Kap. IV. Die Germanen. 31
Hiernach ergibt sich das viel besprochene Verhältnis, in
dem das Zahlensystem zu dem der Geschlechterverbände steht.
Das erstere ist das ältere, von dem nur der Name übrig geblieben
ist, wie Tacitus zu den centeni anmerkt, das zweite ist das mit
der Ansiedlung verknüpfte, das aktuelle.
Taktische Formen : Keile, Phalanx und gemischte Truppe.
Die Schlachtordnung des Fussvolkes des Stammes, acies
instructa besteht entweder in einer Mehrheit von Keilen oder
aus der einheitlichen Phalanx. Ihre innere Stärke beruht in den
Geschlechtern, deren Glieder, nach Sippen geordnet zusammen
stehn. Beide Formen sind auf ÖOffensivstösse berechnet. Acies
instructa. Gall. VII 28. Acies per cuneos componitur. Germ. 6, 7.
Über die Gestalt des Keils sagt Taeitus: Civilis haud porrecto
agmine sed cuneis adstitit, nicht in ausgerichteter Linie,
sondern in Keilen. Hist. V 16. Der Keil ist eine dicht gedrängte
Schar, auf allen Seiten, in Front, Rücken und auf den
Flanken wohl gedeckt (Batavi) veteres militiae in cuneos congregantur,
densi undique et frontem tergaque ac latus tuti. Hist.
IV 20. Nach Vegetius ist er ein Trupp, der vorn schmaler,
nach hinten breiter sich auf den Feind stürzt, multitudo peditum,
quae juncta acie primo angustior deinde latior in hostes irrumpit.
III 19. Er hat die Gestalt eines Eberkopfes, svinfylking im
Norden, caput porci, eines Delta. Bei Agathias war die Aufstellung
des fränkisch-alamannischen Heeres bei Capua oloval EußoAov
in der Gestalt eines Delta, dicht geschlossen und mit Schilden
gedeckt.
Auch die Kelten und Römer kennen den Keil. Jene verwendeten
ihn in Avaricum : Cuneatim acie instructa, im bellovakischen
Krieg: in hostium (der Kelten) cuneos. Gall VII 28;
VIH 14; die Römer bei Aduatuca, wo die ausgeschlossenen
Soldaten einen Keil bildeten, um sich zum Lager durchhauen
zu können. Cuneo facto, ut celeriter perrumpant. Gall. VI 40.
Bei Ammian stürmten im Jahre 858 im Kampf gegen die Limi-