Pommern und Ostpreußen 93
Von den großen Fürstengeschlechtern Deutschlands hatten nur
Sachsen und Brandenburg bedeutendere Gebietsvergrößerung erreicht,
ersteres die im Frieden von Prag (1635) erhaltenen beiden
Lausitzen behauptet; es frug sich, welcher Staat mit mehr Glück da
fortfahren werde; es ist das Verdienst Friedrich Wilhelms gewesen,
schon im nächsten Jahrzehnt einen weiteren Schritt vorwärts zu tun,
indem es ihm gelang, eine Provinz von allen Lehensfesseln zu befreien
und sie völlig frei und souverän zu beherrschen: Preußen. Die
vielverschlungene Politik, durch welche er dies erreichte, ist rasch geschildert.
Der alte Gegensatz zwischen Polen und Schweden, die Rivalität
an der Ostsee, gesteigert durch verwandtschaftliche Reibungen in derselben
Familie, denen die Könige von Schweden und Polen angehörten,
konnte nicht anders als durch die Entscheidung der Waffen ausgeglichen
werden. Nachdem Gustav Adolfs seltsame Tochter Christine
ihre Krone niedergelegt hatte, kam ein pfälzisches Fürstengeschlecht
auf den schwedischen Thron, das in drei überaus kriegerischen
Fürsten: Karl X., Karl XI., Karl XII. geherrscht hat. Karl X. begann
den Krieg mit Polen. In diesem hätte der Kurfürst von Brandenburg
als Herzog von Preußen, also als Lehensmann Polens,
für letzteres die Waffen führen sollen, er hat es anfänglich getan, um
im entscheidenden Augenblicke abzufallen und mit dem Schwedenkönige
sich zu verbinden. Polnisch-Preußen wird von Schweden erobert,
Friedrich Wilhelm macht mit diesem gemeinsame Sache, um
sich Ostpreußen unter schwedischer Oberhoheit zu erhalten. Zum
ersten Male treten die brandenburg-preußischen Truppen in den
Vordergrund; in der dreitägigen Schlacht bei Warschau, 1656, gewinnen
sie Lorbeeren und machen ihren Fürsten zu einem begehrenswerten
Bundesgenossen. In einem weiteren Vertrage räumt Karl X.
von Schweden dem Kurfürsten seinen ostpreußischen Besitz, vermehrt
um Ermeland, ohne jede Lehensbeschränkung ein. Schweden kann sich
in seiner gewaltigen Stellung nicht behaupten, es ist zu klein, um
Weltmacht zu sein. Polen erholt sich von seiner Demütigung und in
dem Augenblicke, wo es aufs neue gegen Schweden sich wendet, bricht
Friedrich Wilhelm seine Bundesgenossenschaft mit Schweden und
verbindet sich mit Polen um den Preis, Preußen ebenso souverän
vom früheren, rechtmäßigen Besitzer, Polen, zu erhalten, wie der
schwedische Usurpator es ihm eingeräumt hatte; der Plan gelingt,
Schweden wird geschlagen, und seit 1660 ist Friedrich Wilhelm souveräner
Herr in Preußen. Die preußischen Herren verlieren damit