82. 1611 183
prudens et impotens scandalum‘ jetzt nach Budweis ziehen, „sich März 5.
zur abdankung aufs schörfist obligiern, die commissarien zu disem
ende mitnemen, hergegen I. M.' (welches dan auch alberait würklich
gelaistet worden) ein 150,000 thaler baares gelt und 100,000 fi.
in gold, silber und waaren zum effect diser abdankung mitgeben.
An Leopold mant man heftig ab, damit er nit mitziehe, ursachen
und sach halber, wie E. hochfürstl. Gn. leichtlich ermessen können,
sonderlich weil man sagt, dass zu Budweis fast ein neues regiment
angeloffen und ein grosse anzal aus elsassisch volk sich auch herbei
mache. Aber es wais ainer schier seinen besten confidenten nichts
mer zu glauben. — Aldieweil aber sorg und hofnung in höchster
bilancia und derjenige theil schier fürschlägt,“ so habe ich dem
Kaiser E. hochfl. Gn. Schreiben und Erbieten, wie ohnehin billig,
mitgeteilt, der bestens dankt und bittet, dass, wenn „je von aussen
oder inwendig noch merer trangsal erscheinen solte,“ E. hochfl. Gn.
und die treuen Nachbarfürsten „sich eifrig interponirn und nicht
gestatten wolten, das man ein römischen kaiser so übel tractiere.‘“ —
Gestern haben die Stände des Erzherzogs Leopold geheimen
Rat Tengnagel, den der Kaiser an die rheinischen Kurfürsten
geschickt hatte, sowie den englischen Gesandten Lesieur und den
kaiserlichen Hofkammerrat Meckbach gefangen genommen. — „Der
baierischen liga marschalk secretarius! ..... ist vor 5 tagen
gähling dorthin [nach München] abgefordert worden. Daneben mörk
ich an babst, Spanien, Mathias, Maximilians, Ferdinands ministris, das
etwas besonders im heu ist; Albrecht excusando se accusat. —
Minckwitz aus Sachsen? hat meines wissens noch gar nichts bericht.
Ich höre aber mit zimblichem fundament, das der stend abgesandter,
einer von Wartenberg, mit schlechtem contento alda abgefortigt sei
worden.” Datum zu Prag den 5. martii a. 1611.“
Ma., 107 42, f 142, Or. eigb.t
ı Der Name von Tillys Sekretär ist ausgefallen.
? Wegen Minckwitz' Schickung vgl. oben ne. 67, 8.154, Anm.1 und no. 80.
® Vgl. oben no. 81.
* Hegenmüllers Bericht erfährt durch das eben erwähnte Schreiben des
Reichspfennigmeisters Matthaeus Welser an Herzog Maximilian von Baiern
vom 5. März noch manche Ergänzung. Welser, der den Kreisen des Erzherzogs
Leopold nahe stand wie er auch hernach in dessen Katastrophe verwickelt
wurde, schreibt: Die passauische Impresa will ziemlich schlecht ablaufen,
Durch lange aufzügliche Verhandlungen und weil der Kaiser keinen Ernst
gegen die Altstadt zulassen wollte, haben die Stände an 12000 Mann
geworbenen Volkes und 2000 Pferde, das Landvolk ungerechnet, in dio Stadt
bekommen ; doch sind die Soldaten noch ungemustert und grossen teils unbewaffnet,
die Reiterei ist vom Adel gestellt. Das Volk des Königs von
Ungarn soll nicht mehr weit sein; es wird auf 4—8000 Mann geschätzt.
Einige sagen, der König sei gestern aufgebrochen, nach andern ist er bettlägerig.
Der Kaiser hat sich endlich entschieden, das passauer Volk von hier
abfüähren zu lassen; es soll 150000 Thaler baar und 100000 fl. in Waren und
Silbergeschirr erhalten und damit nach Budweis ziehen, wo die Abrechnung
und Abdankung erfolgen soll. Das Unternehmen war auf das unbegründete