandenburgs;