Metadaten : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Siebzehnter Jahrgang. 1901. (42)

216  Grefibrilaunien.  (April  18.)

das  Budget  vor.  Neue  Steuern.  Anleihe.  Kriegskosten.  Einkünfte

  aus  Südafrika.

Der  Schatzkanzler  beantragt  mehrere  Steuer=  und  Zollabänderungen.
Danach  soll  die  Einkommensteuer  um  zwei  Pence  für  ein  Pfund  Sterling
Einkommen  erhöht  werden.  Ferner  wird  ein  Zuckerzoll  vorgeschlagen  mit
vier  Schilling  zwei  Pence  für  den  Zentner  Raffinade  und  ein  Zoll  auf
Rohzucker  stufenweise  nach  der  Güte  absteigend  von  vier  Schilling  zwei
Pence  für  den  Zentner  Rohzucker  bis  zwei  Schilling  für  den  Zentner.  Der
Zoll  auf  Melasse  und  Syrup  verschiedener  Art  soll  auf  zwei  Schilling  für
den  Zentner  und  für  Glukose  auf  ein  Schilling  acht  Pence  für  den  Zentner
festgesetzt  werden.  Auf  Kohle  soll  ein  Ausfuhrzoll  von  einem  Schilling  auf
die  Tonne  gelegt  werden.  Der  Schatzkanzler  bemerkte,  von  den  neuen
Steuern  sei  eine  Gesamteinnahme  von  elf  Millionen  Pfund  zu  erwarten.
Er  beantragte  ferner  die  neuerliche  Suspendierung  der  Schuldentilgung.
Das  Defizit  dürfte  danach  auf  39  707000  Pfund  Sterling  herabgemindert
werden.  Er  ersuche  um  die  Ermächtigung,  60  Millionen  Pfund  Sterling
in  Form  einer  Anleihe  aufzunehmen.  Der  Gesamtbetrag,  den  das  Schatzamt
  im  vergangenen  Jahr  beschaffte,  erreichte  die  gewaltige  Summe  von
198  Millionen  Pfund  Sterling.  Die  Nationalschuld  beläuft  sich  auf  688
Millionen  Pfund  Sterling;  die  Ausgaben  für  das  gegenwärtige  Jahr
wurden  auf  187  Millionen  Pfund  Sterling  und  die  Einnahmen  aus  den
bisherigen  Einnahmequellen  auf  132  Millionen  Pfund  Sterling  veranschlagt.
  Der  Redner  erörtert  das  Anwachsen  der  ordentlichen  Ausgaben,
abgesehen  von  den  Kriegskosten.  „Die  vorhandene  Basis  der  Besteuerung
muß  erweitert  werden.  Die  vorgeschlagenen  Zuckerabgaben  dürften  5  100000
Pfund  Sterling  einbringen.  Es  ist  schwer,  vorauszusagen,  welche  Wirkung
die  Abgaben  auf  den  Zuckerpreis  haben  werden.  Aber  es  ist  anzunehmen,
daß  eine  solche  Masse  von  Prämienzucker  in  England  eingeführt  werden
wird,  der  in  anderen  Ländern  keinen  Markt  findet,  daß  der  Preis  herabgehen
  wird,  wenngleich  er  zuerst  etwas  steigen  könnte.  Es  werde  außerdem
  die  Bestimmung  getroffen,  auf  Zuckerwaren  aus  fremden  Ländern,  die
mit  den  einheimischen  Waren  konkurrieren,  Zoll  zu  legen.  Auch  der  westindische
  Zucker  wird  nicht  abgabenfrei  bleiben.“

Ueber  den  Kohlenausfuhrzoll  sagt  er:  Die  gesamte  Kohlen-Ausfuhr
Englands  betrage  46  Millionen  Tonnen,  davon  88  Prozent  nach  Europa
und  den  Mittelmeerländern.  Die  europäischen  Konsumenten  können  die
englische  Kohle  nicht  entbehren,  sie  können  jetzt  schon  den  Einfuhrzoll  ihrer
Länder  tragen.  Frankreich  führte  im  letzten  Jahre  8  600  000  Tonnen  englische
  Kohlen  ein  und  2  Millionen  mehr  als  im  Vorjahre  mit  einem  Einfuhrzoll
  von  fast  einem  Schilling  auf  die  Tonne.  Rußland  importierte
3200000  Tonnen.  England  beherrscht  mit  seiner  Kohle  so  den  Markt,
daß  der  Ausfuhrzoll  die  Ausfuhr  nicht  beeinträchtigen  dürfte  Sollte
letzteres  der  Fall  sein,  so  hätte  der  Uebelstand  auch  sein  Gutes,  denn  entweder
  würde  der  Kohlenpreis  für  die  heimischen  Konsumenten  heruntergehen
  oder  es  würde  weniger  produziert  und  damit  die  Kohle  für  die  Zukunft
  aufgespart  werden.  Was  die  vorgeschlagene  Anleihe  betreffe,  führte
Redner  aus,  so  habe  Sir  David  Barbour,  der  nach  Transvaal  geschickt
sei,  um  Bericht  über  die  finanzielle  Lage  des  Landes  zu  erstatten,  einige
vorläufige  Beobachtungen  gemacht,  die  gerade  nicht  ermutigender  Natur
seien.  Barbour  glaube,  daß  noch  zwei  bis  drei  Jahre  nach  Wiederherstellung
des  Friedens  vergehen  könnten,  bis  Transvaal  imstande  sei,  etwas  zur
Deckung  der  Kriegskosten  beizutragen.  Von  der  Oranjekolonie  könne  überhaupt
  nichts  erwartet  werden.  Der  Krieg  sei  kein  kleiner  Krieg  gewesen,
er  hätte  bis  jetzt  schon  153  Millionen  Pfund  gekostet.